Alison Moyet (foto: Georgie Gibbon)

Live: Alison Moyet in Frankfurt – Eine Hommage an Yazoo

Alison Moyet gehört zu den großen Stimmen der 1980er Jahre. Standesgemäß war ihr Konzert  in der Frankfurter Jahrhunderthalle denn auch ausverkauft. Und das, obwohl gar nicht ihr Solo-Schaffen im Fokus des Konzerts lag.

Die Sterne standen offenbar irgendwie günstig. Nur so ist es zu erklären, dass sich Ende der Siebzigerjahre in einer sechsten Klasse der Nicholas Comprehensive School im ostenglischen Basildon gleich mehrere spätere Weltstars tummelten. Martin Gore, Andy Fletcher (beide später bei Depeche Mode), Perry Bamonte (später bei The Cure) und Alison Moyet drückten damals gemeinsam die Schulbank. Ihren großen Durchbruch feierte Moyet aber nicht mit einem ihrer talentierten Klassenkameraden, sondern einem anderen jungen Mann, der ebenfalls die gleiche Schule besuchte: Vince Clarke. Zusammen bildeten sie ab 1981 das Synthie-Pop-Duo Yazoo. Und genau eben diesem widmete Alison Moyet den Großteil ihres Konzerts in Frankfurt.

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Keine Frage: Yazoo hatten ja auch Maßstäbe gesetzt. Sie waren es, die dem Synthie-Pop eine Seele gaben, sie brachten den Soul in die damals noch frische und von Natur aus eher unterkühlte Musikrichtung. Es war ein match made in heaven: Vince Clarke hatte ordentlich Feuer im Bauch, nachdem er die von ihm mitgegründeten Depeche Mode kurz vor der Veröffentlichung des Debütalbums verlassen hatte. Mit Sänger Dave Gahan kam er nicht wirklich klar, dieser wiederum mochte das Songwriting Clarkes nicht. Auch das ganze Bohei um die Band war Clarke suspekt. Und so meldete er sich auf die Annonce einer jungen Ex-Punk-Musikerin. Die Kombination Songtüftler plus weibliche, ausdrucksstarke Stimme sollte zur Blaupause für viele andere erfolgreiche Duos der 1980er werden. Bands wie die Eurythmics oder Roxette wären ohne Yazoo nicht denkbar gewesen. Auch die House-Musik des Jahrzehnts wurden von Yazoo stark beeinflusst – und das, obwohl es die Band gerade mal 18 Monate und zwei Alben lang gab.

„Es gab keinen Druck“

Clarke wandte sich danach zunächst The Assembly zu, später fand er dann mit Andy Bell bei Erasure seine Bestimmung. Alison Moyet startete eine überaus erfolgreiche Solokarriere, in den 1980ern gehörte sie zu den eindrucksvollsten weiblichen Stimmen des Pop. Erst 2008 traten Clarke und Moyet noch einmal gemeinsam auf, womit auch ein Schlussstrich unter die Spannungen gezogen wurde, die es am Ende zwischen den beiden eben auch gegeben hatte. Es war wohl dieses letzte Kapitel der gemeinsamen Geschichte, das Moyet heute ab und an nostalgisch zurückblicken lässt. Dem SWR sagte sie mal im Interview über die frühen Bandjahre: „Alles passierte damals zum ersten Mal. Mit Yazoo war alles so unschuldig, es gab keinen Druck.“

Yazoo standen also voll im Fokus beim Moyet-Konzert am Donnerstagabend in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Ihre großen Solo-Hits – „Invisible“, „For You“, „Is This Love?“ oder etwa „All Cried Out“ – ließ Moyet allesamt weg. Wenn es doch etwas aus ihrem Solo-Schaffen auf die Setlist schaffte, dann waren es zum Konzept passende, elektronische Nummern aus den späteren Moyet-Alben „Other“ (2017) und „The Minutes“ (2013). Platten also, die hierzulande eher unter dem Radar liefen und seinerzeit nicht die Charts erreichten.

Sympathischer Auftritt

Es war ein sympathischer Auftritt, den die 65-Jährige in der Main-Metropole hinlegte. Auf der Bühne stand eine Frau, die niemandem mehr etwas beweisen muss. Mehr als 23 Millionen verkaufte Platten und mehr als zwei Millionen verkaufte Singles sprechen eine deutliche Sprache. Die Frau gehört nicht zu den Künstlern oder Künstlerinnen, die noch auf der Bühne stehen müssen, sondern zu denen, da stehen wollen. Um Ruhm und Anerkennung geht es ihr längst nicht mehr, ihre Goldenen Schallplatten hat sie allesamt zerstört. Unnötiger Ballast.

Von ihrer Magie hat Moyet in all den Jahren nichts verloren. Ihre warme Soul-Stimme kommt auch mit Mitte 60 noch mit unheimlich viel Druck, da hat Moyet nichts eingebüßt. Ihr Soul-Organ funkelt im Kontrast zu den kühlen Synthie-Sounds, die 2026 – der nun zehn Jahre andauernden 1980er-Retromanie sei Dank – immer noch erstaunlich frisch wirken.

Aus dem Nähkästchen geplaudert

Am Anfang entschuldigt sich Moyet noch vorsichtshalber für ihre eventuelle Geschwätzigkeit zwischen den Songs, das sei ihrer britische Arroganz geschuldet, sagte sie lachend. Tatsächlich setzte sie ihre Geschichten und Anekdoten aber wohl dosiert ein, glänzte mit Anekdoten und Hintergrundinfos zu den einzelnen Stücken. Etwa zu „Ode to Boy“. Bei der Nummer geht es um eine junge Frau, die einen jungen Mann in Alltagssituationen, aber auch sehr emotionalen, einsamen Momenten beobachtet und dabei eine leise Sehnsucht verspürt. „Ich habe es damals nicht verraten, aber es war ein Song über Vince“, so Moyet. Es sei dabei nicht um Romantik gegangen, sagte sie auch schon in Interviews, vielmehr um Faszination, die der distanzierte Eigenbrötler auf sie ausübte. „Was wusste ich schon von Themen wie Liebe. Wenn ich damals Texte schrieb, war das alles Projektion, ich war noch so jung, mir hatte noch niemand das Herz gebrochen. Ich hatte all das noch nicht erlebt“, plauderte  Moyet aus dem Yazoo-Nähkästchen.

Am Ende waren es die großen Yazoo-Nummern, die den meisten Beifall erhielten. Moyet hatte sie für den Schluss aufgehoben. „Only You“ kam als vorletzter Song des Hauptsets, auf den das wunderbare „In My Room“ den Deckel drauf machte. Drei Zugaben gab es on top, zum großen Finale natürlich „Don’t Go“. Der würdige Abschluss eines grandiosen Konzertabends, den das Publikum zurecht mit Standing Ovations feierte.

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