Paul Young (foto: Fiege)

Live: Paul Young in Alzey – Eine Reise ins Gestern

In Deutschland spielt Weltstar Paul Young in diesem Jahr nur ein einziges Konzert: beim „Da-Capo-Festival“ im Schlosspark in Alzey. Am Samstag machte der Brite in Rheinhessen Station.

Nein, man merkt es Paul Young nicht mehr an, dass er vergangenes Jahr lange auf Krücken angewiesen war. Der Sänger stürzte während seines Urlaubs auf der griechischen Insel Santorini im Hotel eine Treppe hinunter und zog sich dabei mehrere Knochenbrüche zu. „Mein Bein rutschte unter mir weg, als ich den Fuß auf die erste Stufe setzte. Ich stürzte. Das Bein knackte richtig, als ich aufschlug“, erinnerte sich Young im Interview mit dem „Mirror“. Als er unten angekommen war, lag sein Bein in einer merkwürdigen Position unter seinem Gesäß, berichtete er: „Ich dachte: ,Das gefällt mir nicht. Mein Bein sollte nicht so sein.’ Also habe ich versucht, es wieder aufzurichten, und da fingen die Schmerzen an.“ In Athen wurde er operiert, er sei sogar während der Narkose aufgewacht, anschließend auf die Intensivstation gekommen. Paul Young ist im vergangenen Jahr durch die Hölle gegangen.

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Die Presse war dennoch zuletzt ziemlich unerbittlich mit ihm, vor allem, als neulich ein Auftritt in Österreich offenbar in die Binsen ging. „Erschütternd“, sei der Gig gewesen, schrieb das Portal „oe24“, von „Fremdschäm-Alarm“ war die Rede. Das ließ nichts Gutes erahnen.

In Alzey besser in Form

Auf der Bühne in Alzey aber merkt man ihm die Horror-Verletzung und die Negativ-Schlagzeilen der vergangenen Tage nicht mehr an. Sicher, der Brite ist im Januar 70 Jahre alt geworden und bewegt sich nicht mehr wie ein 25-Jähriger, für ein Mann seines Alters ist er aber in guter Verfassung.

Stimmlich merkte man Young beim „Da Capo“ das Alter hingegen natürlich an. In den 1980er Jahren, als er zum Weltstar aufstieg, da war sein Markenzeichen dieses samtige, aber gleichzeitig rauchige Soul- und Blues-Organ, oft schraubte er sich auch in einen Falsettgesang hoch. Heute wird nicht mehr so in die Höhe geschraubt, die Stimme ist deutlich tiefer und heiserer geworden, auch eine Folge der Stimmbandprobleme, mit denen Young seit den 1980ern immer wieder zu kämpfen hat. Dass seine Stimme gealtert ist, weiß auch Young, wie er schon in diversen Interviews zugab. Ganz der Profi wird das bei Live-Auftritten so gut es geht kaschiert, sei es durch die Tonabmischung, bei der die Musik etwas in den Vordergrund gemixt wird, oder auch durch die stimmliche Unterstützung zweier Background-Sängerinnen sowie auch der Bandmitglieder, gerade bei den Refrains. Das war auch in Alzey nicht anders, was dem einen oder anderen Konzertbesucher negativ auffiel.

Am Ende geht es bei solchen Konzerten von Künstlern wie Young aber auch immer eher um eines: die Feier der Vergangenheit. Ein gemeinsames Abtauchen in die Nostalgie, in Youngs Fall: die 1980er Jahre. Da startete der frühere Q-Tips-Sänger solo durch und ging direkt mit seiner Erstlingsplatte „No Parlez“ steil.

Viel „No Parlez“ auf der Setlist

Aus diesem 1983er Machwerk speiste sich denn auch ein großer Teil der Setlist in Alzey. So gab es etwa ein Wiederhören mit „Wherever I Lay My Hat (That’s My Home)“, „No Parlez“, „Love of the Common People“ (schon recht früh im Set) und „Sex“.

Den größten Hit der Platte hatte Young ebenfalls mit im Gepäck, allerdings für den Zugabenteil aufgespart. „Come Back and Stay“, das ursprünglich von Jack Lee und dessen Punkband The Nerves stammt. Young hat ja eine Karriere darauf aufgebaut, gute Titel anderer großartig zu machen. „Come Back And Stay“, seinerzeit ein Nummer-eins-Hit in Deutschland, war denn auch das Lied, auf den die Fans beim „Da Capo“ am meisten abfuhren und sich am textsichersten präsentierten. Es war auch Youngs stärkster Moment des Abends. Aber auch „Senza Una Donna“ (natürlich ohne Zucchero-Unterstützung) und „Everytime You Go Away“ blieben haften.

Nach zwei Zugaben war dann Sense. Der Schlussstrich unter einen insgesamt gelungenen Abend, zu dessen Gelingen auch die friedliche Stimmung und die magische Atmosphäre im Alzeyer Schlosshof beitrugen. Auch wenn es letztlich nicht ganz so voll wurde wie tags zuvor beim Konzert von ClockClock. Und obwohl der eine oder andere Gast offenbar ein Problem damit hatte, keinen Stuhl mit aufs Gelände schleppen zu dürfen.

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