Michael Bublé (foto: fiege)

Live: Michael Bublé in Mannheim

Kaum eine Hochzeit kommt heute noch ohne musikalische Untermalung von Michael Bublé aus. Ausnahmsweise mal völlig losgelöst von diesem Kontext ließ sich der kanadische Schmusesänger am Freitagabend nun live in der Mannheimer SAP-Arena erleben. Die war gefüllt bis auf den letzten Platz – auch wenn die Anreise für manchen Konzertbesucher durchaus beschwerlich war. 

Randale bei Konzerten – solche Meldungen bringt man ja eher mit den Auftritten von Rock-Bands in Verbindung. Wenn Axl Rose etwa mal wieder keinen Bock hatte, aufzutreten, brach sich schon mal die Wut im Publikum ihre Bahnen. Fäuste flogen. Und auch von Auftritten der Stones oder Bill Haley sind solche Geschichten überliefert. 

Dass nun ausgerechnet der als vollkommen ungefährlich geltende, kanadische Schmusesänger Michael Bublé dieser Tage in die Schlagzeilen geriet, weil sich Fans bei seinem Gastspiel in Köln ordentlich auf die Mütze gaben, war da schon eine handfeste Überraschung. Für alle, die es nicht mitbekommen hatten, folgendes war passiert: Laut eines Berichts der „Bild“-Zeitung fühlten sich ein Mann und eine Frau von Gesprächen anderer Gäste während des Bublé-Konzerts in der Lanxess-Arena in ihrem Genuss gestört. Der Mann habe daraufhin offenbar versucht, den Störenfried mit Schlägen ins Gesicht zu mehr Rücksichtnahme zu bewegen. Die Security musste eingreifen. Michael Bublé selbst, so heißt es, habe auf der Bühne von der Keilerei nichts mitbekommen. Damit blieb dem Publikum vielleicht erspart, dass dieser wie einst Kurt Cobain wütend in die Menge sprang, um die Situation aufzulösen.

In Mannheim bleibt es friedlich

Die gute Nachricht also vorweg: In Mannheim blieb es augenscheinlich friedlich. Dabei ist der eine oder andere durchaus mit erhöhtem Frust-Pegel angereist. Denn: Rund um die SAP-Arena herrschte vor der Show ein totales Verkehrschaos. Zwischen der Autobahn und der Arena ging nix mehr, ein Megastau. In dem leider auch der Autor dieser Zeilen feststeckte. Dessen Anfahrt, die sich üblicherweise über 25 Minuten erstreckt, dauerte diesmal mehr als zwei Stunden. Den ersten Teil des Konzerts, so transparent wollen wir an dieser Stelle sein, hat er daher leider nicht mitbekommen. Er kam aber gerade noch rechtzeitig hinzu, um zu erleben, wie der kanadische Superstar den Showteil einleitete, in dem er das Mikro auch mal anderen überließ. Etwa dem Publikum. So suchte er sich unter den Zuschauern einen Freiwilligen, der mit ihm auf der Bühne seinen Superhit „Everything“ trällern durfte.

Mehr oder weniger freiwillig wurde dann ein gewisser Cornelius aus Heidelberg von seiner Freundin für diese Aufgabe vorgeschlagen. Er fasste sich ein Herz – und lieferte eine eindrucksvolle Performance ab. Sehr zur Überraschung des Publikums und vor allem von Michael Bublé, der sichtlich begeistert war. „That was good, dude. You’ve got some big balls there“, lobte er ihn danach – frei nach Olli Kahn. Eine direkte Übersetzung sparen wir uns an dieser Stelle.

Ein moderner Frank Sinatra – mit mehr Selbstironie

Es war eine Szene, die aber auch ganz nett unterstreicht: Michael Bublé ist nicht nur ein hervorragender Sänger, sondern eben auch ein fantastischer Entertainer. Eine Art  moderner Frank Sinatra, vielleicht ohne dessen unterschwellige Gefährlichkeit (dem Mann wurden ja immer wieder Verbindungen zur Mafia nachgesagt), dafür aber mit viel Selbstironie und Witz. Der 44-Jährige scheint sich selbst nicht übertrieben ernst zu nehmen, das macht so eine Bublé-Show – so bombastisch sie mit den vielen Effekten und dem großen Orchester auch daher kommt- ganz erfrischend.

Eine eifersüchtige Ehefrau

Schreiend komisch etwa der Moment, als er von dem Videodreh zu seiner Single „Love You Anymore“ erzählte, jenem Song, den Charlie Puth, mittlerweile ja auch solo erfolgreich, für ihn schrieb. In dem Clip ist Bublé mit einer attraktiven Frau am Strand zu sehen, er läuft, während der Kanadier auf der Bühne singt. „Ihr habt alle über mich auf den Screen geblickt und euch das Video angeschaut“, bemerkte Bublé amüsiert. „Ihr habt euch sicherlich gefragt: Ist das seine Frau?“ Die Antwort: Sie war es nicht. Vielmehr handelte es sich bei der Clip-Schönheit um eine Schauspielerin. Das musste er aber offenbar auch seiner richtigen Ehefrau erst mal erklären. „Ich kenne dich, das ist nicht dein Fake-Rotes-Teppich-Lächeln, sondern dein echtes“, habe sie ihm voller Eifersucht vorgeworfen, als er ihr den Clip auf seinem Smartphone zeigte. „Sagt mir nicht, ihr fürchtet euch nicht vor eurer Frau“, ermahnte er die Zuschauer zur Ehrlichkeit.

Den nächsten Song, das Liebeslied „Forever Now“, widmete er dann pflichtbewusst seiner Gattin. Sie stand ja schließlich auch im Publikum, der sechsjährige Sohnemann – eines von drei Kindern – war ebenfalls dmit abei. Er wurde sogar vom Papa auf die Bühne geholt, um mit ihm zu tanzen. Ein gefühliger Augenblick: Denn: Der junge Mann ist auch der Grund dafür, weshalb Bublé etwas mehr Distanz zu sich und seiner Karriere gewonnen hat. Noah Bublé kämpfte im Alter von gerade mal drei Jahren gegen den Krebs, er hat ihn mittlerweile wohl überstanden, Michael Bublé legte so lange seine Karriere auf Eis. Heute, so erzählte der Interpret in mehreren Interviews, habe er durch diese schlimme Zeit seinen Blick aufs Leben verändert.

Mit viel Witz durch den Zuckerguss

Die eigene Familie wurde in Mannheim Augenzeuge, wie Bublé zur Höchstform auflief. Im Gepäck: natürlich jede Menge Songs aus seinem aktuellen Album „Love“, aber auch ein paar Klassiker. „Home“ etwa, ein Glanzlicht der Show. Die Nummer aus dem Jahr 2005 funktioniert immer noch. Keine Frage: Manchmal ist bei Bublé natürlich ziemlich viel Kitsch mit im Spiel. Zumindest live schafft es Bublé dann aber, die Wand aus Zuckerguss durch ein paar lockere Sprüche wieder aufzubrechen, dass man sich daran nicht mehr stört. „Feng Shui für die Ohren“, titelte der „Spiegel“ zu Beginn seiner Karriere mal über Bublé, daran hat sich bis heute nichts geändert.

Einen seiner stärksten Momente hat sich Bublé dann für den Schluss aufgehoben: eine wundervolle Performance von „Always On My Mind“, bei der der Mann ehrlich emotional wirkt. Ein würdiger Abschluss für eine große Show. Und wohl nicht der letzte Auftritt des Kanadieres in Mannheim, dem die Stadt irgendwie ans Herz gewachsen zu sein scheint.

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