Johnny Cash And The RPO. (foto: sony music)

Johnny Cash – Johnny Cash & The Royal Philharmonic Orchestra

Erscheinungsdatum
November 13, 2020
Label
Sony Music / Legacy Recordings
Unsere Wertung
6.5
Anspieltipps
Girl From The North Country
A Thing Called Love
Farther Along
Ring Of Fire
6.5
Würdevoll.
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Nach Elvis Presley und Roy Orbison werden nun Songs einer weiteren Legende posthum durch das Royal Philharmonic Orchestra aufgemöbelt: Johnny Cash. Rund ein Dutzend Songs der Country-Legende wurden neu arrangiert. „Johnny Cash & The Royal Philharmonic Orchestra“ ist soeben auf LP, CD und auch digital erschienen.

In seiner rund 50 Jahre währenden Karriere schrieb Johnny Cash (1932 bis 2003) rund 1000 Songs. Der „Man in Black“, wie er ehrfürchtig genannt wurde, war dabei ein begnadeter Storyteller. Einer, der über Gott, das Leben und die Liebe sang. Zwar begann der Gute in den legendären Sun-Studios von Memphis in den 1950ern als vom Rockabilly inspirierter Sänger, später versuchte er sich aber auch in Rock, Gospel, Blues, Folk und (Alternative) Country, dessen Aushängeschild er lange Zeit war. Cash schuf zahlreiche Song-Klassiker und großartige Alben, trat spektakulär vor Gefängnisinsassen auf – und erntete schließlich mit seinen „American Recordings“ ab Mitte der 1990er nochmals größten Zuspruch bei Kritikern und (auch einem jungen) Publikum. 

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Was kaum einer weiß: Johnny Cash hatte wohl immer schon ein Faible für orchestrale Sounds. Sein Sohn John Carter Cash erinnert sich an einen Kinobesuch in den frühen 1980er Jahren. Auf der Leinwand lief James Bond. Als die Musik zu „Goldfinger“ einsetzte, sagte der Vater zum Filius: „Das ist das allerfeinste Orchester der Welt. Das ist das Royal Philharmonic Orchestra!“ Rund 40 Jahre später werden nun ein Dutzend Songs der Country-Legende von eben diesem Orchester begleitet.

John Carter Cash wählte die Songs aus

Aus dem umfangreichen Song-Fundus seines Vaters wählte John Carter Cash für dieses Projekt die Gesangsparts von zwölf Karriere-umspannenden Titeln aus. „Die tiefe Stimme meines Vaters hatte selbst immer etwas Orchestrales an sich. In seinem Timbre schwingen etwa vergleichbar Cello und Horn mit“, schreibt er in den Liner Notes zu diesem Album. „Wäre er heute noch unter uns und sollte ein Orchester auswählen müssen, es wäre mit Sicherheit das RPO gewesen. Er kannte dessen Arbeit und respektierte sie Zeit seines Lebens.“

Die ungewöhnliche Kollektion vereint nicht nur Evergreens wie „I Walk The Line“ und „Ring Of Fire“ oder Cash-Duette mit seiner Frau June Carter („The Loving Gift“), mit Bob Dylan („Girl From The North Country“), dem legendären Highwaymen-Quartett und dem inzwischen 82jährigen Gitarristen Duane Eddy, der für die aktuelle Version von „Farther Along“ nochmals famos in die Saiten griff. Alle Stücke erhielten hier auch einen frischen instrumentalen Touch. Die tatsächlichen Aufnahmen des von Steve Sidwell dirigierten Orchesters erfolgten übrigens im berühmten Raum 2 der Londoner Abbey Road-Studios unter der Regie des Produzenten-Teams Don Reedman und Nick Patrick sowie John Carter Cash, der hier 

„Man in Black“ macht den Anfang

Los geht’s mit „Man In Black“, Johnny Cashs Trademark-Song, der im Original aus dem gleichnamigen Album von 1971 stammt. Das Traditional „Galway Bay“ offenbart dann seine Vorliebe für die Folk-Tradition Irlands, dem Land seiner Vorfahren. „Girl From The North Country“ entstand ursprünglich 1969 in überraschender Zusammenarbeit mit Bob Dylan für dessen Album „Nashville Skyline“ – ein Glanzlicht dieser Song-Sammlung. „I Came To Believe“, eine Solo-Aufnahme aus den 1980er Jahren, wurde hingegen erst 2006 posthum veröffentlicht. „The Gambler“ hat Cash 1978 noch vor der späteren Hit-Version von Kenny Rogers aufgenommen. 

„A Thing Called Love“, die Komposition des Gitarristen und Schauspielers Jerry Reed, war Titelgeber für ein Cash-Album von 1972. Im Jahr darauf erschien „A Loving Gift“ im Duett mit Ehefrau June Carter als Single. Sie wiederum war 1963 Co-Autorin des grandiosen Songs „Ring Of Fire“. Bei den Tracks „I Walk The Line“ und „Flesh And Blood“ wurden bisher unveröffentlichte Alternativ-Aufnahmen aus den Soundtrack-Sessions für den 1970er-Film „I Walk The Line“ verwendet. Ihnen wird durch das neue Arrangement zumindest kein Unrecht angetan.

In der sinfonischen Neuaufnahme des Songs „Farther Along“ wurde für den Gitarristen Duane Eddy tatsächlich nochmals ein Traum wahr. „In meiner Fantasie hab‘ ich mir immer vorgestellt, in Johnny Cashs Band zu spielen,“ sagt Eddy, heute 82. Luther Perkins, Cashs Gitarrist von 1954 bis 1968, war verantwortlich für das rhythmische „boom-chicka-boom“-Markenzeichen im Cash-Sound. „Musikalisch gesprochen kamen wir aus der gleichen Nachbarschaft, den tiefen Saiten auf der Gitarre. Wir schafften es beide, einen eigenen Stil und Sound zu kreieren. Als Luther verstarb, hatte ich tatsächlich daran gedacht, Johnny anzurufen und ihn um den Job in seiner Band zu fragen. Ich hab es dann doch gelassen, es schien mir irgendwie zu anmaßend zu sein. Um so mehr freu‘ ich mich jetzt über diese späte Chance.“

Großes Finale mit den Country-Outlaws

Das große Finale dieses Song-Zyklus bildet „Highwayman“ aus dem ersten von insgesamt drei gemeinsamen Alben der Country-Outlaws Cash, Willie Nelson, Waylon Jennings und Kris Kristofferson. Den Highwaymen. Für die Original-Komposition zeichnete 1977 Singer-Songwriter Jimmy Webb verantwortlich. Der Song avancierte zuerst zum Titeltrack eines Albums von Glen Campbell. 1985 inspirierte er das Quartett zur Debüt-LP. Ohnehin eine tolle Nummer, hier gewinnt der Song aber tatsächlich in der aufgepimpten Fassung nochmal.

Nein, „gebraucht“ hat es ein solches Album natürlich nicht. Johnny Cashs Katalog ist auch so beeindruckend genug. Die Gefahr ist bei solchen Unternehmungen auch immer groß, dass den Originalen Gewalt angetan wird. Aber: Das ist hier glücklicherweise nicht der Fall. Zwar ist kaum ein Song dabei, der erst durch die Neubearbeitung gewinnt, aber immerhin wird mit den Songs hier würdevoll umgegangen.

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