Eine kurze Geschichte des Fußballs (foto: Splitter Verlag)

Jean-Christophe Deveney, Mickaël Correia & Lelio Bonaccorso – Eine kurze Geschichte des Fußballs

Erscheinungsdatum
Juni 1, 2026
Verlag
Splitter Verlag
Unsere Wertung
7.5

Die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko steht vor der Tür. Und auch, wenn man sich derzeit geeignetere Gastgeber als Trump-Amerika vorstellen kann, stehen die Chancen gut, dass man sich von König Fußball doch irgendwie wieder verzaubern lässt. Ein kritischer Blick schadet aber nicht. Dieser wird auch mit der Graphic Novel „Eine kurze Geschichte des Fußballs“ von Jean-Christophe Deveney, Mickaël Correia und Lelio Bonaccorso geschärft.

Wer schon länger als ein paar Montage Fußball schaut, verfällt schnell der Annahme: Früher war alles besser. Die Erinnerung lügt einem vor, dass es mit dem Kommerz doch früher nicht so schlimm gewesen sei, dass das Spiel irgendwie ehrlicher, besser, authentischer, friedlicher und spannender war. Dass dem aber keineswegs so war, kann man der nun vorliegenden Graphic Novel von Jean-Christophe Deveney, Mickaël Correia (beide aus Frankreich) und Lelio Bonaccorso (aus Italien) entnehmen.

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Die drei Künstler – Correira und Deveny waren für die Szenarien zuständig, Bonaccorso für die Zeichnungen – lassen in ihrem Buch nicht einfach nur magische Momente des Fußballs aufleben, die sich eh im kollektiven Gedächtnis festgesetzt haben, sondern werfen Schlaglichter auf die Geschichte des Fußballs mit all seinen Höhen und Tiefen. Natürlich ist es interessant zu sehen, dass der Sport schon historische Vorläufer im alten Rom und im Mittelalter hatte, als ganze Dörfer sich tagelang um einen Ball balgten.

Politik und Sport eng verzahnt

Seine Stärken hat die Graphic Novel aber, wenn sie Ungerechtigkeiten thematisiert. Den Sexismus im Frauenfussball. Den Rassismus und Elitarismus, der dem Sport schon ganz früh anhaftete. Was heute Volkssport ist, musste sich vom Volk schließlich erst erkämpft werden, zu Beginn war Fußball ein Ding der britischen Upperclass. Ausgeschlossen war, wer die falsche Hautfarbe oder den falschen sozialen Status hatte. Und in Brasilien oder Afrika brach sich der Rassismus in den frühen Tagen ebenfalls sehr stark Bahn. Auch tragische Geschichten wie die des österreichischen Ausnahmespielers Matthias Sindelar werden erzählt. Der Kopf des sogenannten Wunderteams kam auf mysteriöse Weise ums Leben, nur wenige Monate nachdem ihm gegen Nazi-Deutschland ein Tor gelungen war … Politik spielt auch eine Rolle, wenn es um die Brüder Starostin aus der Sowjetunion oder den Einfluss ägyptischer Ultras auf den Arabischen Frühling geht.

Wie der Titel des Sachcomics schon sagt, einen Anspruch auf Vollständigkeit kann so ein Werk natürlich nicht erheben. Sicher gibt es Geschichten und Anekdoten, die auch gut in dieses Buch gepasst, aber am Ende den Rahmen gesprengt hätten. Was bleibt ist ein ebenso unterhaltsames wie informatives Werk, dass sowohl zeichnerisch als auch inhaltlich überzeugt. Nicht nur für Fans der beliebtesten Sportart der Welt ein Lesevergnügen.

Lesezeichen

EINE KURZE GESCHICHTE DES FUSSBALLS von Jean-Christophe Deveney, Mickaël Correia & Lelio Bonaccorso; 144 Seiten, HC, farbig, Splitter Verlag, EUR 25.

7.5
Informativ und kurzweilig.
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