Isfar Sarabski - Planet (foto: warner music)

Isfar Sarabski – Planet

Deja Vu
The Edge
Swan Lake
Limping Stranger
8
Starker Erstling.
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Er gehört zu den herausragendsten Jazz-Virtuosen Aserbeidschans: der Pianist und Komponist Isfar Sarabski. Gerade hat der Gute mit „Planet“ sein Debütalbum vorgelegt. Und das ist, der Titel deutet daraufhin, im besten Sinne World Music.

Isfar Sarabski ist einer der gerne Grenzen überschreitet. Genre-Grenzen. Und das kommt nicht von ungefähr. Seine Mutter ist Geigen-Lehrerin, sein Vater ein großer Musikkenner, der neben Jazz, Rock, Soul und Funk, auch Bach, Brahms und Beethoven schätzt. Und sein Urgroßvater Huseyngulu Sarabski wurde im Orient als Musikpionier, Opernsänger, Musiker, Schauspieler und Bühnenautor verehrt. „Die Vinyl-Platten meines Vaters waren buchstäblich mein Spielzeug“, erinnert sich Isfar. „Ich war fasziniert von der Mechanik des Plattenspielers, von den großen schwarzen Scheiben, und natürlich von der Welt der Töne, Harmonien und Rhythmen, die sich darin offenbarten. Ich erinnere mich genau an die Gefühle, die mein erstes Wahrnehmen von Dizzy Gillespie-Platten, oder auch von Einspielungen der Werke Bachs und Chopins bei mir auslösten. Wie konnte es sein, dass Musik Bilder in meinem Kopf entstehen lassen konnte? Ich musste es herausfinden.“  

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Den ersten pianistischen Schritten mit  vier Jahren an einem einfachen Casio-Keyboard, folgte das eigene Piano, die Aufnahme in eine Musikschule in Baku, das Lernen der traditionellen Mugam-Improvisationssprache seines Landes, und das Entdecken der Katalogalben von Herbie Hancock, Miles Davis und Bill Evans. 1989 geboren, im Jahr des Falls der Berliner Mauer, war es für Sarabski gar nicht leicht, an die Platten der amerikanischen Jazz-Größen zu kommen, die sich nicht in der elterlichen Plattensammlung befanden. Das langsame Öffnen der ehemaligen Sowjetunion bedeutete letztendlich aber größere Zugänglichkeit westlicher Musik in Aserbaidschan. Mitte der ersten Dekade dieses Jahrhunderts hatte Isfar, der später auch am renommierten Bostoner Berklee College of Music studieren sollte, seine eigene musikalische Sprache gefunden. Orientalische Skalen harmonieren darin mit Mugam, druckvoller Rhythmik und einem satten Fundament von Jazz- und Klassik-Akkorden.  

Das Debüt

Nun liegt also das Debütalbum vor. „Das Album trägt den Namen ‚Planet‘, weil es meine Gefühle und Ansichten zu unserem Planeten zusammenfasst“, erklärt Isfar. „Die Menschen, die Geschehnisse in den letzten Jahren, die uns alle betrafen, und die neuen Situationen, mit denen wir klarkommen müssen, reflektiere ich in den Kompositionen mit dem Wunsch, darüber in den Dialog zu treten mit meinen Zuhörern.“ 

Erscheinungsdatum
April 30, 2021
Label
Warner Music
Unsere Wertung
8

Der Titel passt aber eben auch gut, weil Isfar hier die geografischen Grenzen ausradiert. Der Sound Aserbeidschans (Sarabski setzt hier im dramatischen „The Edge“ etwa das traditionelle Saiteninstrument Tar ein) vermengt sich hier mit der amerikanischen Jazz-Idee und Klassik. Das wirkt mal veträumt, mal beschwingt, mal geradezu hypnotisierend. Immer: wunderschön. Es ist ein Album, das man am besten in Gänze hört und sich dabei treiben lässt. Highlights gibt es aber dennoch: den Opener „Deja Vu“ etwa, der einen direkt in seinen Bann zieht. Oder die Ballade „Limping Stranger“, bei der Sarabski sein improvisatorisches Geschick eindrucksvoll unter Beweis stellt. Und dann ist da noch „Swan Lake“, die einzige Fremdkomposition auf „Planet“. Hier denkt Sarabski Tschaikowskis Ballettmusik neu, verpasst ihr ein radikal modernes Arrangement.

Keine Frage: Mit „Planet“ setzt Isfar Sarabski ein echtes Ausrufezeichen – und sorgt dafür, dass man sich nicht nur seinen Namen merken wird, sondern auch dafür, dass man dem aserbeidschanischen Jazz in Zukunft vielleicht etwas mehr Beachtung schenkt.

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