Rainbirds (foto: Jörg Steinmetz)

Interview: Katharina Franck über die Reunion der Rainbirds

Die Rainbirds sind wieder da. Mit „Blueprint“ landete die  Pop-/Rock-Band 1988 einen internationalen Hit, wenig später aber löste sich die Urbesetzung nach einigen Querelen bereits auf. Mittlerweile ist aber genug Wasser den Rhein runtergeflossen, um der Geschichte  doch noch ein versöhnlicheres Ende zu schreiben. Genau das hat die Band, zu der neben Sängerin Katharina Franck  auch  unter anderem Beckmann (Bass), Wolfgang Glum (Drums) und Die-Ärzte-Mitglied Rodrigo Gonzalez (Gitarre) gehören, vor. Es geht auf  Jubiläumstour, die man  „Through the Web of Time – 40 Jahre Rainbirds“ getauft hat (und die die Band auch nach Mainz führt). Dort werden die Rainbirds zu siebt auf der Bühne stehen und sowohl inhaltlich wie personell die gesamte Historie der Band abdecken. Benjamin Fiege sprach mit Sängerin und Songwriterin Katharina Franck über die Gründe für das  Aus nach dem Raketenstart, die Wiedervereinigung und Zukunftspläne.

Katharina, die Rainbirds-Jubiläumstour „Through the Web of Time“ wird mit dem Zusatz „Zum Abschluss, mit allen“ beworben. Wird es wirklich ein Abschied?

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Die Rainbirds gibt es ja eigentlich nur noch, weil sie mit mir gleichgesetzt werden, egal was ich mache. Daher wird es tatsächlich ein Abschied von dieser Original-Besetzung werden, die wir für die Tour extra zusammengetrommelt haben. Zu dieser gehören Beckmann (Bass), Wolfgang Glum (Drums) und ich. Auch Rodrigo Gonzalez (Gitarre), der ja nach dem ersten Album vierter Rainbird wurde, und Ulrike Haage, mit der ich in den 1990ern die Rainbirds als Duo fortführte, sind dabei. Weil wir  bei der Jubiläumstour aber nicht nur die frühen Sachen, sondern das gesamte Rainbirds-Werk repräsentieren wollen, sind auch E-Gitarrist Werner Neumann und Schlagzeuger Dominique Ehlert mit von der Partie. Insgesamt stehen wir bei den meisten Konzerten der Tour zu siebt auf der Bühne.

Die Original-Besetzung haben Sie Ende der 1980er Jahre aufgelöst. Warum?

Damals war keiner mehr glücklich. Als Songwriterin und Sängerin musste ich das Ganze nach außen repräsentieren, das war wahnwitzig anstrengend. Zumal es von Management und Label keine Unterstützung gab, die Band auf Kurs zu halten. Es herrschte damals ein anderer Ton in der Branche, auch wenn Sexismus natürlich immer noch ein großes Thema ist. Als Frau wurde man seinerzeit mit seinen Ideen einfach nicht ernst genommen, man wurde auch schnell als hysterisch abgestempelt, wenn man mal für einen Moment vielleicht nicht souverän auf eine Stresssituation reagiert hat.

Was hat denn dann dazu geführt, sich jetzt wieder zusammenzuraufen?

Die Initialzündung kam von der Plattenfirma, weil dieses Jahr – wohl im Oktober – eine Rainbirds-Werkschau als Boxset veröffentlicht wird. Eine Jubiläumstour würde da helfen. Die Band hatte gleich ein gutes Gefühl bei der Sache, es sind ja schon 36 Jahre ins Land gezogen seit den Animositäten. Mir gefällt es, der Rainbirds-Geschichte jetzt ein besseres Ende schreiben zu können. Wir können jetzt für ein paar Konzerte die Band sein, die wir immer gerne sein wollten, und den riesigen Erfolg, den wir damals hatten, jetzt gemeinsam feiern. Auch einige Bandkollegen empfinden die ganze Idee als heilend.

Gab es denn in den 36 Jahren zuvor Kontakt zueinander?

Es gab intensive Gespräche zwischen mir und Beckmann im Vorfeld. Die waren sehr wichtig, das war noch unabhängig jeglicher Pläne. Beckmann war derjenige, der über die Jahre immer mal wieder wegen einer möglichen Reunion vorgefühlt hatte. Für mich war das lange Zeit aber nicht vorstellbar, weil die Auflösung ein tiefer Einschnitt für mich war. Das war keine Laune, sondern Ausdruck einer mentalen Erschöpfung und Überforderung, wofür ich damals aber noch keine Worte hatte. Die Auflösung war für mich ein Karriereknick. Angeblich, das habe ich erst später gehört, standen die Rainbirds seinerzeit kurz davor, von Universal in den USA übernommen zu werden. Aber: Ich habe immer weiter Musik gemacht und meine künstlerischen Ideen verwirklicht. Ich bin in der Zeit 1988/1989 nicht stecken geblieben. Die Sachen, die ich danach gemacht habe, haben immer noch ihre Gültigkeit. Darauf bin ich stolz.

Anfang der 1990er sind die Rainbirds zum Duo geworden, auch verbunden mit einem stilistischen Wandel. War das rückblickend die richtige Entscheidung?

Es gab bei diesem Neustart die Überlegung, uns einen anderen Namen zu geben. Ich habe die Rainbirds aber immer anders verstanden. Wir waren nie The Rainbirds. Ich sah das Ganze eher als fluides Kollektiv. Eine Art Vogelschwarm. Daher wollte ich uns nicht neu benennen. Natürlich hat sich durch die Zusammenarbeit mit Ulrike der Sound sehr verändert. Unsere Live-Kritiken waren immer gut, aber die Musikpresse hat es uns nicht leicht gemacht, da gab es Animositäten. Ich hatte das Gefühl, sie nahm es uns übel, dass die Rainbirds plötzlich aus zwei Frauen bestanden.

Wo wir es vom Namen haben: Die Rainbirds sind nach einem Instrumentalstück von Tom Waits benannt. Gab es denn auch Alternativen dazu?

Für mich war „Rainbirds“ immer der Wunschname. Das erste Management hatte aber den Namen The Bird Up There in den Ring geworfen. Da wurde kurz überlegt, aber ich denke, wir haben mit der Entscheidung für Rainbirds alles richtig gemacht.

The Bird Up There wäre auf mich allein als singender Vogel da oben auf der Bühne bezogen gewesen, aber ich bin ein Band-Mensch, und das sollte sich auch im Namen spiegeln.

Sie haben damals auf Englisch gesungen. Eine bewusste Abgrenzung zur Neuen Deutschen Welle, die ja gerade abgeebbt war?

Ich kam mit 18 Jahren, nach vielen Jahren im Ausland, zurück nach Deutschland. Zwar mochte ich auch Udo Lindenberg und Nina Hagen, ansonsten hörte ich aber amerikanische und britische Musik. Punk, The Who, Patti Smith. Auch brasilianische Musik, ich lebte ja in São Paulo. Auf Deutsch zu singen, war für mich damals kein Thema, das Interesse daran wurde erst Ende der Neunziger, Anfang der Nuller Jahre geweckt.

Gibt es auf der Tour und beim kommenden Boxset auch neues Rainbirds-Material zu hören?

Beim Boxset stellen wir gerade die Tracklist zusammen, da sollen neben sechs Alben auf Vinyl – nur „Yonder“ ist nicht dabei – auch Bonus-CDs mit unveröffentlichtem Material dabei sein. Neue Songs eingespielt haben wir aber weder für die Box noch für die Tournee.

Habt ihr euch ein Regelwerk für die Tour gegeben, damit die Spannungen von früher nicht wieder aufflammen?

Nein, wir sind aber alle erwachsen mittlerweile, ich bin also optimistisch. Unser Regelwerk ist der gesunde Menschenverstand und ein respektvoller Umgang miteinander. Und ich habe gemerkt: Immer dann, wenn wir uns im realen Leben treffen und nicht per E-Mail oder Whatsapp kommunizieren, ist eigentlich immer alles klar.

Was können die Fans von dem Auftritt in Mainz erwarten?

Wir sind auf jeden Fall zu siebt, in voller Besetzung, am Start und musizieren uns quer durch die Bandgeschichte.

„Blueprint“ gibt es bei allen Konzerten zu hören?

Überall! Der Song ist für uns ein großer Glücksfall gewesen. Natürlich ist es manchmal anstrengend, wenn man auf einen Song reduziert wird, obwohl man 350 geschrieben hat, von denen mindestens 50 sehr, sehr gut sind (lacht). Aber es macht Spaß, das Lied zu spielen. Ich freue mich aber auch auf Songs wie „Two Faces“, das live unheimlich Wucht entfaltet, ohne das Filigrane des Klaviers zu verlieren. Oder „Nowhere to Go“ von unserem zweiten Album, das so aus der heutigen Zeit herausspricht.

Tourdaten Jubiläumstour „Through The Web Of Time – 40 Jahre Rainbirds“

09.05.2026 Rottweil – Jazzfest Rottweil #
12.05.2026 Leipzig – Haus Auensee
13.05.2026 Berlin – Admiralspalast (plus Lina Maly + Willow Parlo)
15.05.2026 München – Kammerspiele (plus FM Einheit)
16.05.2026 Ulm – Roxy
21.05.2026 Bremen – Metropol Theater (plus Lina Maly
22.05.2026 Bochum – Christuskirche (plus Lina Maly)
23.05.2026 Mainz – Kurfürstliches Schloss
24.05.2026 Siegen – Kultur Pur (plus Willow Parlo)
20.06.2026 Neuruppin – Klassentreffen der Ostmusik #
21.06.2026 Kassel – Kulturzelt #
22.06.2026 Braunschweig – Schön & Frölich #
11.07.2026 Frankfurt/Oder – Bunter Hering #
22.07.2026 Tübingen – Sommer Festival +
15.08.2026 Taarstedt – Angeliter Festival *

In der Besetzung bestehend aus Katharina Franck, Ulrike Haage, Michael Beckmann, Wolfgang Glum, Werner Neumann und Dominique „Gaga“ Ehlert

In der Besetzung bestehend aus Katharina Franck, Ulrike Haage, Michael Beckmann, Werner Neumann und Dominique „Gaga“ Ehlert

In der Besetzung bestehend aus Katharina Franck, Michael Beckmann, Werner Neumann und Dominique „Gaga“ Ehlert

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