Courtney Barnett - Creature of Habit (foto: Mom + Pop / Fiction)

Courtney Barnett – Creature of Habit

Erscheinungsdatum
März 27, 2026
Label
Mom + Pop / Fiction
Unsere Wertung
8

Fünf Jahre hat sich Courtney Barnett Zeit gelassen. Jetzt ist endlich ihr mit Spannung erwartetes viertes Studioalbum „Creature of Habit“ erschienen. Eine zehn Tracks umfassende Song-Sammlung, auf der die Australierin am Hadern mit sich und dem großen Ganzen ist.

Nein, sie war nicht untätig in den vergangenen Jahren. 2023 kam mit „End of the Day“ der Score zum Dokumentarfilm „Anonymous Club“ auf den Markt, ein Film, der sich passenderweise um Barnett selbst drehte. Es sollte die letzte Veröffentlichung auf Barnetts eigenem Label Milk! Records werden, das ob finanzieller Schwierigkeiten – auch bedingt durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Restriktionen – 2023 schließen musste. Nach zwölf Jahren, eine bittere Pille. Und eine, die zwangsläufig eine Neuorientierung nach sich zog.

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Barnett krempelte ihr Leben auf links, zog von Australien nach Los Angeles und haderte mit den Veränderungen, stellte nicht nur ihre Karriere, sondern sich selbst und ihr Tun in Frage. Anstatt diese Gefühle zu verdrängen, beschloss sie, all diese Verwirrung direkt in den Entstehungsprozess eines neuen Albums einfließen zu lassen. Dafür zog sich Barnett mit ihrer Band in die Wüste zurück, genauer: in den kalifornischen Nationalpark Joshua Tree. Popgeschichtlich nicht der schlechteste Ort, um Musik zu machen.

„Creature of Habit“ ist das, was nun am Ende dieses Prozesses steht. Ein berührendes Album, das sich mit der Frage auseinandersetzt: Wie kann man sich selbst nicht im Weg stehen, um das Leben wirklich zu spüren?

Sich selbst nicht im Weg stehen

Zehn Tracks kredenzt uns Barnett hier nun, zehn Tracks, die vor allem im Indie-Rock-Gewand daherkommen, durchaus aber auch Indie-Pop-Elemente aufweisen.

Glanzlichte hat es viele. Das gefühlige „Site Unseen“ etwa, ein typischer Barnett-Song, der von der Akzeptanz des Wandels erzählt und damit auch das bestimmende Thema der Platte auf den Punkt bringt. Der Song hat für Barnett auch eine besondere persönliche Bedeutung, da er Harmonien von einer ihrer Lieblingssängerinnen enthält – Katie Crutchfield von Waxahatchee.„Ich habe innerhalb von zwei Jahren drei Mal versucht, diesen Song aufzunehmen, und jedes Mal war er entweder nicht fertig oder klang nicht richtig, und jedes Mal mussten wir von vorne anfangen“, erinnert sich Barnett. „Ich hatte diese hohe Harmonie immer wieder im Kopf, also fragte ich Katie für die vierte und letzte Version, ob sie Lust hätte, sie mit mir zu singen.“ 

Gottesanbeterin im Studio

Das poppige „Wonder“ erinnert positiv an die Cardigans, „Same“ weist noch einmal ein Jahrzehnt weiter, in die 1980er, zurück. Auch das kompromisslose „Stay in Your Lane“, das als erste Single ausgekoppelt wurde, bleibt haften. Der Track überzeugt mit seinen rauen Gitarrenriffs, macht aber auch textlich etwas her. “Gotta get this off my chest”, singt Barnett da im Refrain, “This never would’ve happened if I stayed in my lane, stayed the same way.” Begleitet wurde der Song von einem gewagten Musikvideo unter der Regie von Alex Ross Perry („Pavements“).

Wichtig ist auch „Mantis“, einer der Schlüsseltracks von „Creature of Habit“. Er beschreibt den glücklichen Zufall, als eine Gottesanbeterin Barnetts Studio besuchte und ihr indirekt die Inspiration und den kreativen Weg aufzeigte, der zur Fertigstellung ihres Albums führte. “Praying mantis on my door, looking for meaning or just any sign at all”, singt sie zu Gitarrenklängen, die so hell und dringlich sind wie ein Sonnenaufgang in der Wüste. Barnett präsentiert sich hier so klar, melodisch und strahlend wie selten zuvor. Kein Wunder, dass es die Gottesanbeterin am Ende auch aufs Cover der Platte schaffte.

Das ebenfalls starke „Sugar Plum“ handelt von Barnetts lebenslangem Kampf mit Selbstzweifeln, bevor Optimismus und Staunen in einem ergreifenden Schlussrefrain die Oberhand gewinnen. Und dann ist „One Thing At A Time“ unbedingt noch erwähnenswert. Zwei Minuten lang werden Barnetts innere Frustrationen hier von einer treibenden Rhythmusgruppe (überraschenderweise mit Flea von den Red Hot Chili Peppers am Bass) untermalt, bevor es in der Mitte des Songs zu einer Art Abrechnung kommt. Die letzte Zeile des Songs, „I’m ready for a change“, hallt nach – und das dreiminütige Gitarrensolo beweist nochmal, dass Barnett nicht nur eine bemerkenswerte Songwriterin ist, sondern auch eine herausragende Gitarristin.

Anspieltipps
Stay In Your Lane
Wonder
Site Unseen
Mantis
8
Das Warten hat sich gelohnt.
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