Arlo Parks beschreitet neue Wege. Die mit Preisen überhäufte junge Britin zeigt sich auf ihrem neuen Album „Ambiguous Desire“, das soeben via Transgressive Records erschienen ist, selbstbewusst – und lockt auffallend oft auf die Tanzfläche.
Als Arlo Parks im Jahr 2021 auf der Bildfläche erschien, machte das Feuilleton sie direkt als Hoffnungsträgerin aus. Die damals 20-Jährige galt als die Zukunft der britischen Indie-Pop-Szene, für ihr Debütalbum„Collapsed in Sunbeams“, das im selben Jahr erschien, heimste sie jede Menge Preise ein. So räumte sie beispielsweise nicht nur den Mercury Prize für das „Beste Album“ ab, sondern bei den Brit Awards auch in den Kategorien „Album of the New Year“, „Best New Artist“ und „Best British Female Solo Artist“. Kann man mal so machen.
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Die hohen Erwartungen, die das mit sich brachte, konnte das Folgealbum „My Soft Machine“ zwei Jahre später nicht ganz erfüllen. Sicher, auch da agierte sie weiterhin auf höchstem Niveau, klang sogar noch deutlich reifer – und von uns gab es – wie schon für den Vorgänger – eine Wertung von 9/10. Aber trotz aller Qualität: Die selbe Durchschlagskraft wie das Debüt hatte „My Soft Machine“ nicht. Der Fluch der guten Tat. Die Messlatte lag einfach so hoch, dass selbst Konstanz als Rückschritt betrachtet wurde. Vielleicht war die Platte auch – angesichts der Zeiten, in denen wir gerade leben – dem Publikum zu schwermütig.
Album Nummer drei bietet neue Möglichkeiten
Das ist natürlich unfair, lockert aber das Erwartungskorsett für Album Nummer drei etwas. Und so traute sich Arlo Parks, bei der Arbeit an „Ambiguous Desire“ durchaus etwas mutiger zu sein. Die Platte stellt eine Abkehr vom Indie-Soul-Pop dar, mit dem Parks in der Vergangenheit reüssiert hatte.
Und das kam so: In den vergangenen beiden Jahren tauchte Arlo kopfüber in nächtliche Räume ein, in denen sie sein konnte, wer immer sie wollte. Arlo ließ sich vom queeren Hedonismus der „Paradise Garage“ in NYC, den nächtlichen britischen Beats von The Streets und Burial, der glitzernden Synth-Katharsis von LCD Soundsystem und den verwurzelten House-Grooves von Theo Parrish inspirieren, und verlor sich auf der Tanzfläche. Im Studio ersetzte Arlo dann Live-Band-Sessions durch modulare Synthesizer, Ableton-Plugins und Sampler, die die frenetischen, pulsierenden Räume, in die sie eingetaucht war, kanalisieren und gleichzeitig ihre gefeierte Poesie und Lyrik in den Vordergrund stellen. So viel Spaß wie bei der Entstehung dieser Platte habe sie selten gehabt.
Die Glanzlichter
Zwölf Songs kredenzt sie uns auf eben dieser, und diese kommen deutlich leichtfüßiger daher als jene auf der Vorgängerplatte. Darunter: jede Menge 90s Vibe – und jede Menge Glanzlichter. Das auch als Single ausgekoppelte „2SIDED“ gehört unbedingt dazu. In der Nummer besingt Arlo die zarte Hoffnung, dass ein*e neuer Liebhaber*in genauso intensiv empfindet wie man selbst. Das Lied wird dabei getragen von dichten, summenden Synthesizern und flirrenden Drum Machines.
„Beams“ ist eine emotionsgeladene Auseinandersetzung mit Ängsten und Selbstakzeptanz, eingerahmt von schimmernden Akkorden und einfühlsamen Lyrics. „Get Go“ beschreibt zu sanften Breakbeats das Porträt eines ewig unglücklich verliebten Nachtschwärmers, der sich durch die Dunkelheit bewegt. „Blue Disco“ und „Jetta“ fangen den nächtlichen Spirit (und den des anbrechenden Morgens) ebenfalls besonders gut ein. Auf „Heaven“ zeigt sich Arlo so euphorisch wie noch nie. Und auch „Senses“ – hier macht Arlo mit ihrem britischen Kollegen Sampha gemeinsame Sache – bleibt haften.
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