They Might Be Giants - The World Is To Dig (foto: Idlewild Recordings)

They Might Be Giants – The World Is To Dig

Erscheinungsdatum
April 17, 2026
Label
Idlewild Recordings
Unsere Wertung
8

Fünf Jahre nach ihrem bis dato letzten Wurf kommen They Might Be Giants endlich wieder mit einem neuen Album um die Ecke. Die Band aus Brooklyn entschädigt für das lange Warten auf „The World Is to Dig“ gleich mit 18 neuen Songs.

Nein, der Name mag zwar Größenwahn suggerieren, tatsächlich aber haben sich They Might Be Giants nach dem gleichnamigen Film von Anthony Harvey aus dem Jahr 1971 benannt. In Deutschland lief der Streifen unter dem Titel „Der verkehrte Sherlock Holmes“ und wäre als Bandname gänzlich ungeeignet gewesen.

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Die US-Amerikaner waren ihrer Zeit schon immer ein bisschen voraus. So machten sie seinerzeit durch ihre „Dial a Song“ auf sich aufmerksam, bei der sie ihre Songs auf einen Anrufbeantworter aufnahmen, den man dann anrufen konnte. Auch gehörten They Might Be Giants – bestehend aus John Flansburgh und John Linnell – zu den ersten namhaften Bands, die ihre Songs über das damals neue Medium mp3 veröffentlichten.

Dass die Band auch rund vier Jahrzehnte nach ihrer Gründung immer noch relevant und kreativ ist, bewies sie zuletzt 2021 auf dem Album „Book“, das immerhin für einen Grammy nominiert wurde. Jetzt legt die Band mit „The World Is To Dig“ endlich den lang ersehnten Nachfolger vor.

Unterwegs im Pop-Multiversum

Wie immer lässt sich auch die neue Platte nicht eindeutig in eine Schublade packen. Dazu sind Linnell und Flansburgh zu stolz darauf, musikalische Nerds zu sein. Auf „The World Is to Dig“ hüpft das Duo weiter durch das Pop-Multiversum und vertieft sich mit spielerischem Eifer in alles, was es da an Inspiration vorfindet. John Linnell und John Flansburgh feuern weiterhin Ideen aufeinander ab, was zu Tracks führt, die voller esoterischer Anspielungen, schelmischer Details und unerwarteter Umwege sind.

„Es ist ein enormer Vorteil, Teil eines Projekts zu sein, das offen ist“, sagt Flansburgh. „Wir können etwas machen, das purer Punk ist, oder uns mit Count Basie beschäftigen, und das hält die Dinge spannend. Die Leute mit verschränkten Armen in der hinteren Reihe fragen sich vielleicht: ‚Haben die Jungs es noch drauf?‘ Um ganz ehrlich zu sein, bin ich mir nicht sicher, ob wir es jemals ‚drauf hatten‘, aber die Wahrheit ist: Im Moment haben wir etwas Neues.“

Das sind die Glanzlichter

Und unter diesem „Neuen“ sind auch so einige Perlen. „Get Down“ gehört dazu, eine unheimlich tanzbare Nummer, die mit gewaltigen musikalischen Hooks daher kommt. Geht ins Ohr und bleibt da.

Der guten Laune steht ein Song wie „Outside Brain“ mit seinem unheilvollen Beat gegenüber. John Flansburgh thematisiert in dem Song eine Panikattacke – untermalt von Dan Millers rasanten Gitarrenriffs und Danny Weinkaufs fließenden Basslinien. Er erklärt dazu: „In ‚Outside Brain‘ geht es um Manie und Panik. Es geht dabei genauso sehr um das Gefühl dieser verdrehten Emotionen wie um das eigentliche Storytelling im Text. Ich habe versucht, diese Albtraum-Angst einzufangen, wenn man verfolgt wird oder vor etwas wegläuft.“

Auch das The Raspberries-Cover „Overnight Sensation (Hit Record)“ ist überaus gelungen. John Linnell: „In den frühen 70er Jahren bedienten sich The Raspberries eines Popstils, der offiziell schon seine Blütezeit hinter sich hatte. Irgendwie gelang es ihnen dennoch, auf ihre eigene Art und Weise zu triumphieren. Jeden Morgen im Schulbus diesen Song im AM-Radio zu hören, war wie ein Weckruf. Die köstliche Ironie, dass TMBG diese Texte im Jahr 2026 singen, ist uns nicht entgangen.“

Hommage an den Wu-Tang-Clan

Wie bei TMBG zu erwarten, ist das Album gespickt mit Überraschungen. Die barocken Streicher des Openers “ Back in Los Angeles“ springen einen direkt an. „Je N’en Ai Pas“ wird komplett auf Französisch dargeboten. „Slow“ ist gleich mehrere Songs in einem – eine Nummer, die man immer wieder hören muss. Und „Garage In“ versprüht einen gewissen Beatles-Vibe.

Am überraschendsten aber: die musikalische Würdigung des Wu-Tang-Clans in „Wu-Tang“, die ohne jegliches Hip-Hop-Element auskommt. John Linnell sagt dazu: „Vor vielen Jahren diskutierten wir die Idee, einen Künstler oder einen Musikstil zu feiern, aber in Form eines völlig anderen Musikgenres. Die ursprüngliche Idee war ein Song im Stil von Tin Pan Alley, der die Größe des Heavy Metal preist. „Wu-Tang“ wurde mehr oder weniger nach diesem Vorbild geschrieben, teilweise inspiriert von ihrer TV-Biografie, aber ohne jeglichen musikalischen Bezug zu dem großartigen Hip-Hop-Kollektiv. Sind wir Fans? Sicher! Würden wir jemals versuchen, ihren Sound nachzuahmen? Nicht öffentlich.“

„The World Is to Dig“ ist der Musik gewordene Beweis dafür, dass Neugier, Liebe und Freude nachhaltiger sind als jeder Trend – und dass das natürliche Streben nach diesen Emotionen immer zu neuen Entdeckungen führt.

Anspieltipps
Get Down
Back in Los Angeles
Wu-Tang
Slow
Outside Brain
8
Immer noch kreativ und überraschend.
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