The Drums – Brutalism

The Drums - Brutalism (foto: anti-records)

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Aus vier mach zwei: The Drums sind offiziell nur noch ein Soloprojekt: Schon “Abysmal Thought” war 2017 ein Jonny Pierce-Soloalbum, das nun vorliegende “Brutalism” ist ebenfalls eines. Und ein ziemlich persönliches.

Es ist ja schon ein bisschen schade. Über die Jahre hat sich die Band aus Brooklyn, New York mehr und mehr dezimiert. Als Projekt zweier Schulfreunde – Jonny Pierce und Jacob Graham – gestartet, wuchs die Band schnell um Gitarrist Adam Kessler und Drummer Connor Hanwick an. Aber kaum hatten sich The Drums erste Sporen verdient, ging Kessler von Bord. Das war 2010. Zwei Jahre später verließ dann auch Hanwick die Kapelle, da war dann auch schon von bandinternen Spannungen die Rede. Und 2016 war dann für Graham Schicht im Schacht. Seither trägt Jonny Pierce den Namen “The Drums” allein spazieren. Sei’s drum. Macht er ja auch nicht schlecht. Schon “Abysmal Thought”, auf dem Pierce seine Scheidung verarbeitete, war eine gute Platte.

Seither ist viel passiert. Pierce wohnt mittlerweile wieder vornehmlich in New York, pendelt aber ab und zu noch in die alte Heimat. Los Angeles. “Ich war einfach müde, erschöpft. Zu viel Party, um dem Schmerz zu entgehen. Eine echte Abwärts-Spirale”, so Pierce, der sich einer Therapie unterzog, um seine gescheiterte Beziehung aufzuarbeiten und mit seinen Depressionen umzugehen zu lernen.

Klar, dass diese Zeit der Introspektion sich auch in der neuen Musik spiegelt. Pierce versuchte sich mehr zu öffnen, den inneren Kontroll-Freak eingesperrt zu lassen, und sich Expertise von außen zu holen. So ging ihm beim Mixen etwa Chris Coady (Beach House, Future Islands, Amen Dunes) zur Hand. Für schwierigere Gitarrenparts holte er sich auch mal Gitarristen dazu.

Das Ergebnis klingt musikalisch erwartet poppig, textlich fährt Pierce nun aber eine forschere Schiene. Ein Weg, der sich auf “Abysmal Thoughts” schon andeutete, hier aber noch konsequenter beschritten wird. Pierce hat keine Angst, seine Verletzlichkeit mit der Welt zu teilen. Songs wie “Pretty Cloud”, “Blip of Joy” oder “Brutalism” sind da geradezu schmerzhaft ehrlich.

“Ich wollte eine Platte machen, auf der ich nicht postuliere, wie großartig ich bin”, sagt er lachend. “Ich frage mich stattdessen, ob ich jemals großartig sein kann? Ich bin ein erwachsener Mann, der sich so verrückt wie nie fühlt. Ich fühle mich verloren. Und habe Angst vor der Zukunft.”

Fazit: Geht unter die Haut.

Anspieltipps: Pretty Cloud, Brutalism, Blip of Joy

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