Orchestral Manoeuvres in the Dark (foto: Oten Photography)

Orchestral Manoeuvres in the Dark

Sie gehören zu den Pionieren der Synthie-Musik und zu den populärsten Bands der Insel: Orchestral Manoeuvres in the Dark, kurz: OMD. Die Würdigung einer Band, die mehr als 25 Millionen Singles und 15 Millionen Alben verkauft hat, und ein Comeback hingelegt hat, an das niemand mehr geglaubt hat.

Die frühen Jahre

Eigentlich kennen sich Andy McCluskey und Paul Humphreys ja schon seit den frühen Sechziger Jahren. Damals gingen die beiden gemeinsam auf die Grundschule im englischen Meols. Bis in die Mitte der Siebziger Jahre hinein waren die beiden in der Region in verschiedenen Bands unterwegs, ehe sie sich – vereint durch ihre Liebe zur elektronischen Musik (Kraftwerk, Brian Eno) und Abneigung gegenüber breitbeinigem Gitarren-Rock – entschlossen, gemeinsame Sache zu machen. 1978 gründeten McCluskey und Humphreys dann Orchestral Manoeuvres in the Dark, im gleichen Jahr trat das Duo in Eric’s Club in Liverpool erstmals live auf. Schnell hatten die beiden mit „Electricity“ auch ihre erste Single am Start, erschienen bei Tony Wilsons Factory-Label. 1979 durfte das Duo dann Gary Numan auf Tour begleiten, wofür die Band ihm auch heute noch dankbar ist. Durch ihn erreichte OMD plötzlich ein viel größeres Publikum.

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Orchestral Manoeuvres in the Dark

1980 erschien via Dindisc das erste Album der Band. Die Tracks darauf speisten sich vor allem aus dem Live-Set, mit dem OMD seinerzeit unterwegs waren. Den Vorschuss des Labels nutzte das Duo übrigens, um sich in Liverpool ein eigenes Studio zu bauen. Aus reinem Pessimismus! Denn McCluskey und Humphreys waren sich sicher, nach enttäuschenden Verkaufszahlen vom Label gefeuert zu werden. Dann wollte man wenigstens für die Zukunft gerüstet sein. Die Sorge war aber unbegründet. Das Album peakte auf Platz 27 der Charts, Publikum und Kritiker waren gleichermaßen vom OMD-Erstling angetan, zu dessen Erfolg auch das Artwork von Peter Saville und Ben Kelly maßgeblich beitrug. Vince Clarke (Depeche Mode, Erasure) und ZZ Top lobten das Album über den grünen Klee.

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Organisation

Die Erfolgswelle reitend, erschien noch im selben Jahr Album Nummer zwei, „Organisation“. Die Platte wirkte etwas melancholischer als die erste – und hielt den ersten großen Hit der Band parat: den Anti-War-Song „Enola Gay“. Ein geradezu unwahrscheinlicher Erfolg, verhandelten OMD hier doch den Abwurf der ersten Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima durch die Amerikaner. Kurioserweise vermuteten so manche Hörer jedoch noch eine verschlüsselte Botschaft in dem Song. Viele dachten, es ginge hier um Homosexualität. Die BBC verbannte den Track daher sogar aus seinem Kinderprogramm „Swap Shop“. However. Das Album, für dessen Artwork wieder Peter Saville verantwortlich zeichnete, landete am Ende auf Platz sechs der UK Charts. Für viele gilt es bis heute zwar nicht als das erfolgreichste, wohl aber das beste OMD-Album.

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Architecture & Morality

Der große kommerzielle Wurf gelang der Band schließlich mit Album Nummer drei. „Architecture & Morality“, erschienen am 6. November 1981, gilt noch heute als Meilenstein des Synthie-Pops. Der Name war dabei dem Buch „Morality and Architecture“ des Architekturhistorikers David Watkin entlehnt, den Vorschlag dazu machte Martha Ladly, seinerzeit die Freundin von Artwork-Papst Peter Saville.

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Die Platte, die letztlich auf Platz drei der UK Charts landete, hatte gleich mehrere Hits in petto. „Souvenir“, „Joan of Arc“ und „Maid Of New Orleans“ (das McCluskey gern als das „Mull Of Kintyre“ der Band bezeichnet) gehören noch heute zu den Signature Songs der Kapelle. Die beiden letztgenannten Songs flossen McCluskey anlässlich des 550. Todestags von Jeanne d’Arc aus der Feder. Auffällig ist bei diesem Album der häufige, aber auch überraschende Einsatz des Mellotrons, das vorher vor allem Prog-Rock-Gruppen nutzten.

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Dazzle Ships

Zwar war „Architecture & Morality“ der bis dato größte Erfolg der Combo, aber dennoch waren OMD mit der Resonanz nicht ganz zufrieden. McCluskey und Humphreys hielten die Platte für unterschätzt, wie sie im BBC Radio verrieten. Und so entschieden sie sich, auf ihrem nächsten Album „Dazzle Ship“, erschienen am 4. Mai 1983, experimenteller zu werden. Der künstlerischen Anerkennung wegen. Das neue Konzept definierte McCluskey mal im „Guardian“ wie folgt: ABBA meets Stockhausen. Das Blatt beschrieb die Platte später als Karriere-Selbstmord. Zwar stieg „Dazzle Ships“ auf Platz fünf der UK Album Charts ein, fiel dann aber schnell und tief. Als 2008 eine Anniversary Edition veröffentlicht wurde, gestand Andy McCluskey (ebenfalls im „Guardian“): „Es dauerte rund 25 Jahre, ehe mir Paul Humphreys für ‚Dazzle Ships‘ verzieh.“

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Junk Culture

Klar, dass es sozusagen nach dem kommerziellen Selbstmord „Dazzle Ships“ vom Label Virgin, bei dem OMD mittlerweile unter Vertrag stand, einen Arschtritt für die Band gab. Das nächste Album, so die klare Ansage der Plattenfirma, sollte wieder zugänglicher werden. Humphreys und McCluskey wussten auch, dass sie etwas verändern mussten, verließen ihr eigene Studio-Komfortzone und arbeiteten fortan in den Highland Studios in Lincolnshire und Liverpool. Ein paar der Tracks, die dort entstanden, testeten sie auch vor Publikum. Virgin schickte die Jungs dann aber ins karibische Montserrat. Ein Tapetenwechsel sollte die Kreativität ankurbeln. Schien zu klappen. Das Klima, das neue Sampler-Keyboard Fairlight CMI und der Support durch Bowie-Kollaborateur Tony Visconti beflügelten die Band. „Junk Culture“ erschien am 30. April 1984 und peakte auf Nummer neun der UK Album Charts. Kommerziell reichte es zwar nicht an die früheren Erfolge heran, übertraf den Vorgänger aber deutlich. Auch die meisten Kritiker lobten das Album. OMD gingen auf Nummer sicher – und wurden dafür belohnt.

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Crush

Der Erfolg von „Junk Culture“ schien OMD die Flausen erstmal aus dem Kopf getrieben zu haben. Die Band fühlte sich in ihrer Strategie bestätigt, sich künftig wieder kommerzieller auszurichten. Mit Album Nummer sechs, „Crush“, erschienen am 17. Juni 1985, nahm die Band vor allem den US-Markt ins Visier. Dort verkaufte sich das Ding auch ganz gut. Mit „So In Love“ landeten die Jungs überm Teich sogar ihren ersten größeren Hit. Der Kritik blieb zwar nicht verborgen, dass OMD weniger experimentierfreudig waren als gewohnt, trotzdem gab’s vornehmlich gute Rezensionen. Platz 13 im UK, immerhin Platz 38 in den USA.

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The Pacific Age

Mit „The Pacific Age“ griffen OMD dann wieder ins Klo. Es schien, als wären die Fans nicht mehr länger bereit, der Band auf ihrem Weg tief rein in den Pop-Dschungel weiter zu folgen. Zwar wies das Album, das am 29. September 1986 erschien, mit „(Forever) Live and Die“ nochmal einen Hit (sowohl in den USA als auch im UK) auf. Insgesamt war die Platte aber ein Flop – sowohl in den Augen des Publikums als auch der Kritik. Das führte auch zu den Spannungen zwischen Andy McCluskey und Paul Humphreys, die sich nicht mehr auf eine gemeinschaftliche musikalische Idee einigen konnten. Nach einer letzten Single („Dreaming“, 1988) und einem Best-Of-Album verließ Humphreys die Band. 1989 gründete er – unter anderem mit ein paar OMD-Gastmusikern – die Band The Listening Pool.

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Sugar Tax

Für Puristen mag der Abgang von Humphreys das Ende der Band bedeutet haben. Allerdings entschied sich McCluskey dazu, OMD auch ohne den langjährigen Kollegen weiterzuführen. Es sollten aber ein paar Jahre ins Land gehen, ehe sich der Gute mit einem neuen Album zurückmeldete. „Sugar Tax“ erschien am 7. Mai 1991, McCluskey hatte dabei eine neue Backing-Band am Start und orientierte sich mehr in Richtung Dance Pop. Ein Konzept, das überraschenderweise aufging. Mit „Sailing on the Seven Seas“ und „Pandora’s Box“ warf die Platte sogar zwei amtliche Hits ab. Im UK gab es für die Platte Platz drei in den Alben-Charts,

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Liberator

So überraschend der Erfolg von „Sugar Tax“ kam, so schnell stürzten OMD dann auch wieder ab. Für das Nachfolger-Album „Liberator“, das am 14. Juni 1993 erschien, interessierte sich kaum noch jemand. Und das, obwohl die Platte mit „Everyday“ sogar einen Song aufwies, bei dem Ex-OMD-Mitglied Humphreys als Co-Autor aufgeführt wird. Platz 14 in den UK-Album Charts, McCluskey selbst kann die Platte heute nicht mehr leiden.

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Universal

Paul Humphreys, obwohl immer noch nicht wieder offizielles Mitglied der Band, entschloss sich dazu, seinen alten Partner als Songwriter auch beim Nachfolger-Album „Universal“ zu unterstützen. Zwei Songs tragen seine Signatur. Geholfen hat es nichts. Die Platte, erschienen am 2. September 1996, entwickelte sich zum Mega-Flop. Obwohl sie mit „Walking On The Milky Way“ sogar nochmal einen Hit aufwies. Insgesamt wirkte das Ding aber arg aus der Zeit gefallen. Am Ende gab es für „Universal“ nur Platz 24 in den UK Album Charts. Die schlechten Verkaufszahlen führten letztlich dazu, dass McCluskey die Band offiziell auflöste. 1998 erschien nochmal ein „Best Of“, das war’s dann.

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History Of Modern

Eigentlich hatte sich Andy McCluskey in seiner Post-OMD-Zeit gemütlich eingerichtet. Er konzentrierte sich aufs Songwriting für andere Künstler, vor allem aus der Region rund um Liverpool. So profitierten etwa Atomic Kitten und Genie Queen von seiner Unterstützung. Paul Humphreys machte hingegen mit der deutschen Musikerin Claudia Brücken gemeinsame Sache. Sowohl privat als auch künstlerisch (unter dem Namen Onetwo). Im Jahr 2005 kamen OMD dann in klassischer Besetzung wieder zusammen – für einen Auftritt in der „Ultimativen Chart Show“ von RTL. Auch, weil McCluskeys Kinder ihn immer wieder nach einer weiteren Zusammenarbeit mit Paul gefragt hätten. Der TV-Auftritt war der Türöffner für weitere Live-Termine der Band, unter anderem nahm sie 2006 an der „Night of the Proms“-Tour teil. Auch in den folgenden Jahren war sie immer wieder live zu erleben.

Irgendwann forderten die Fans dann aber natürlich auch mal wieder neues Material. Das erschien dann am 20. September 2010 in Form des Albums „History Of Modern“. Es war die erste OMD-Platte seit 1996 – und die erste im klassischen Line-Up seit 1986. OMD verstanden es hier, die damals schwappende Nostalgiewelle gekonnt zu reiten, gleichzeitig aber auch dafür zu sorgen, dass die Band ausreichend zeitgemäß klang. Das blieb auch der Kritik nicht verborgen, die das Album bejubelte. Platz 28 gab es immerhin in den UK Album Charts, in Deutschland stieg die Platte sogar bis auf Platz fünf hoch.

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English Electric

Mit „History Of Modern“ waren OMD in der Neuzeit angekommen. Und sie waren gekommen, um zu bleiben. Auch mit dem Album „English Electric“, das am 5. April 2013 erschien, konnte die Gruppe das Niveau halten. Wieder war sie hier in der Originalbesetzung am Start – und diesmal bediente sie mit der Platte vor allem die Fans der ersten Stunde. Das Ding war schon eine typische, souveräne OMD-Nummer, und wie auch schon in den Achtziger Jahren verneigte sich die Band damit vor ihren alten Helden von Kraftwerk. Am Ende landete das Album auf Platz zwölf der UK Charts, in Deutschland gar auf Rang zehn.

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The Punishment Of Luxury

Da die Aufnahmen zu „English Electric“ relativ kräftezehrend waren, stand die Band mal wieder auf der Kippe. Da aber die darauffolgende Tour recht erfolgreich verlief, schöpften OMD dann doch neue Motivation. 2015 begann das Duo daher mit der Arbeit an neuen Songs, die später auf dem Album „The Punishment Of Luxury“ erschienen, das am 1. September 2017 auf den Markt kam. Der Name von Album und gleichnamigem Track geht dabei übrigens auf ein Gemälde des italienischen Divisionisten Giovanni Segantini aus dem Jahr 1891 zurück, das in der Walker Art Gallery in Liverpool zu sehen ist, wo es auch Andy auffiel.

Andy erzählt: „Den meisten Menschen in der westlichen Welt geht es heute wirtschaftlich sehr viel besser als ihren Vorfahren und doch sind wir nicht glücklicher als sie, weil wir die illusorische Ordnung der Religion und der königlichen Verordnungen durch die illusorische Ordnung des Marketings und die Propaganda der Werbung ersetzt haben. Jeder denkt, er habe noch nicht genug, und so haben wir jetzt haufenweise Dinge, die wir nicht brauchen, nur weil wir zum Kauf überredet werden. Wir alle sind unglücklich und verzweifelt – und genau das ist die ‚Strafe des Luxus‘.“ Musikalisch wurde „The Punsihment Of Luxury“ ein Album, auf dem die Band ihrer Liebe zu elektronischen Spielereien freien Lauf ließ. Kritik und Publikum goutierten das – Platz vier in den UK-Album-Charts.

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DISCOGRAPHY

1980: Orchestral Manoeuvres in the Dark
1980: Organisation
1981: Architecture & Morality
1983: Dazzle Ships
1984: Junk Culture
1985: Crush
1986: The Pacific Age
1991: Sugar Tax
1993: Liberator
1996: Universal
2010: History of Modern
2013: English Electric
2017: The Punishment of Luxury

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