New Model Army - Carnival Redux (foto: earmusic)

New Model Army – Carnival (Redux)

Erscheinungsdatum
November 20, 2020
Label
earMusic
Unsere Wertung
7
Anspieltipps
Island
Stone, Fired and Full of Grace
Carlisle Road
Another Imperial Day
7
Das neue Gewand steht den Songs gut.
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Sie begannen als musikalisches Sprachrohr der britischen Arbeiterklasse in der Thatcher-Ära, haben die „Eiserne Lady“ aber überdauert: New Model Army. Seit 40 Jahren ist die Kapelle aus West Yorkshire am Start. Die erste Dekade des neuen Jahrtausends ist aber irgendwie ein blinder Fleck im Schaffen der Band. Das will sie mit einer Neuauflage ihres 2005er Albums „Carnival“ ändern. „Carnival (Redux)“ ist zwar keine Neuaufnahme. Aber ein neuer Mix, der deutlich näher an die Vision heranreicht, die die Gruppe ursprünglich im Sinn hatte.

Nein, New Model Army haben sich immer nur schwer in Schubladen stecken lassen. 1980 in Bradford gegründet, wurde die Band zunächst dem Punk und Northern Soul zugeordnet. Irgendwann kamen dann aber auch Inspirationen aus Folk, Metal, R&B, Hip-Hop und klassischer Musik dazu. Doch nicht nur Außenstehende hatten es schwer, die Band zu verorten. Das ging der Gruppe selbst zwischenzeitlich nämlich nicht anders. Vor allem nach dem Ausstieg und späteren Tod des Gründungsmitglieds Robert Heaton im Jahr 2004.

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„In der langen Geschichte von New Model Army sind es die Alben zwischen 2000 und 2009, über die heute am wenigsten gesprochen wird“, sagt Frontmann Justin Sullivan. Und weiter: „Es war eine seltsame Zeit für uns. Zum Teil, weil wir uns nach dem Ausstieg von Robert und der ‘Strange Brotherhood‘-Ära in den 90ern selbst neu finden mussten. ‚Eight‘ (2000) war bereits eine direkte Reaktion auf das letztere, ein ‘primitives‘ Album. Nicht viel mehr als eine Sammlung von Demos. Schnell zusammengestellt von Michael (Dean), Dean (White) und mir.“

Ehrgeiziges Projekt

Das 2005 veröffentlichte, aber von der Öffentlichkeit ignorierte „Carnival“ sei da anders gewesen. Es sei ein ambitioniertes Projekt gewesen, entworfen als eine Art eklektisch-wirbelndes Sound-Karussell, so Sullivan. „Vielleicht wählten wir damals mit Chris Tsangarides den falschen Produzenten. Er war nicht dafür gemacht unser Chaos zu steuern und in Bahnen zu lenken. Und die Dinge wurden durch das häufige Fehlen von Nelson und Dave, der aus familiären Gründen dabei war die Band zu verlassen, nur komplizierter. Wir hatten immer das Gefühl, dass ‚Carnival‘ das Album war, bei dem die Aufnahmesessions, das Mixing und das Mastering den Songs nie gerecht geworden sind.“

Dann kam das Label earMusic ins Spiel, das mit der Band eine Neuauflage plante. Dabei wurden vier Tracks wiederentdeckt. B-Seiten und unveröffentlichte Aufnahmen, die es ebenfalls auf die Setlist gepackt haben.  Die Band übergab die Originalaufnahmen an Lee Smith, ihren Co-Produzenten und Mixer. Er hatte beim 2019er Album „From Here“ die Finger mit im Spiel, mit dem die Band ihre bislang höchste Chartplatzierung in Deutschland und Großbritannien erzielte. „Wir sind uns bewusst, dass es für eine Band gefährlich sein kann, sich ‘rückwärts‘ zu bewegen“, sagt Sullivan. „Deswegen haben wir uns die Regel auferlegt, dass wir niemals Neuaufnahmen machen würden, und daher Lee gebeten, aus den originalen Multi-Tracks einen neuen Mix zu erstellen. Manche Songs haben sich ein wenig verändert, andere sehr viel.“ Die Mühe hat sich gelohnt. Der Sound ist klarer und satter als auf der Veröffentlichung von 2005.

Eine zweite Chance – Chronologie und Dynamik verändert

Zwar beginnt ‚Carnival‘ nach wie vor mit einer Geburt (auf ‚Water‘ wird der Ultraschall von Michaels erstem Sohn verwendet) und endet mit einem Tod in ‚Fireworks Night‘ – gewidmet dem 2004 während der Albumaufnahmen verstorbenen Robert Heaton. Doch die Reihenfolge der Songs wurde durch die vier Bonus-Titel verändert. So erhält die Platte eine neue Dynamik, die ihr gut zu Gesicht steht. ‚Rumour and Rapture 1650‘ wurde von Sullivan für die Theatertour von „Freeborn John“, dem Konzeptalbum von Rev Hammer, geschrieben. Es erzählt die Geschichte eines desillusionierten Soldaten der Parlamentsarmee. ‚Caslen (Christmas)‘ war zunächst instrumental, von Nelson auf der Akustikgitarre eingespielt, und wurde nun mit einem Text von Sullivan erweitert. ‚One Bullet‘ und ‚Stoned, Fired and Full of Grace‘ sind Fans der Band als Live-Akustik-Songs bekannt, doch sie kommen auf „Carnival“ als bisher unveröffentlichte Versionen, eingespielt von der gesamten Band, zum Einsatz.

Neue Themen im Visier

New Model Army widmen sich auf „Carnival“ vielseitigen Themen. Das explosive ‚Red Earth‘ ist inspiriert von ihrer Reise nach Afrika im Jahr 2004. Das von Hip Hop beeinflusste ‚Another Imperial Day‘ stellt eine frühe Studie der Flüchtlingskrise dar. Und die Bradford Riots von 2001 werden im Song ‚Carlisle Road‘ – der wohl stärksten Nummer – aus der ungewöhnlichen Perspektive eines amtsmüden Polizisten thematisiert. ‚Bluebeat‘ besticht durch den originell-experimentellen Einsatz von Orchesterklängen und ‚Too Close to the Sun‘, ‚BD3‘ sowie ‚Island‘ durch hämmernde Rhythmen. Ganz im Sinne des Leitmotivs der Neuerfindung hat Joolz Denby, Künstlerin und langjährige Weggefährtin der Band, das 2005er Album-Cover sowie weitere Illustrationen für diese Neuauflage überarbeitet.

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