My Soundtrack: Veronica Fusaro

Veronica Fusaro (foto: tobias sutter)

Keine Frage: Veronica Fusaro hat eine Vorliebe fürs Melancholische. Die junge Schweizerin, die sich anschickt, am 9. Februar ihre zweite EP zu veröffentlichen, sagt selbst: „Ich denke viel über die Dinge nach, die in meinem Leben und um mich herum passieren. Wenn ich nachdenklich bin, bin ich inspirierter als wenn ich glücklich bin. Deshalb hat meine Musik diesen leicht blauen Teint.“ So etwas wie die Madrugada des portugiesischen Fado, die Gunst der blauen Stunde zwischen Tag und Nacht, zwischen Offensichtlichem und Geheimnisvollem. Nun stand uns Fusaro für unsere “My Soundtrack”-Reihe Rede und Antwort. Und klar, auch ihre All-Time-Top-Five ist nicht ganz frei von Schwermut.

Live 2018 (Support von Kadebostany):

17.04.2018: Berlin, Lido
18.04.2018: Hamburg, Knust
19.04.2018: München, Freiheiz
20.04.2018: Köln, Studio 672

 

Vasco Rossi – Sally

Diese Stimme begleitet mich schon seit klein auf. Egal ob während den langen Autofahrten nach Italien zu meinen Verwandten oder zuhause an einem gewöhnlichen schulfreien Nachmittag, ich mag mich kaum an eine Zeit ohne seine Musik erinnern. Dies wohl weil mein Vater ein grosser Fan ist. Seine raue Stimme und simplen dennoch tiefgründigen Worte berühren mich heute noch. Erst neulich hat er 40 Jahre Karriere gefeiert – und zwar mit einem Konzert mit 200.000 verkauften Tickets. Obwohl seine Musik in meinem Leben immer präsent war, erkennt man dies nicht zwingend in meiner Musik. Vielmehr bewundere ich eben gerade, wie lange er sein Ding durchzieht und seine Leidenschaft lebt.

“Sally” handelt von einer Frau, die es nicht immer einfach hatte im Leben. Ihre Geschichte wird uns erzählt, der Gesang wächst mit der Emphasis bis hin zum Zusammenbruch zurück in den Alltag. „Perché la vita è un brivido che vola via“ – Weil das Leben ein Nervenkitzel ist der verfliegt. Und mit diesen Worten wird es mir warm ums Herz.

 

J. Cole – Love Yourz

Die Uhrzeit ist ein Sonnenuntergang an einem erstaunlich warmen Herbsttag im 2016, der Ort ein Zug, irgendwo auf der Strecke zwischen Bern nach Thun. Die Charaktere: meine Bassistin und Freundin Lisa und ich. Wenige Stunden zuvor waren wir noch in London unterwegs. Und ein Tag zuvor spielte ich meinen allerersten Gig im Ausland, im “The 100 Club” in der Oxford Street.

Zurück in der Schweiz und auf dem Nachhauseweg ergatterten wir uns ein geschlossenen Abteil im Zug und hörten Musik, während wir schon fast nostalgisch über die vielen neuen Impressionen sprachen. Dann kam dieser Song und alles stimmte einfach gerade. Der orangene Himmel, die Bewegungen des Zuges, das melancholische Piano mit sanftem Beat – es passte einfach alles, so dass wir zufrieden die vorbeigehende Landschaft bestaunten und mit jedem passierten Baum ein Stück näher zu Hause waren.

 

The 1975 – Somebody Else

Das Auto meiner Eltern hat bis dato noch keinen USB- oder Bluetooth-Anschluss. Deshalb machte ich oft kleine Mixtapes, CDs mit meinen Lieblingssongs darauf. Dieser Song ist auch auf einer CD, welche wohl die am meisten benutzte ist. Diesen Song kenne ich in- und auswendig, von der Instrumentation bis zu den Background-Vocals. Er ist berührend, fragil und dennoch sehnsüchtig nach jemanden, einer meiner all time favorites. Meine Freundin und ich haben unzählige Male zu diesem Song mitgesungen (ja okay, manchmal wars eher ein mitschreien), inklusive dramatischer Performance. Dieser Song war Teil aller Autofahrten in einem wunderschönen Sommer.

 

Amy Winehouse – Wake Up Alone

Ich muss zugestehen, bei dieser Künstlerin könnte ich alle ihre Songs aufschreiben. Amy ist eine grosse Inspiration und musikalisches Vorbild. Ihre Ehrlichkeit und Art und Weise alltägliche Situationen in Kunstwerke zu verwandeln, ist eine Rarität. Ihre Musik versetzt mich in alle möglichen Emotionen. Die Soul-, Jazz-, R&B-Mischung ihrer Musik hält mich fest. Und wenn ich heute Radio höre, vermisse ich ein bisschen diese organischen Klänge.

„Run around just so I don’t have to think about thinking“ – solche Zeilen sind Gold in meinem Herzen. Eigentlich ein ganz simpler Satz, doch mit der dazugehörenden Melodie wird es plötzlich etwas Besonderes und etwas, das hervorsticht. Genauso wie Amy Winehouse selber.

 

Lana Del Rey – Video Games

Dieser Song fuhr mir erst kürzlich wieder ein, ich bemerkte wie wunderschön er ist. „It’s you it’s you, it’s all for you“ die strebende Melodie bringt mich fast um (auf die schönst möglich gemeinte Art und Weise natürlich). Lanas Produktionen sind oft umarmend, was ich sehr faszinierend finde. Es ist so als würde man beim hören ihrer Songs in ihre Welt gelangen. Ich bin in meinen Gedanken irgendwo in einer Villa in Cali, mit dem Strand in Sichtweite und einem Glas Rotwein in der Hand. Diese Fähigkeit ist nicht allen Künstlern gegeben. Ist schon ziemlich cool, was die Musik mit einem anstellen bzw. wo sie dich hinstellen kann.

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