Westernhagen - Das Pfefferminz-Experiment (foto: universal music)

Marius Müller-Westernhagen – Das Pfefferminz-Experiment

Erscheinungsdatum
November 8, 2019
Label
Universal Music
Unsere Wertung
7
7
Gelungenes Experiment.
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Die deutsche Rock-Legende Marius Müller-Westernhagen hat mit „Das Pfefferminz-Experiment (Woodstock Recordings Vol. 1)“ ein neues Studioalbum vorgelegt. Wenn man so will: eine Americana-Umdeutung seiner einst rockigen „Pfefferminz“-Songs. Der Sänger, Songwriter und Musiker hat die Platte mit dem Grammy-prämierten Produzenten und Multiinstrumentalisten Larry Campbell im legendären Dreamland Studio in Woodstock aufgenommen.

Fast vierzig Jahre ist es her, dass Westernhagen mit „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ (1978) seinen Durchbruch feierte. Als erste MMW-Platte überhaupt ging das Ding damals mehr als eine Million Mal über den Tresen. Und auch, wenn diesem einen Megaseller noch viele weitere folgen sollten: Für Westernhagen ist das Jubiläum auch ein Grund gewesen, etwas sentimental zu werden. Und so tauchte der Gute nochmal in alte „Pfefferminz“-Zeiten ein, vergrub sich in den Songs und kleidete sie in ein neues Gewand. Das Resultat: „Das Pfefferminz-Experiment (Woodstock Recordings Vol. 1)“.

Die Platte knüpft ein bisschen an den erdigeren, luftigeren Sound an, dem Westernhagen ja schon seit ein paar Jahren frönt. Im Studio wurden kaum mehr als ein paar Gitarren ausgepackt, eine Geige, eine Pedal-Steel-Gitarre, ein kleines Akkordeon, etwas Percussion. Aus dem vorhandenen Songmaterial erschufen Westernhagen und seine amerikanischen Begleiter eine Sammlung an zumeist bedächtigen, ruhigen Blues- und Folk-Balladen. Sie ließen alles Überflüssige weg und kochten die Stücke runter auf ihre Essenz.

In vielen Fällen geht das gut, einige Songs profitieren von der neuen Herangehensweise. Das oft vernachlässigte „Alles in den Wind“ ist so ein Beispiel. Auch „Giselher“ und „Grüß mir die Genossen“ gewinnen. „Mit 18“, jetzt eine Country-Nummer, und das nun eher langatmige „Johnny Walker“ verlieren hingegen in der Neubearbeitung.

Westernhagen lässt die Texte unberührt

Songs wie das Titelstück oder „Dicke“ haben natürlich textlich das Potenzial, heutzutage einen Shitstorm auszulösen. Westernhagen, beileibe kein Rassist, hat weder das N-Wort noch die politisch unkorrekten Bemerkungen über Übergewichtige herausgestrichen. Stattdessen versucht er, sie durch seinen Vortrag an manchen Stellen ironisch zu brechen. Westernhagen im „Stern“ über „Dicke“: „Es gibt sicher viele Menschen, für die die Ironie nicht erkennbar war. Viele Dicke haben es als Kampfsong begriffen: «I’m fat, I’m proud!» Aber es gab sicher auch Menschen, die das verletzt hat und das tut mir schrecklich leid. Jetzt habe ich versucht, durch die Interpretation des Songs die Ironie sehr viel deutlicher zu machen.“

Stimmlich ist der 71-Jährige hier auf jeden Fall auf der Höhe. Selten hat der Mann seine Stimme so spannungsreich moduliert wie hier. Er zieht alle Register in Sachen Dynamik und Klangfarben, ja, ist vielleicht noch einen Ticken theatralischer als ohnehin schon. Das muss man mögen – aber da hat MMW die Hörer schon immer gespalten.

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