Made in China (foto: etienne george)

„Made in China“: So viel Frédéric steckt in François – Interview mit Frédéric Chau

Durch die „Monsieur Claude“-Reihe wurde Frédéric Chau zum Star. Nun hat der französische Schauspieler mit „Made in China“ einen neuen Film am Start. Den hat er auch in der Grünstadter Filmwelt vorgestellt. Ein Gespräch über die Erwartungshaltung asiatischer Eltern, Identität und Alltagsrassismus.

Diese französischen Navis! Eigentlich wollte Frédéric Chau seinen Film ja in der Grünstadter Filmwelt selbst anmoderieren, doch daraus wurde nichts. Alexander Cyron, einer der beiden Kinobetreiber, übernimmt diesen Job dann eben selbst. „Das Navi“, wird Chau nach dem Film entschuldigend sagen, als er sich in einer kurzen Fragerunde den Kinobesuchern stellt. Er wirkt freundlich, aber auch ein bisschen zerknittert. Anstrengend, so eine Promo-Tour, und ziemlich streng getaktet: Chau hat an diesem Tag schon mehrere Kinos besucht und zwischendurch lag da auch  die eine oder andere längere Autofahrt.

Aber was nimmt man nicht alles auf sich! „Made in China“ ist für Chau ja nicht nur ein Film, sondern vielmehr sein Film. Eine Herzenssache. Er hatte die Idee dazu, hat das Drehbuch mitverfasst, er spielt den Protagonisten. Ob sich der Druck größer anfühlt, wenn man nicht nur Schauspieler, sondern auf mehreren Ebenen involviert ist? „Nein“, sagt Chau, „man will ja immer, dass ein Film erfolgreich ist, egal in welcher  Art und Weise man daran beteiligt ist.“

Chau: „Zu 80 Prozent meine Geschichte“

Etwas Besonderes ist „Made in China“ aber für ihn schon. Denn der Stoff, aus dem diese feinfühlige Komödie gemacht ist, weist autobiografische Elemente auf. „Sie ist zu 80 Prozent von meinem Leben inspiriert“, sagt Chau. 

Aber der Reihe nach: „Made in China“ erzählt die Geschichte von François (Frédéric Chau), einem jungen Pariser Fotografen, der so seine Schwierigkeiten mit seinen asiatischen Wurzeln hat. Er will  als Franzose und nicht als Asiate wahrgenommen werden. Und so antwortet er auf die Frage, wo er denn eigentlich herkomme, oft nur lapidar mit „St. Denis“. Überhaupt hat er alle Brücken zum chinesischen Teil der französischen Großstadt, ja, auch zu seiner Familie abgebrochen. Mit seinem Vater hat er sogar seit zehn Jahren nicht gesprochen, weil dieser den Wunsch seines Sohnes, Fotograf zu werden, nie respektiert und sogar dessen Kamera zertrümmert hat.  Erst als Sophie, die Freundin von François, ein Kind erwartet, fasst der junge Fotograf den Entschluss, die Beziehung zu seinem Vater, zu seiner Familie und ihren Traditionen wieder ins Lot zu bringen. Mit seinem besten Freund Bruno als moralische Unterstützung wagt er sich zurück ins Chinatown von Paris.

Erfahrungen mit Alltagsrassismus

Wenn Frédéric Chau also von „80 Prozent“ spricht, die von ihm in dem Film stecken, dann meint er zum einen die Erfahrung mit der hohen Erwartungshaltung, mit der asiatische Eltern ihren Kindern begegnen. Chau  kam  im Alter von sechs Monaten nach Frankreich, nachdem seine Eltern aus Kambodscha vor den Roten Khmer geflohen waren, und wuchs im 18. Arrondissement von Paris und dann in Seine St. Denis auf. Seinen Eltern zuliebe machte Frédéric ein wissenschaftliches Abitur und dann einen Fachschulabschluss in Telekommunikation. Am Ende zog es Chau aber auf die Bühne und zum Film, zunächst als Komiker, dann als Schauspieler.  Seine Eltern waren darüber nicht gerade happy. „Im Gegensatz zu François habe ich aber trotzdem ein gutes Verhältnis zu meinen Eltern“, so Frédéric.

Wie sein Protagonist hat Frédéric  auch so seine Erfahrungen mit Alltagsrassismus gemacht. Er kennt dieses Gefühl, sich im eigenen Land manchmal fremd zu fühlen. Vor seinem Durchbruch durch die „Monsieur Claude“-Reihe habe er immer wieder Rollen angeboten bekommen, in denen er den typischen Klischee-Asiaten spielen sollte. Den IT-Nerd. Oder irgendwas mit Kampfsport. Und natürlich werde auch er immer wieder gefragt, woher er denn komme. St. Denis reicht da nur selten als Antwort. „Wobei ich die Frage natürlich nicht grundsätzlich rassistisch finde. Das ist doch einfach menschliche Neugier, völlig normal. Aber es kommt natürlich auf die Art an, wie man fragt. Auf den Kontext“, sagt Chau. Der Kontext ist in den vergangenen Jahren, in denen auch in der französischen Gesellschaft ein Rechtsruck stattgefunden hat, allerdings nicht immer positiv gewesen.

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Anders als François ist Chau nicht in der  Pariser Chinatown aufgewachsen. Er besuche  den Bezirk mit seiner Familie jedoch regelmäßig, unter anderem die dortigen Tempel. Man fühle sich dort wohl. Allerdings verstehe er auch jene, die  solche Bezirke eher kritisch sehen und im Sinne einer besseren Integration ethnisch durchmischte Viertel bevorzugen.

Chau verabschiedet sich dann. Er ist müde. Schnell noch ein Facebook-Video für die lokale Presse eingesprochen, dann geht es auch schon weiter. Das Auto wartet, die nächste Stadt, schon am nächsten Tag wird er wieder in anderen Kinos irgendwo in der Republik Rede und Antwort stehen. Fragen zum Film  beanworten. Und die Frage, woher er eigentlich kommt …

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