Joy Denalane und Max Herre (foto: bernward betram)

Live: Max Herre in Worms

Nach sieben Jahren Wartezeit steht das neue Soloalbum von Max Herre in den Startlöchern. Beim „Jazz and Joy“-Festival in Worms legte der Stuttgarter am Wochenende einen Tour-Stopp ein und gab erste Einblicke in sein Werk „Athen“. Was er präsentierte, klang durchaus verheißungsvoll. Und es begeisterte auch die Fans der alten Stunde.

Zugegeben: Zum Song „Athen“, der ersten Single-Auskopplung des am 30. August erscheinenden gleichnamigen Albums, habe ich selbst nach mehrmaligen Hören nur schwer Zugang gefunden. Das war nach wenigen Momenten auf dem Wormser Marktplatz dann aber Geschichte, als der Stuttgarter Hip-Hopper das Gastspiel mit eben jenem Song begann. Mit wummerndem Bass sucht sich der melancholische Beat den Weg durch die Menge. Die blaugehaltenen Lichteffekte samt eindrucksvoller Videosequenzen machen aus dem Song, was der Rapper, Singer-Songwriter und Musikproduzent wohl im Sinn hatte: ein fesselndes Musikwerk. Max Herre ist anzumerken welche tiefe Verbindung er dazu hat. „Athen“ ist sein Sehnsuchtsort, wie er selbst sagt. „Mein Vater lebte lange dort“, erklärt er dem Publikum.

Die Chemie mit Denalane stimmt

Er legt sogleich die zweite Auskopplung „Villa auf der Klippe“ (feat. Trettmann) nach – und macht damit eindrucksvoll deutlich: Herre, dessen Karriere in den 90er Jahren mit dem Hip-Hop-Trio Freundeskreis begann, ist zurück. Als schließlich Joy Denalane die Bühne beim Song „1ste Liebe“ betritt, zeigt sich endgültig, wo sich seine Fans unter das Publikum gemischt haben. Denalanes kräftige Stimme ergänzt sich perfekt mit Max Herres Rap, genauso wie die beiden sich auf der Bühne. „Schön dass du wieder da bist, wir haben uns lang nicht mehr gesehen (zu lang Baby, zu lang…). Ich wusste, dass du eines Tages wieder vor meiner Türe stehst“, singen sie sich zu – und man möchte rufen: „Ja, schön, dass du wieder da bist!“ Noch emotionaler wird es, als das Paar „Mit Dir“ performed. Es ist der Song, mit dem alles begann. Schließlich lernte Herre seine Frau während der Suche nach einer Sängerin für dieses Lied kennen und lieben. 

Klare Kante gegen Rassismus

Für die Old-Schooler hat Max Herre mit dem Freundeskreis-Song „FK 10“ eine klare Botschaft parat: „Lass mich die Hände sehen wenn ihr Hip-Hop noch liebt“. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Schnell bewegen sich zahlreiche Arme auf und ab zum Beat. Ohnehin steigt die Stimmung rapide, wenn der Echo-Preisträger alte Werke spielt. Deutlich ruhiger geht es bei den „Athen“-Hits zu, was aber wohl kaum verwunderlich ist. Schließlich ist einiges, das Max Herre an jenem Sommerabend performed, noch gar nicht veröffentlicht. Was er präsentiert, hat es aber durchaus in sich – und lässt vermuten, dass er auf seinem neuen Album den Fokus auf seine Rap-Wurzeln legt. In „Siebzehn“ wagt er einen Sprung zurück in seine Jugend. Und mit „Dunkles Kapitel“ positioniert er sich klar, zeichnet ein düsteres Bild der neuen Rechten, vom wiederaufkeimenden Rassismus, den man in Deutschland überwunden geglaubt hatte.

Max Herre (foto: bernward bertram)

Ohnehin scheint Herre sich auf der neuen Platte stark mit der Gesellschaft auseinanderzusetzen, nicht nur in „Villa auf der Klippe“, „Dunkles Kapitel“ oder „Athen“, sondern auch bei „Sans Papiers“ (ohne Papiere). Mit den Zeilen „Ich bin der ohne Name, nenn mich Sans Papiers“, sorgt er für nachdenkliche Stimmung.

Gesunde Mischung aus alt und neu

Max Herre gelingt es, eine gesunde Mischung aus neuen Werken und einem Querschnitt seines bisherigen Schaffens mit Freundeskreis, den FK-Allstars sowie seinen Soloalben „Max Herre“, „Geschenkter Tag“ und „Hallo Welt!“ zu bieten. Dabei sorgt er auch immer wieder für den passenden Impuls, wenn er etwa Hits wie „A-N-N-A“, „Esperanto“ und „Halt dich an Deiner Liebe fest“ spielt, oder mit „Fühlt sich wie fliegen an“ die Liebe besingt. Dabei werden seine an sich inhaltsstarken Songs dank Videoleinwand und LED-Elementen auf der Bühne stark in Szene gesetzt. 

Herre beweist in der fast zweistündigen Show, dass er Rap nicht verlernt hat – und es auch noch immer versteht, sich musikalisch weiterzuentwickeln.

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