Mark Knopfler in der SAP-Arena. (foto: fiege)

Live: Mark Knopfler in Mannheim

Nein, Gepose hat einer wie Mark Knopfler mit knapp 70 Jahren nicht nötig. Bei seinem Auftritt in der voll besetzten Mannheimer SAP-Arena am Samstag erlebt das Publikum vielmehr einen legendären Musiker, der total in sich zu ruhen scheint – und auf die große Geste verzichtet.

Es war vielleicht eine der ikonischsten Szenen der US-amerikanischen Kult-Krimiserie „Miami Vice“. Staffel zwei, Episode drei, wir schreiben das Jahr 1985. Sonny Crockett und sein Partner Ricardo Tubbs befinden sich in der schwülen Ostküsten-Metropole mal wieder auf Verbrecherjagd. In dieser Folge ermitteln die beiden Cops gegen einen Feind aus den eigenen Reihen. Als sich der Fall am Ende dramatisch auflöst, wird das mit einem Song der Dire Straits unterlegt. Kaum Dialog, nur „Brothers in Arms“, fast acht Minuten lang. Eine Szene, die unter die Haut ging – und die auch ein bisschen von der  Coolness der Serie auf die Band und ihren Mastermind Mark Knopfler abstrahlte.

Cool waren die Dire Straits nie

Denn als cool galten die Dire Straits nun wirklich nie. Was eigentlich bemerkenswert ist. Denn die Gruppe war ja megaerfolgreich, hat mehr als 100 Millionen Alben an den Mann gebracht und große Stadien ausverkauft. Aber sie machten eben schon immer das, was man heute Dad-Rock nennen würde. Musik, die für ein älteres Publikum gedacht war und fast im Widerspruch zu dem stand, was damals so bei MTV rauf und runter lief. Adult Oriented Music, mit den Wurzeln im Pub Rock, allerdings mit dem Hang zur Schwermut, zur Melancholie. Musik, die sich der Papa in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern im Auto auf der Heimfahrt von der Arbeit reinzog, während sich der Teenie-Sohn eher für Schillernderes interessierte.

Vielleicht liegt es daran, dass man einen wie Mark Knopfler erst nach einigem Überlegen auf dem Zettel hat, wenn es um die Frage nach den ganz großen Gitarrengöttern geht. Namen wie Eric Clapton, Jimi Hendrix, Slash oder Jimmy Page, ja, vielleicht auch B.B. King oder Keith Richards kommen einem da stets zuerst in den Sinn. Schillernde Figuren. Mark Knopfler folgt dann immer irgendwann unter ferner liefen.

Knopfler ist eine Gitarren-Legende

Dabei ist der Brite zweifellos einer der ganz großen Gitarrenmeister. Ein Seiten-Virtuose. Das stellte er am Samstagabend auch in Mannheim mal wieder unter Beweis. Ob cool oder nicht cool, darüber macht sich einer wie er mit fast 70 Lenzen wohl keine Gedanken mehr. Knopfler ist längst (verdient) Legende. Das Stirnband aus Dire-Straits-Zeiten hat er mittlerweile gegen eine Brille eingetauscht, das Muscle-Shirt gegen ein kurzärmliges, legeres Hemd. Der flashy Frontmann war er nie, und das wird er im Alter auch nicht mehr. Da gibt es keine obskuren Bühnenoutfits, kein Gezappel, kein Gepose. Knopfler versprüht eher einen trockenen, lakonischen Charme; das Unprätentiöse spiegelt sich im minimalistischen Bühnenbild wider. Es gibt keine Screens, keinen technischen Schnickschnack, nur hier und da ein bisschen Spielerei mit dem Licht. Den einzigen Luxus, den er sich gönnt, ist eine große, überaus talentierte Band voller Multiinstrumentalisten. Seit 1995, dem zweiten Ende der Dire Straits, ist Knopfler nun als Solo-Künstler unterwegs, zehn Solo-Alben sind in dieser Zeit entstanden. Das jüngste, „Down the Road Wherever“, nach dem auch die aktuelle Tour benannt ist, erschien 2018. Eine ganz gelungene Sammlung von vornehmlich langsamen und eleganten Irish-Blues und Roots-Rock-Songs, da war sich die Fachpresse einig.

In Mannheim hatte er zwei dieser neuen Nummern im Gepäck, „Matchstick Man“, das eine Anhalter-Anekdote aus seinen Anfangsjahren aufgreift, und „My Bacon Roll“, in dem sich Knopfler mit dem Brexit auseinandersetzt.

Kein „Brothers in Arms“

Ansonsten bestritt er den Abend mit älteren Nummern aus seinem weitreichenden Solo-Katalog; die Glanzlichter dabei sicherlich „Sailing To Philadelphia“ und „Speedway To Nazareth“. Aber auch einige Dire-Straits-Hits gönnte er dem Publikum. Darunter: „On Every Street“, „Romeo and Juliet“, „Your Latest Trick“, aber auch „Money For Nothing“, für das Knopfler seinerzeit das erntete, was man heute einen Shitstorm nennen würde. In dieser Nummer rechnet ein einfacher Arbeiter mit dem schillernden Musikgeschäft ab, es fallen Wörter wie „yo-yo“s“ (Penner) und „faggot“ (Schwuchteln). Knopfler musste sich damals mit Vorwürfen der Homophobie und des Sexismus auseinandersetzen; nicht alle Hörer konnten zwischen der Perspektive der Figur, aus deren Sicht dieser Song gesungen wird, und Knopflers wirklichen Ansichten unterscheiden. In Kanada brannte diese Kontroverse vor wenigen Jahren sogar erneut auf. Rollenlyrik – in der Musik immer eine gefährliche Sache. Von allen Dire-Straits-Songs, die Knopfler in der SAP-Arena spielt, kommt „Money For Nothing“ aber am besten an; es donnert im Zugabenteil geradezu von der Bühne.

„Brothers in Arms“ hat er übrigens an diesem trotzdem gelungenen Abend dann doch nicht gespielt. Aber wer weiß: Vielleicht war es ja auch nicht sein letzter Auftritt in Mannheim. Denn an die Rente denkt Knopfler zwar hin und wieder, wie er zugibt, entscheidet sich dann aber doch stets fürs Weitermachen: „Ich liebe es einfach zu sehr.“

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