Lana Del Rey – Norman Fucking Rockwell!

Lana Del Rey - NFR (foto: polydor)
Erscheinungsdatum
August 30, 2019
Label
Polydor
Unsere Wertung
8.5
8.5
Traumhaft.
Anspieltipps
Venice Bitch
Doin' Time
The greatest
Happiness is a butterfly
Hope is a dangerous thing ...
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Lana Del Rey nimmt noch mal das Tempo raus: Ihr neues Album „Norman Fucking Rockwell“ ist noch mal entschleunigter als das, was man bisher so von ihr kannte. Im Vordergrund stehen diesmal ganz klar die Texte.

Amerikanisch-patriotisch, kitschig – vielleicht kann man die Kunst von Norman Rockwell so am besten beschreiben. Der 1978 verstorbene, kommerziell überaus erfolgreiche Maler und Illustrator gehört auch heute immer noch zu den populärsten US-amerikanischen Künstlern. Rockwell war einer, der das Bild, das man sich heute gemeinhin bei dem Begriff „Americana“ so macht, maßgeblich mit geprägt hat. Bill Clinton und Ronald Reagan etwa gehör(t)en zu seinen Fans.

Und eben Lana Del Rey. Was irgendwie auch nicht verwundert, spielt doch auch ihre Kunst schwer mit dem Americana-Begriff und eben dieser gewissen, oft kitschigen US-Retro-Ästhetik. Vielleicht konnte sich Del Rey auch mit Rockwell-Zitaten wie diesem identifizieren: „Die Sichtweise des Lebens, die ich in meinen Bildern kommuniziere, schließt das Morbide und Hässliche aus. Ich male das Leben so, wie ich es gerne hätte“, schrieb der Künstler in seinem Buch „My Adventures as an Illustrator“.

Parallelen zu Tarantino

Wenn man so mag, dann ist „Norman Fucking Rockwell“ aus dem selben Holz geschnitzt wie Quentin Tarantinos „Once Upon A Time … In Hollywood“. Der Geist des Laurel Canyon durchweht die mit Referenzen gespickte Platte, wirft einen verklärt-nostalgischen, durchaus melancholischen Blick aufs Gestern. Im Wissen, dass dieses vermeintliche Rockwell-Idyll nicht für die Ewigkeit bestimmt ist. Eine Message, die auch im Artwork der Platte aufgegriffen wird. Man achte auf den bedrohlich wirkenden Horizont, die Hilfe suchende Hand, die Del Rey dem Betrachter entgegenstreckt.

Auf der anderen Seite ist der Albumtitel „Norman Fucking Rockwell“ aber auch eine Anspielung auf Lanas Zusammenarbeit mit Produzent Jack Antonoff (Taylor Swift, Lorde, St. Vincent). Denn ebenso wie der große Rockwell, der sich Zeit seines Lebens mit scharfzüngigen Kritikern herumschlagen musste, leidet Antonoff offenbar unter starken Selbstzweifeln. „Working with Jack [Antonoff], I was in a little bit of a lighter mood because he was so funny. So the title track is called ‘Norman Fucking Rockwell’ and it’s kind of about this guy who is such a genius artist but he thinks he’s the shit and he knows it and he, like, won’t shut up talking about it“, erzählte Del Rey in einem Interview mit Zane Lowe.

Eine der besten Del-Rey-Platten

Dabei können Antonoff und Del Rey durchaus stolz sein auf das, was sie mit „Norman Fucking Rockwell“ da vorgelegt haben. Die Aufnahmen gehören sicherlich zu den stärksten, die Del Rey in ihrer nun zehn Jahre andauernden Karriere gemacht hat. Hitmaker Antonoff und Del Rey haben den Mut, Lanas Sound noch weiter zu entschleunigen. Die Songs sind spärlich instrumentiert, aber lang. „Venice Bitch“ etwa kratzt an der Zehn-Minuten-Marke. Unter vier Minuten bleiben nur drei der 14 Slow- bis Mid-Tempo-Perlen von „Norman Fucking Rockwell!“. Einige erzählen vom Ende der Welt (wie die wunderbare, auch politische Piano-Ballade „The greatest“) oder vom Ende einer Beziehung, andere vom neu Verlieben und vom Älterwerden. Mit dem gelungenen Sublime-Cover „Doin‘ Time“ gibt es überdies eine faustdicke Überraschung.

Die Texte? Gehen einem teilweise wirklich unter die Haut. „If he’s a serial killer, what’s the worst that can happen to a girl that’s already hurt?“, singt Del Rey in „Happiness Is a Butterfly“. Und in „hope is a dangerous thing for a woman like me to have—but I have it“ verhandelt Del Rey das Thema Depression. Sie bezieht sich dabei in einer Strophe auf Sylvia Plath, eine amerikanische Poetin und Schriftstellerin (1932-1963), die durch Suizid aus dem Leben schied. Plath gilt als Ikone der US-amerikanischen Frauenbewegung. Dass sich Del Rey in jüngster Vergangenheit durchaus feministischer präsentiert als früher, steht ihr außerordentlich gut.

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