Im Interview: Angelo Kelly über Ärger mit Clickbait

Angelo Kelly (foto: angelo kelly)

Angelo Kelly und seine Familie wollen die Burgruine in Neuleiningen heute wieder in ein Irish Pub verwandeln und ihr „Irish Heart“ schlagen lassen. Mit Benjamin Fiege sprach er vorab über die große Hitzewelle, seinen randvollen Tourkalender und Stress mit sozialen Medien.

Herr Kelly, wo haben Sie denn in dieser Woche wegen der Hitze gestöhnt?

Das musste ich gar nicht. Ich bin noch zu Hause in Irland und da ist es gerade deutlich angenehmer. Wir hatten in dieser Woche zwischen 15 und 20 Grad.

Beneidenswert! Am Sonntag soll es in Neuleiningen aber wieder sehr heiß werden. Hat das dann Einfluss aufs Programm? Lässt man es da etwas ruhiger angehen?

Ganz im Gegenteil. Wenn die Leute richtig abgehen, dann denken sie über die äußeren Umstände meist weniger nach und stören sich nicht daran. Und wir haben ja zum Glück viele solcher Nummern im Programm. Viele Balladen in der Setlist zu haben, das wäre da eher kontraproduktiv. Die würden die Menschen bei solchen Temperaturen eher schläfrig werden lassen.

Man will ja nicht, dass die Fans vor der Bühne ohnmächtig werden.

Nein, wobei es aber auch wahrscheinlich abends auch schon deutlich abgekühlt sein wird. Und die Menschen haben ja die Gelegenheit, ausreichend zu trinken. Und wir sind auch keine Boyband, bei der die Fans reihenweise umfallen. Kurzum: Regen wäre für uns und das Publikum viel schlimmer.

Haben Sie als Künstler denn spezielle Kniffs, um mit der Hitze auf der Bühne klarzukommen?

Auch hier gilt: viel trinken. Und das am besten schon den ganzen Tag über. Man neigt sonst auf der Bühne dazu, schnell zu dehydrieren. Da ist es ja wegen der Scheinwerfer immer sehr warm.

Was war denn die extremste Wettersituation, mit der Sie als Musiker umgehen mussten?

Ich habe da schon alles erlebt. Es hat sich aber vor allem ein Erlebnis eingebrannt: Berlin, Alexanderplatz, Anfang der 1990er Jahre. Wir haben da mit der Kelly Family mehrere Stunden lang gespielt und es war echt bitterkalt. Minusgrade. Wir hatten mehrere Schichten Kleidung an, sahen aus wie Kartoffelmännchen – und hatten gefrorene Finger.

Wenn man im Internet so schaut, was zuletzt bei Ihnen so abging, stößt man auf viele Klatsch-Medien. Die scheinen sich so ein bisschen auf sie eingeschossen zu haben. Da stehen dann Überschriften wie „trauriges Baby-Geständnis“ oder „Zoff mit Maite“ – und oft verbirgt sich hinter diesen Clickbait-Headlines heiße Luft. Wie sehr nervt Sie das?

Ich habe gelernt, damit umzugehen. Und so blöd es klingt: Man muss es als Kompliment betrachten. Es zeigt, dass man so erfolgreich ist, dass solche Medien mit einem Auflage machen und Klicks generieren wollen. Ich habe aber auch den Eindruck, dass das Publikum sich von solchen Schlagzeilen nicht mehr beeindrucken lässt – anders als vielleicht noch in den neunziger Jahren, wo alles geglaubt wurde, was in solchen Medien stand. Da ist der Konsument heute kritischer, das lese ich aus den Kommentaren heraus, die ich bekomme, wenn ich – was wirklich selten vorkommt – mal auf so einen Klatsch über die sozialen Medien reagiere.

Schaffen Sie es, Ihre Kinder, die ja mit Ihnen auf der Bühne stehen, von solchen Dingen fernzuhalten?

Sie bekommen das natürlich über das Internet mit, das kann man nicht von ihnen fernhalten. Wir sprechen natürlich darüber. Aber nicht nur über die Berichte, die mich oder uns betreffen, sondern generell, auch über andere Künstler. Ich versuche sie da zu kritischen Menschen zu erziehen, die die Dinge auch mal hinterfragen. Und ich achte darauf, dass sie – zumindest jetzt – selbst noch keine Interviews geben. 

Ein Blick auf Ihren Tourkalender verrät: Der Sommer wird sehr  busy, Sie geben unheimlich viele Konzerte. Wie wichtig ist das Live-Geschäft für einen Künstler heutzutage? Spielen Tonträger da noch eine große Rolle?

Das Live-Geschäft spielt eine immer größere, immer wichtigere Rolle – das ist heute so. Und als Künstler mögen wir das auch, unabhängig vom finanziellen Aspekt: diesen direkten Draht zum Publikum. Aber was uns und die Kelly Family angeht, kann ich sagen: Der Tonträgermarkt ist für uns immer noch sehr wichtig. Das letzte Kelly-Family-Album hat 800.000 Einheiten verkauft, auch die Live-Platte/DVD ging sehr gut.

“Die CD ist bei uns komplett verschwunden”

Wie wird denn im Hause Kelly Musik heutzutage konsumiert?

Ich setze auf Schallplatten. Meine Sammlung umfasst etwa 2000 Stück, damit gehe ich dann dem Rest der Familie auf die Nerven. Die Kids sind natürlich in dem Alter, in dem Streaming hoch im Kurs steht. Da kann ich noch etwas dazu lernen, sehen, was in diesem Bereich so alles geht. Die CD ist unserem Haushalt hingegen komplett verschwunden. Ich freue mich aber natürlich, wenn unsere Fans immer noch CDs kaufen.

Aber wo wir es gerade von Tonträgern haben. Da gab es ja dieses Live-Album beziehungsweise die Live-DVD aus Neuleiningen im vergangenen Jahr. Welche Erinnerungen haben Sie an den Auftritt und die Aufnahmen?

Das war eine echt tolle Sache. Wir hatten ja kein Dach über der Bühne, und glücklicherweise nur am ersten Tag etwas Regen. Sonst war das Wetter fantastisch. Die Stimmung war toll, die Burg super ausgeleuchtet. Das hatte was. Mit der Produktion war und bin ich auf jeden Fall sehr zufrieden gewesen, neben dem Geld der Plattenfirma hatte ich da auch noch eigenes dazugesteckt. Ich war von Anfang an überzeugt von dem Projekt, hatte da meine Vision.

Und die Resonanz war ja positiv.

Ja, das war super. Das Feedback war toll, die Live-Platte ging ja auch auf Platz vier der deutschen Charts. Für eine Live-Platte eine ungewöhnliche hohe Platzierung. Das hat hoffentlich auch dazu beigetragen, dass nun noch mehr Menschen Neuleiningen auf dem Schirm haben. Würde mich zumindest freuen.

Inwiefern wird sich denn Ihre Setlist am Sonntag von der aus dem Vorjahr unterscheiden?

Wir haben die Setlist verändert, die Menschen werden also ein frisches Programm erleben. Auch wenn es natürlich  Songs aus dem Vorjahr zu hören gibt. Gerade die neueren finde ich jetzt auch noch nicht abgegriffen. Außerdem ist die Band größer geworden – und die Bühne wird ganz anders aussehen.

“Wir haben Ideen für ein weiteres Album”

Und was steht dann nach der Konzertsaison an?

Nach der Konzertsaison geht es dann mit meinen Geschwistern von der Kelly Family auf Tour, meine eigene kleine Familie macht dann Pause. Und ich versuche, diese dann so häufig wie möglich zu sehen. Für  meine eigene Familie haben wir die Idee für ein weiteres Album, Songs haben wir schon, das ist aber noch nicht konkret.

Und die stellen Sie dann auch ein drittes Mal in Neuleiningen vor?

Das wäre natürlich wünschenswert, aber ich weiß tatsächlich nicht, ob das dann 2020 hinhauen würde. Im Sommer geben wir nächstes Jahr nur eine Handvoll Konzerte, da muss man dann schauen, ob es passt. Wir planen für Herbst eine größere Tour. Und 70 bis 80 Konzerte im Jahr will ich der Familie nicht zumuten. bfi

TERMIN

Angelo Kelly beim Neuleininger Burgsommer, heute, Sonntag, 20 Uhr. Eintritt: 45,20 Euro – ermäßigter Eintritt mit der RHEINPFALZ-Card.

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