Heinz Strunk - Memories of Heidelberg (foto: Rowohlt)

Heinz Strunk – Memories of Heidelberg

Erscheinungsdatum
Juli 17, 2026
Verlag
Rowohlt
Unsere Wertung
8

Heinz Strunk legt mit „Memories of Heidelberg“ einen neuen Roman vor über die kleinen Leute vor, der einerseits so brutal hart mit diesen umspringt, dass es schmerzt, gleichzeitig aber maximal unterhaltsam ist.

Bertram und Isolde sind schon lange zusammen, haben sich aber außer kleinen Gemeinheiten nicht mehr viel zu sagen. Auch die Erotik ist aus dem trostlosen Leben der beiden schon längst ausgezogen. Trotz ihrer atmosphärischen Störungen beschließt das Paar aus Oldenburg, sich einen richtig schönen Kurzurlaub zu gönnen. Heidelberg soll das Ziel sein, die Perle am Neckar. Dort waren die beiden schon öfter mal, vielleicht, so die Hoffnung, vertreibt der Trip auch die Seelen-Tristesse. Zumal Isoldes Mutter dort ihren 80. Geburtstag feiern will. Das Boutiquehotel, in dem die Eheleute nun zum ersten Mal absteigen (um mal was Neues zu wagen), ist für das viele Geld gar nicht so toll; dafür haben die beiden gleich einen neuen Stamm-Italiener ausgemacht. Das Restaurant voller Flair befindet sich auf einem alten Flussschiff im Neckar.

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Die Hoffnung, dass die Ehe der beiden durch den Trip eine Art Frischzellenkur bekommt, wird schnell ad acta gelegt. Auch das schmucke Heidelberg kann eben nicht zaubern. Isoldes Mutter muss ins Krankenhaus. Und während die Ehe von Bertram und Isolde im Verlauf der Woche zusehends aus der Form gerät, wird auch der abendliche Gang auf das Restaurantschiff immer mehr zur Enttäuschung, zur Strafe, zur Höllenqual geradezu. Bertram weiß gar nicht mehr, wie ihm geschieht. Es kommt zur Katastrophe – und das alles zum Schlager-Oldie „Memories of Heidelberg“ in Dauerschleife.

Das Verwelken der Liebe und des eigenen Lebens – das ist das große Thema von „Memories of Heidelberg“. Strunk, das hat er in der Vergangenheit ja schon öfter bewiesen, hat ein Händchen für Verlierer-Figuren, und dabei müssen diese Figuren nicht einmal am Rand der Gesellschaft stehen, sondern können sich – wie Bertram und Isolde – mittendrin wähnen, sogar gut situiert sein. Finanzielle Potenz schützt eben nicht davor, ein kläglich-trostloses Leben zu führen. Die Situationen, in die Strunk Bertram und Isolde schickt, sind einerseits schmerzhaft realistisch (etwa wenn es vor allem um die Momente zwischen den beiden geht – die Dialoge sitzen), auf der anderen Seite aber absurd und geradezu kafkaesk. Dass man als Leser zwischendrin immer mal wieder schmunzeln muss, nötigt einem fast ein Schamgefühl ab. Die Komik im Trüben, sie ist eben das Spezialgebiet von Heinz Strunk.

8
Schmerzhaft schön.
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