Ist es das letzte Album der Dexys? Mit „Love“ legen die Dexys Midnight Runners möglicherweise ihre letzte Studio-LP vor.
Sie waren ein integraler Bestandteil der Second British Invasion: die Dexys Midnight Runners. 1978 in Birmingham gegründet, schuf die Kapelle mit Songs wie „Come On Eileen“ oder „Geno“ Hits für die Ewigkeit. Sicher, die Gruppe hat so einige Line-Up-Changes hinter sich und zwischen 1986 und 2003 war auch komplett Funkstille. Dennoch sind die Dexys, wie sie zwischenzeitlich verkürzt firmierten, britisches Kulturgut. Und weit mehr als ein One-Hit-Wonder, wie sie hierzulande fälschlicherweise oft eingeordnet werden.
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Der Weg der Dexys war eigentlich immer steinig, der Umgang mit dem eigenen Erbe oft stiefmütterlich. Das fing damit an, dass Band-Mastermind Kevin Rowland den größten Hit der Band, besagtes „Come On Eileen“, live oft gar nicht spielen wollte und endet damit, dass die Band sich von Dexys Midnight Runners zwischenzeitlich in Dexys umbenannte. Fast so, als wollte man sich von der eigenen Legacy distanzieren. Als hätte man Sorge, nicht mehr als frisch, sondern Nostalgia-Act wahrgenommen zu werden.
Der Kreis schließt sich
Das neue, das vielleicht letzte Album „LOVE“ ist so etwas wie eine Aussöhnung mit der eigenen Vergangenheit. Aus den Dexys sind wieder die Dexys Midnight Runners geworden. Es ist die erste Veröffentlichung unter dem Namen seit 1985, seit „Don’t Stand Me Down“. Und auch der Sound der Kapelle knüpft wieder mehr an den der Dexys in den 1980er Jahre an.
Inhaltlich bündelt das neue Album Geschichten aus Kevin Rowlands Leben – von seiner Kindheit als irischer Einwanderersohn zweiter Generation und familiären Beziehungen bis hin zu später Liebe, Verlust und Versöhnung. Ein zutiefst persönliches Album, hier stimmt die PR-Floskel mal ausnahmsweise.
Exemplarisch: das als Single ausgekoppelte „My Life in England Pt.1“, ein Song, der in einer früheren Version 2003 schon mal auf einem Compilation-Album veröffentlicht wurde, jetzt aber nochmal überarbeitet wurde. “Wir lebten in England und träumten von Amerika: Das war noch vor den Beatles, also waren es Elvis, Sonny Liston, Cassius Clay, die Kleidung – einfach alles war Amerika. In der zweiten Strophe erinnere ich mich daran, wie ich in einem Social Club war und alle Kevin Barry sangen [ein Lied über den 18-jährigen Medizinstudenten und IRA-Kämpfer Kevin Barry, der am 1. November 1920 von der britischen Regierung hingerichtet wurde], während meine Mutter mir sagte: ‚Dieses Lied ist in England verboten.‘ Es war tagsüber, alle Vorhänge waren zugezogen, alle tranken und sangen ein verbotenes Lied. Ich erinnere mich noch daran, wie ich dachte: Wow, ja – aufregend!”, so Rowland über die durchaus etwas musicalhaft anmutende Nummer.
Was das Album sonst noch so kann
Ein guter Einstieg, aber nicht einmal der beste Song der Platte, die man auch als musikalische Fortführung der Rowland-Autobiografie „Bless Me Father“ verstehen kann. Diese Ehre wird wohl dem gefühligen „You’ve Got The Love“ und „Once A Man, Twice A Child“ zuteil. Gerade letztgenannter Song geht unter die Haut, söhnt sich Rowland hier doch mit seinem verstorbenen Vater aus. In „Old Love“ verhandelt Rowland, mittlerweile auch schon 73 Jahre, aber stimmlich immer noch über jeden Zweifel erhaben, das Älterwerden. Auch die Soul-Jazz-Nummer „Strange Feelin“ bleibt haften. Und „I Want To Be Holding You Next Christmas“ ist mal erfrischend zukunftsgewandt für einen Weihnachtssong.
Alles in allem: ein starkes letztes Hurra der Band, sollte es denn ein solches sein. Denn eigentlich, ja, eigentlich sind die Dexys zu gut, um jetzt einfach so die Segel zu streichen.
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