Der letzte Stopp seiner Deutschlandtour führte die kanadische Rock-Ikone Bryan Adams am Montagabend nach Mannheim. Die SAP-Arena stand bei dem zweieinhalbstündigen Gig kopf.
Wenn bei einem Konzert Smartphones gezückt werden, dann üblicherweise zum Fotografieren (nervig!), zum Filmen (noch nerviger!) oder um es als romantisches Leuchtmittel bei einer gefühligen Ballade einzusetzen (noch okay). Dass das mobile Endgerät aber während eines Songs seitens des Publikums zu Recherchezwecken genutzt wird, zum Googeln oder eben schnell die KI befragen, das ist dann doch eher Stingeine Seltenheit.
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Einen dieser seltenen Momente gab es am Montagabend beim Gig von Bryan Adams in der Mannheimer SAP-Arena. Da wollten es doch recht viele Zuschauer genauer wissen, als Adams da seinen neuen Song „The Ballad of Terry Fox“ zum Besten gab. Wer ist dieser Terry, dem die kanadische Rock-Ikone da diese ergreifende Nummer gewidmet hat?
Marathon der Hoffnung
Bei Terry Fox, 1958 in Vancouver geboren, wurde im Alter von 18 Jahren ein Osteosarkom diagnostiziert. Knochenkrebs. 1977 musste ihm das rechte Bein amputiert werden, 15 Zentimeter über dem rechten Knie. Fox war danach auf eine Prothese angewiesen, um laufen zu können. Um anderen Krebspatienten zu helfen, hatte Fox die Idee, einmal quer durch Kanada zu laufen und dabei Geld für die Krebsforschung zu sammeln. Täglich wollte er dabei eine Strecke von 42 Kilometern zurücklegen, eine Marathondistanz. Fox nannte sein Projekt „Marathon of Hope“ – Marathon der Hoffnung. Nach 18 Monaten Vorbereitung legte Fox dann am 12. April 1980 los. Am 1. September 1980 – Fox war bis dahin 143 Tage unterwegs und hatte dabei 5373 Kilometer absolviert – musste der Leichtathlet sein Projekt aber abbrechen. Der Krebs hatte nun die Lunge befallen. Am 28. Juni 1981 starb Fox, bis heute gilt er der kanadischen Öffentlichkeit als Held, als Inspiration.
Dass Adams die Geschichte aufgriff, ist dem Umstand geschuldet, dass sich der Musiker zuletzt intensiv mit seiner kanadischen Heimat beschäftigt hat. Mit der Geschichte. Den Menschen. Ihrem Humor. Ihrer Resilienz. Geschichten, die er auf seinem neuen Album „How’s It Goin’“ erzählen wird, das am 6. November erscheinen soll. Ein Liebesbrief an Kanada soll die Platte sein, verspricht das Label.
Offiziell wurde Adams zu diesem Projekt durch den Dokumentarfilm „Canada’s Wild Eastern Edge“ inspiriert, zu dem Adams den Titelsong beisteuerte. Die Recherche zu diesem Lied habe zur Idee geführt, weitere Songs über Kanada zu schreiben.
Sneak Preview aufs neue Album
Ob aber auch Donald Trump eine Rolle gespielt hat? Der US-Präsident hat das Nachbarland schon länger auf dem Kieker, kokettiert immer wieder damit, dass sich Kanada hervorragend als 51. Bundesstaat der USA eignen würde, und nennt den kanadischen Premierminister dreist „Gouverneur“. Ob der Drohgebärden aus Washington sind die Kanadier natürlich auf der Zinne – und Adams auch. In „51st State“, das ebenfalls auf der neuen Platte erscheint, greift Adams das Thema auf, der Song kommt mit viel Wut daher, mit Trotz, aber auch mit viel Stolz. Sehr wahrscheinlich, dass dieses Aufplustern des mächtigen Nachbarn dazu geführt hat, sich mit der kanadischen Identität eingehender zu befassen.
„The Ballad of Terry Fox“ und „51st State“ waren sozusagen die Sneak Preview aufs neue Album, ansonsten setzte Adams auf bewährtes Material. Seit 1975 ist der gute Bryan als Musiker aktiv, 1980 erschien sein Debütalbum, es folgten 15 weitere, gespickt mit jeder Menge Hits. Im Leben des Bryan kam da so einiges zusammen, und: Adams ist ein Arbeitstier. Also wird nicht umständlich geschaut, was man vielleicht weglassen könnte, nein Adams spielt einfach, was das Publikum von ihm erwartet. Auch wenn das bedeutet, sich von der Länge des Konzerts fast an einem Bruce Springsteen zu orientieren. Rund zweieinhalb Stunden rockte Adams die SAP-Arena.
Beeindruckende Hit-Dichte
Natürlich: die Hit-Dichte von Adams ist beeindruckend. Mit Akustikversionen von „Can’t Stop This Thing We Started“ und „Straight From The Heart“ legte der 66-Jährige direkt los, überraschenderweise tauchte er nicht auf der Hauptbühne, sondern auf einer kleineren inmitten des Publikums auf. Die Volksnähe kam an, der Jubel war grenzenlos, zumal Adams dann auch den Weg durchs Publikum hindurch wählte, um zur großen Bühne zu gelangen und dort den Rest des Abends zu bestreiten.
Die Setlist war eine Reise quer durch den eigenen Backkatalog, wobei die Platte „Reckless“ mit sechs Songs den größten Block bildete. Überraschend stiefmütterlich wurde das Album „Roll with the Punches“ behandelt, das Adams 2025 veröffentlichte und eigentlich auch Anlass und Namensgeber der laufenden Tournee ist. Mehr als den Titelsong gab es daraus aber nicht zu hören. Immerhin sorgte ein überdimensionierter Boxhandschuh, der über die Köpfe des Publikums flog, für einen Hingucker.
Abbitte an die Dorfbands
Besonders steil ging das Publikum bei der Ballade „(Everything I Do) I Do It for You“, „Run to You“, das immer noch diesen speziellen Punch hat (um im Bild zu bleiben), und klar, am Ende des regulären Sets, beim unvermeidlichen „Summer of ’69“. Jede Coverband, die etwas auf sich hält, muss diesen Song im Repertoire haben, sonst wird sie fürs nächste Dorffest gar nicht erst gebucht. Natürlich, durch seine Omnipräsenz mag sich das Lied für den einen oder anderen totgenudelt haben, aber Adams spielt den Song mit so viel Wucht und mit so viel Lust und ehrlicher Leidenschaft, dass selbst dem größten Nörgler der Hut wegfliegt – und der Arena das Dach. Wer den Jubelsturm erlebt hat, als Adams den Song anstimmte, kann den Dorfbands dieser Welt dann auch gar nicht mehr böse sein.
Als Zugabe dann noch: „All for Love“, die legendäre Power-Ballade, die einst Teil des Soundtracks von „Die drei Musketiere“ war. Adams sang den Song 1993 mit Rod Stewart und Sting, in der SAP-Arena war er auf sich allein gestellt und übernahm alle drei Parts eben selbst. Darin war er an diesem Abend schließlich geübt, auch bei „It’s Only Love“, das er einst im Duett mit Tina Turner sang, musste er beide Parts selbst übernehmen. „Seid gnädig mit mir, ich bin nicht Tina“, zollte er der mittlerweile verstorbenen Kollegin Respekt. Mit Turner zu arbeiten sei für ihn eine große Ehre gewesen, erzählte Adams voller Bewunderung für die Sängerin.
Übrigens: Gern hätten wir Ihnen auch Bildmaterial des Adams-Auftritts in Mannheim gezeigt. Leider bestand das Management des Künstlers darauf, zu bestimmen, welche Bilder verwendet werden dürfen – und diese auch selbst kostenfrei nutzen zu dürfen. Ein schwerer Eingriff in die Pressefreiheit, für eine unabhängige Zeitung und ihre Fotografen inakzeptabel. Es gilt die Faustregel: Wir legen Künstlern weder unsere Artikel oder Bilder zur Freigabe vor – und wir quatschen ihnen im Gegenzug im Vorfeld nicht in die Songauswahl rein …
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