Bronski Beat (foto: warner music)

Bronski Beat

Sie gelten als Pioniere der britischen Pride-Kultur: Bronski Beat. Klar. Da denkt man zuerst an Jimmy Somerville, den Mann mit dieser unglaublich einprägsamen Falsett-Stimme. Und das nach dessen Ausstieg nix mehr groß kam. Und doch hatte diese englische Synthie-Pop-Gruppe, die Mitte der 1980er Jahre große Erfolge feierte, einen größeren Impact als so manch einer annimmt. Eine Würdigung.

In den vergangenen Jahren ist Pop-Musik ziemlich queer geworden. Selten waren queere Künstler*Innen genreübergreifend präsenter als heute, auch wenn es 50 Jahre nach den Stonewall Riots in Sachen Gleichberechtigung immer noch viel aufzuholen gibt und gilt.

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Keine Frage: Homophobie ist natürlich trotz aller Fortschritte immer noch ein großes Thema. In den späten 1970er und frühen 1980er Jahren war die Lage für queere Künstler*Innen aber noch schwieriger. Die LGBTQ-Community sah sich offener Feindseligkeit gegenüber. Auch in Großbritannien. Dort galten schwule Männer als Feinde des Staates, was sich noch verschärfte, als die HIV/AIDS-Pandemie so richtig ins Rollen kam. Viele Künstler*Innen kokettierten in dieser Zeit zwar mit ihrer Sexualität und ihrem Geschlecht, offen zu ihrer Homosexualität bekannten sich dabei aber dennoch nur die wenigsten. Eine Ausnahme in dieser Zeit: Bronski Beat.

Die frühen Jahre

Bronski Beat gründeten sich im Jahr 1983 in Brixton/London. Jimmy Somerville, Steve Bronski (die beide aus Glasgow stammten) und Larry Steinbachek (aus Southend) bildeten damals eine Wohngemeinschaft. Als Steinbachek Somervilles gesanglichen Beitrag zur Doku „Framed Youth: The Revenge of the Teenage Perverts“ hört, schlug er ihm vor, doch gemeinsam Musik zu machen. Ihren ersten Gig spielte die Band beim Kunstfestival „September in Pink“ und schon früh zeichnete sich ab, dass man sich von zeitgenössischen queeren Künstlern gerne abheben würde. Politischer, meinungsstärker, provokanter wollte die Band sein – und sie war es auch. Nach gerade Mal neun Gigs nahm London Recordings das Trio unter Vertrag.

The Age Of Consent

Schon die erste Single, die Bronski Beat veröffentlichten, wurde ein Hit. „Smalltown Boy“ erzählt die Geschichte eines schwulen, jungen Mannes, der die Enge der konservativen Kleinstadt nicht mehr erträgt und vor der konservativen Feindseligkeit in die Großstadt flüchtet. Im ikonischen Video dazu schlüpft Somerville in die Rolle des Protagonisten, der sich gezwungen sieht, seine Familie zu verlassen, die mit seinem Lebensstil einfach nicht klarkommen will. Der Song erreichte Platz drei der UK-Single-Charts.

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Dass Bronski Beat keine Eintagsfliege waren, bewiesen sie direkt mit der Nachfolge-Single „Why“. Die Hi-NRG-Nummer, ebenfalls durch Somervilles markanten Falsett-Gesang geprägt, verhandelte ebenfalls Vorurteile gegenüber Homosexuellen. Sie knackte immerhin die Top Ten der UK-Single-Charts.

Beide Nummern landeten am Ende auch auf dem Debütalbum der Band. „The Age of Consent“ erschien am 15. Oktober 1984. Der Titel bezog sich dabei auf die Uneinheitlichkeit des „Age of Consents“ im Vereinigten Königreich, das für Heterosexuelle bei 16 lag, für Homosexuelle aber bei 21. Die von Martin Thorn produzierte Platte warf neben den bereits genannten Tracks mit „It Ain’t Necessarily So“ und „I Feel Love (Medley)“ noch zwei weitere Singles ab, wovon letztere nochmal ein größerer Hit wurde. „Age Of Consent“ erreichte am Ende Platz vier der UK-Album-Charts und gilt bis heute als eines der wichtigsten Alben der 1980er Jahre.

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Truthdare Doubledare

Nachdem das Trio noch gemeinsam mit Marc Almond (Soft Cell“) Donna Summers „I Feel Love“ coverte und mit „Run From Love“ (1985) nochmal eine Single veröffentlichte, verließ Jimmy Sommerville die Band. Eine Konsequenz aus den Spannungen innerhalb der Band, die sowohl politischer als auch persönlicher Natur waren. Beim Album „Truthdare Doubledare“, das im Mai 1986 erschien, stand daher John Foster statt Sommerville am Mikro. Wenig überraschend floppte die Platte. Sommerville, der mittlerweile bei The Communards und auch solo sang, war unersetzbar. Darüber täuschte auch der leidliche Erfolg nicht hinweg, den die Band nochmal mit der Nummer „Hit That Perfect Beat“ hatte.

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Rainbow Nation

Kurz darauf war auch für John Foster dann Feierabend bei der Band. Nach seinem Ausstieg 1987 versuchte die Band, mit verschiedenen Sängern, darunter Jonathan Hellyer und Rose McDowall, an alte Erfolge anzuknüpfen. Das Interesse an Bronski Beat war zu diesem Zeitpunkt aber längst erloschen. Hier und da veröffentlichte die Kapelle noch ein paar Singles, für die sich aber niemand weiter interessierte. Foster gab ein kurzes Comeback, bei den Aufnahmen zu „Rainbow Nation“, das 1995 erschien, stand aber doch wieder Hellyer am Mikro. Auch diese Platte floppte, verpasste den Sprung in die Charts. Bronski Beat lösten sich danach offiziell auf.

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Zarte Versuche, die Band noch einmal zusammenzubringen, scheiterten hernach. Auch wenn es vor allem Steve Bronski immer wieder mal versuchte, erschien kein neues Material mehr. In Originalbesetzung wird das Trio auch nie wieder auf der Bühne stehen können. 2016 erlag Larry Steinbachek einem Krebsleiden.

DISCOGRAPHY

1984: The Age of Consent
1986: Truthdare Doubledare
1995: Rainbow Nation

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