Anderson East - Maybe We Never Die (foto: Elektra/Low Country Sound)

Anderson East – Maybe We Never Die

Erscheinungsdatum
August 20, 2021
Label
Elektra / Lower Country Sound
Unsere Wertung
7.5
Anspieltipps
Interstellar Outer Space
Drugs
Maybe We Never Die
Madelyn
7.5
Für den Mut belohnt.
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Weg von der Roots Music, Anderson East greift jetzt nach den Sternen. Auf seinem neuen Album „Maybe We Never Die“ lässt der US-Musiker Nashville Nashville sein und orientiert sich am Mainstream. Dabei nimmt er in Kauf, dass das Erdige etwas verloren geht.

Da soll mal einer sagen, der erste Schuss muss heutzutage sitzen. Bei Anderson East lief alles ein bisschen anders. Drei Alben hatte der Mann bereits veröffentlicht, zwei im Selbstverlag und eines bei einem Major Label, ehe er mit Album Nummer vier endlich Aufmerksamkeit erregte. „Encore“, 2018 erschienen, war sein Durchbruch. Die „New York Times“ feierten den Musiker aus Athens, Alabama hernach als „schillernde Neuauflage des rauen Southern Soul“. Auch der „Rolling Stone“ überschlug sich voll des Lobes. Für die Single „All On My Mind“ wurde East sogar für einen Grammy nominiert.

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Anderson East hätte auf Nummer sicher gehen können, wenn er einfach in diesem Stil weitergemacht hätte. Zwar entschied sich der Gute erneut für eine Zusammenarbeit mit dem Grammy-gekürten Produzenten Dave Cobb sowie seinem langjährigen Bandleader Philip Towns. Dennoch wagt er soundtechnisch einen Hakenschlag. Statt eine Fortsetzung seiner Symbiose von Laurel Canyon und Soul versucht sich Anderson East vor allem an einer Interpretation jenes 1970er und 1980er geschwängerten Retro-Pops, den Mark Ronson und Bruno Mars in den vergangenen Jahren salonfähig gemacht haben. So mischt Anderson East Pop, Funk, Dance Music, Soul und sogar ein paar psychedelische Sounds. Nur manchmal – etwa in „Madelyn“ oder „If You Really Love Me“ – erinnert Anderson East hier noch an seine „Encore“-Zeiten.

Warum „Drugs“ Drogen nicht verherrlicht

Inhaltlich bewegen sich die zwölf neuen Songs zwischen zwei Polen: der Sehnsucht nach Zweisamkeit einerseits und dem Festhalten an der Einsamkeit als Form romantischer Selbstverteidigung andererseits. In diesem Spannungsfeld ist viel möglich. So besingt Anderson East etwa in „Drugs“, eines der Glanzlichter dieser Platte, die Wirklichkeitsflucht mithilfe bewusstseinserweiternder Substanzen. Über den Track verrät er: „Ich glaube, dieser Song war am schwierigsten richtig hinzubekommen, weil er definitiv keine Verherrlichung von Drogen ist. Wenn überhaupt, dann ist es ein abgehärteter Blick auf uns selbst. Ich war mit meinem Kumpel und Co-Autor Aaron Raitiere in L.A.. Wir fuhren herum und wir dachten nur: Was ist hier los? Wo gehen all diese Leute hin? Es ist, als wäre hier jeder auf Drogen. Man fängt einfach an, die Dinge beim Namen zu nennen, was Drogen bedeuten. Nun, ich habe heute Morgen Kaffee getrunken. Manche Leute gehen ins Fitnessstudio. Andere gehen in die Kirche. Und manche Leute sind auf Twitter. Ich würde es nicht als Protestsong bezeichnen, aber es ist wie ein, ‚Sieht noch jemand, was ich gerade sehe?‘ Es geht um unsere Unfähigkeit, uns mit der Realität auseinanderzusetzen.“ 

Der Song zeigt ganz gut, wie Anderson East es versteht, inhaltlich schwere Kost musikalisch leichtfüßig zu vermitteln. Und derlei Themen verleihen der Musik des Mannes mit der rauen Stimme (kommt am besten in „Interstellar Outer Space“ zur Geltung) auch eine gewisse Tiefe. So wird verhindert, dass er in die Falle tappt, die der Flirt mit dem Mainstream gemeinhin bereithält: die der Beliebigkeit.

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