Joey Alexander

Joey Alexander (foto: carol friedman)

Wunderkind. Oder fällt euch ein anderer Begriff zu Joey Alexander ein, der bereits mit 13 sein Debütalbum veröffentlicht? Und dann auch noch im Jazz-Fach?

Der Junge ist und war ein Phänomen. Als er zum sechsten Geburtstag ein Keyboard geschenkt bekommt, setzt er sich hin und spielt darauf Thelonious Monks “Well, You Needn’t”. Einfach so. Aus dem Gedächtnis. Kann man mal so machen.

Am 25. Juni 2003 auf Bali geboren, kommt Joey Alexander früh mit Jazz in Berührung – der Vater war und ist ein großer Fan, täglich lief die Musik von Miles Davis, John Coltrane, Herbie Hancock oder eben Thelonious Monk rauf und runter. Klar, dass Daddy das Talent seines Sohnes fördert, der übrigens nicht nur diesen einen Jazz-Standard aus dem Kopf spielen konnte, sondern noch etliche mehr – immer swingender und schon bald auch mit eigenen Improvisationen dazu.

Die Jazz-Veteranen von Bali und Djakarta holen Joey schon bald zu Jam-Sessions dazu und schon mit 8 Jahren wurde Joey von der Unesco eingeladen, dem durchreisenden Herbie Hancock ein Solo-Ständchen zu geben. „Sie haben damals gesagt, dass sie an mich glauben“, sagt der Eleve seinem Meister später, „und das war der Tag an dem ich beschloss, meine Kindheit dem Jazz zu widmen.“

Schon im Jahr darauf gewinnt der junge Pianist den ersten Preis beim Master-Jam Fest, einem Wettbewerb in der Ukraine mit 200 Teilnehmern aus 17 Ländern – ohne Altersbeschränkung. Er ist gerade mal 10, da trat er auf Jazz-Festivals in Djakarta und Kopenhagen auf. Eine Einladung von Wynton Marsalis führte 2014 zu seinem US-Debüt in der Rose Hall von Jazz at Lincoln Center, wo er das Publikum so sehr begeisterte, dass kurz darauf Einladungen der Jazz Foundation of America für ein Konzert im legendären Apollo Theatre in Harlem und im Arthur Ashe Learning Center in der Gotham Hall folgten.

Überwältigt von der Reaktion und überzeugt vom außergewöhnlichen Talent ihres Sohnes, verkaufen Joeys Eltern das Familienunternehmen in Djakarta und ziehen um nach New York. Der Erfolg kommt, allerdings nicht über Nacht. Konzertpromoter sind zunächst skeptisch, ob ein 11-Jähriger genügend Tickets verkaufen und ein verwöhntes Jazz-Publikum begeistern könnte. Das Blatt wendete sich als George Wein ihn 2015 zum legendären Newport Jazz Festival einlädt, wo Joey auch den letzten Zweifler überzeugt und mit seinem enormen Swing – oft ist da von einer „alten Seele im Jungskörper“ die Rede – zu standing ovations bringt.

Seit 2014 hat Joey Alexander enorm viel gespielt, an seinem Handwerk gearbeitet, gelernt, als Bandleader aufzutreten, sein Repertoire auch bei wiederholter Aufführung „frisch“ zu halten und sich Sidemen zu suchen, die auch als Mitspieler agieren. Im Verlauf dieser Prozesse hat das Joey Alexander Trio in bekannten Venues und bei großen Festivals in und jenseits der USA gespielt, etwa in Tel Aviv, Marciac, Montréal, Abu Dhabi, Singapore, Bern, Prag, Wien, Perugia und in seiner Heimat Indonesien. Das Medieninteresse steigerte sich mit jedem ausverkauften Konzert, mit jedem erfolgreich eroberten Publikum; dafür sprechen auch die Berichte im ZDF, CNN, The New York Times und Auftritte in der Today Show, „60 Minutes“ oder der französischen Talk-Show „Le Petit Journal“.

Sein 2015 erschienenes Debütalbum „My Favorite Things“ (Motéma/ Membran) beschert Joey Alexander gleich zwei Grammy-Nominierungen – für das „Best Jazz Instrumental Album“ und „Best Improvised Solo“ für seine Version von John Coltranes „Giant Steps“. Und obwohl er keinen der beiden Preise gewinnt, sorgt er nicht nur als jüngster je in dieser Kategorie nominierter Musiker für Furore, sondern auch mit seinem Live-Auftritt bei der großen Gala dieser 58. Grammys. Seine energische Solo-Piano-Improvisation begeistert die Promis im Publikum und sorgt für einen noch höheren Bekanntheitsgrad.

Bei all diesem Tamtam seine Musik, sein Können, sein Alter und seine Person ist Joey Alexander ein bescheidener Junge geblieben, der nebenbei auch gerne Tennis und Computerspiele spielt, schwimmt und Filme sieht.

2016 erscheint sein zweites Album „Countdown“ (Motéma/ Membran). Unter den neun Stücken finden sich neue Interpretationen von Jazz-Standards wie „Maiden Voyage“ von Herbie Hancock, „Criss Cross“ von Thelonious Monk oder dem Titelstück von John Coltrane. Neu sind mit „City Light“, „Sunday Waltz“ und „Soul Dreamer“ gleich drei eigene Kompositionen.

Seine Entwicklung als Komponist schreibt Joey den zahlreichen Stunden zu, die er an seinem Instrument übt. „Manchmal, wenn ich übe oder einfach nur irgendetwas vor mich hin spiele, kommen mir neue melodische und rhythmische Ideen in den Sinn und ich merke, dass ich eigentlich gerade einen Song schreibe“, sagt er. „Ich glaube, dass es eng miteinander zusammenhängt, dass ich so komponiere, wie ich es tue, weil ich so viel Musik von Komponisten höre, die ich mag. Für mich ist es tatsächlich schwieriger, Stücke anderer Komponisten zu interpretieren als meine eigenen zu schreiben, denn ich muss ja bei anderen Stücken erst einen Weg finden, wie ich sie mir zu eigen machen kann.“ Wynton Marsalis sagt über Joey: „Es gab meines Wissens noch nie Jemanden, der in diesem Alter schon so spielen konnte. Ich mag alles an seinem Spiel – seinen Rhythmus, sein Selbstbewusstsein, sein Verständnis für die Musik.“

 

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