Harald Glööckler: Pompööse Planspiele

Harald Glööckler (foto: timo benss)

Wohnen, wo andere Urlaub machen – eigentlich eine clevere Idee, fand Harald Glööckler und zog im Sommer kurzerhand von Berlin an die Weinstraße. Sozusagen in die direkte Nachbarschaft der NEON-GHOSTS-Redaktion. In Kirchheim hat sich der Modezar mit seinem Mann Dieter Schroth mittlerweile gut eingelebt, wie er uns verriet, und auch schon einige Ideen entwickelt.

Wenn der Pfälzer nicht von Natur aus selbstbewusst wäre, hätte er wohl beim Konsum einiger Interviews, die mit Modezar Harald Glööckler jüngst geführt wurden, einen seelischen Knacks abbekommen. Von der pulsierenden Hauptstadt in die verschlafene Pfalz? Da meinte man, in den Fragen einiger überregionaler Journalisten nicht nur ehrliche Verwunderung, sondern sogar ein bisschen Ekel herauszuhören. „Ausgerechnet in die Pfalz?“

Ja, ausgerechnet. Und das nicht aus Spleenigkeit oder einer Sektlaune heraus, wie es der eine oder andere Hauptstadtjournalist wohl vermutet haben mag, sondern durchaus mit Bedacht. Glööckler wollte raus aus Berlins Betonschluchten, raus aus dem Trubel und der Hektik der Großstadt – und rein ins Grüne. Gut, dass es dann ausgerechnet (schon wieder dieses Wort) Kirchheim wurde, war dann doch eher Zufall. „Es war nun nicht so, dass ich in Berlin saß und mir dachte, ich möchte nun unbedingt nach Kirchheim ziehen“, sagt Glööckler lächelnd. Eigentlich hatte er sogar eher Südfrankreich im Sinn. Dann sei er aber über das Internet auf die Immobilie an der Weinstraße gestoßen. „Immerhin Ostfrankreich“, sagt Glööckler augenzwinkernd. Es war offenbar Liebe auf den ersten Klick. „Nach solch einem Anwesen hatte ich schon lange gesucht. Es hat Stil, Klasse, Flair. Vorne toskanisch, dazu aber auch viel Barock. Mein absolutes Traumhaus“, schwärmt Glööckler. Wieviel das Anwesen in Quadratmetern misst, wisse er aus dem Stand gar nicht. Es habe jedenfalls zwölf Zimmer und einen parkähnlichen Garten, umgeben von einer großen Hecke. Aus der übrigens wohl auch schon von Glööcklers Sicherheitsleuten der eine oder andere Paparazzi gefischt werden musste. Das Medieninteresse am Umzug des schillernden Promis war riesig.

Seit Sommer wurde hier nun fleißig gewerkelt, Bauarbeiter und Gärtner gaben sich auf dem Anwesen die Klinke in die Hand. Mittlerweile sei alles so gut wie fertig. „Wir haben uns hier ganz gut eingelebt“, sagt Glööckler, dessen Mann Dieter Schroth ganz aus der Nähe kommt. In Kirchheim habe man das Pärchen mit offenen Armen empfangen. Gut, es kommt nicht alle Tage vor, dass Zugezogene direkt mit einer Parade begrüßt werden. Für Harald Glööckler legten sich die Kirchheimer jedoch mächtig ins Zeug – und gestalteten zum Kerwe-Umzug eigens einen Motivwagen mit dem Antlitz des prominenten Neubürgers. „Das war eine witzige Idee“, sagt der 50-Jährige, der das Ganze natürlich mitbekommen hat. Nicht befremdlich, sondern als nette Geste habe er diese Aktion empfunden. Und sie deckt sich mit den Erfahrungen, die er bisher mit den Pfälzern gemacht habe. „Es sind hier sehr offene, freundliche Menschen.“

Das trifft sich gut, denn der Ort wird tatsächlich Glööcklers privater Lebensmittelpunkt. „Das ist hier mein Erstwohnsitz“, stellt er klar. Der Firmensitz hingegen bleibe Berlin. Ob der Tapetenwechsel Einfluss auf seine Arbeit, sein Mode-Design nehmen könnte? Wird aus der Prinzessin, wie die sich jede Frau laut Glööcklers Werbeslogan fühlen sollte, nun eine Winzerin? „Nein, der Umzug wird keinen Einfluss auf das Mode-Design haben. Meine Umgebung spielt in dieser Hinsicht keine Rolle, das tat sie in Berlin schon nicht. Ich schöpfe meine Inspiration, meine Ideen, aus anderen Quellen“, sagt Glööckler.

Glööckler, der gerade eine neue Reisekollektion auf den Markt gebracht hat, wäre aber nicht Glööckler, der findige Businessmann, wenn er in dem Umzug nicht auch eine Chance auf ein neues Geschäft wittern würde. So befinde sich derzeit eine Produktlinie in Planung, die direkt von der neuen Villa inspiriert sei. Das Ganze soll unter dem Label „Château Pompöös“ laufen. Glööckler: „Was genau sich dahinter verbirgt, darf ich jedoch noch nicht verraten.“