My Soundtrack: Ewian

Ewian (foto: nataly zibert)

Auf Ewian sind wir seinerzeit durch einen befreundeten Blog aufmerksam geworden. Seither haben wir das 2013 gegründete Dream-Noise-Projekt des Landauers Ewian Christensen aufmerksam verfolgt. Er schreibt gern Songs, die ins Herz treffen. Post-Rock, sphärischer Shoegaze, Indie-Hooks und Noise-Rock-Elemente finden sich in seiner Mucke wieder. Zuletzt erschien 2015 das Album „We Need Monsters“. In „My Soundtrack“ verrät uns der Gute nun die fünf Songs, die ihm am meisten bedeuten.

 

At The Drive-In – One Armed Scissor

Dieser Song hat sich bis heute tief in mein Gedächtnis eingebrannt. Der Song packte mich mitten in einer Phase juveniler seelischer Zerrissenheit und bildete einen Spiegel für all das, was ich empfand: Wut, Verzweiflung, Kontrollverlust. Ich fühlte mich durch „One Armed Scissor“ verstanden. Angeblich steht der Songtitel für einen fiktiven Charakter, der von den Tourschwierigkeiten der Band erzählt. Ich sah darin eine simple Metapher, die ich auf mich übertrug: eine Schere, ihres Zweckes beraubt, und damit machtlos.

 

JJ72 – Oxygen

Auch dieser Titel hat mich umgehauen. Frontmann Mark Greane ist ein ausgezeichneter Songschreiber, verschwand aber leider zu oft von der Bildfläche. Nach der Auflösung von JJ72 kam Concerto For Constantine, heute arbeitet er am Projekt Kollaps1. Ich fühle mich mit „Oxygen“ verbunden, weil er den brachialen Wechsel zwischen zarten, zerbrechlichen und brachialen, verzerrten Passagen zelebriert. Ich liebe das.

 

The Cooper Temple Clause – Blind Pilots

Ein alter Schulfreund, der seit seiner Jugend bis zum heutigen Tage (in meinen Augen) eine Hassliebe zu Alkohol hegt, empfohl mir die Band und den Song. Schaut man sich das offizielle Video an, scheint das Thema eine Rolle zu spielen. Mag sein, dass es einfach nur um Kontrollverlust geht. Oder um etwas völlig anderes. Die Tatsache, dass er eine tiefere Bedeutung für ihn hatte, macht den Song auch bedeutungsvoll für mich.

 

Radiohead – Paranoid Android

Mein Lieblingssong von Radiohead. Er wurde es zu einem Zeitpunkt, an dem ich mich kaum mit Songtexten auseinandergesetzt habe. Oftmals habe ich einfach nur aus dem Titel eine für mich gültige Geschichte gesponnen und die Lyrics komplett ignoriert. Wie bei „Paranoid Android“. Ich hatte damals ein Faible für Androiden und habe ernsthaft versucht, ein dem Gehirn nachempfundenes neuronales Netz zu programmieren, in der Absicht ein Bewußtsein zu schaffen und es zu einem späteren Zeitpunkt in einen humanoiden Roboter zu integrieren. Natürlich bin ich kläglich gescheitert. Aber immerhin konnte ich erfolgreich einen Schachcomputer programmieren.

 

Exitmusic – Passage

Was soll ich zu diesem Song sagen. Für mich persönlich die Entdeckung der letzten 10 Jahre. Solch eine Perle, dass ich nach dem ersten Hören den Wunsch verspürte niemandem davon zu erzählen, sie unter Verschluss zu halten, als wäre sie wertvoller, je weniger Zugang zu ihr haben. Ich kann dieses Gefühl nicht ganz ablegen, obwohl ich weiß, dass es bescheuert ist. Daher führe ich ihn den Song hier auf, in der Hoffnung mich dadurch davon zu befreien.

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