The Who - The Who By Numbers (foto: Polydor / Universal Music)

The Who – The Who By Numbers

Erscheinungsdatum
Oktober 30, 2026
Label
Polydor / Universal Music
Unsere Wertung
6.5

Wiederhören mit einem The-Who-Klassiker – und dem wohl persönlichsten Album der Briten schlechthin. Zum 50. Geburtstag von „The Who By Numbers“ wird die Platte neu aufgelegt. Gerade die Deluxe-Edition kommt mit fettem Bonus-Material daher.

The Who gehören sicherlich zu den einflussreichsten Rock ’n‘ Roll-Bands aller Zeiten. Sie haben mit ihrem für damalige Verhältnisse aggressiven Sound den Weg zum Heavy Metal und auch zum Punk geebnet. Auch die Gitarrenindustrie hat der Kapelle Konjunkturspitzen zu verdanken, hat diese doch den Trend zur Instrumentenzerstörung auf der Bühne gesetzt und damit wohl lange Zeit für gute Absatzzahlen gesorgt. Aber, Scherz beiseite. Mit Songs wie „My Generation“, „Baba O’Riley“ oder „Won’t Get Fooled Again“ schuf die Band Hymnen für die Ewigkeit. Und mit „Tommy“ machte sie sowohl die Rockoper als auch das Konzeptalbum mit salonfähig.

anzeige

In der kreativen Flaute

„The Who By Numbers“, das siebte Album von The Who, folgte direkt auf „Tommy“. Auf einem kreativen Höhepunkt surfte die Band damals nicht, Pete Townshend litt damals an einer Schreibblockade und tat sich mit dem Songwriting schwer. So heißt es, dass die Band tatsächlich auch jeden einzelnen Song für die Platte aufnahm, den er zustande brachte – und eine Auswahl praktisch gar nicht stattfand.

Vielleicht lag es an der kreativen Flaute, dass die Texte etwas introspektiver waren als man das von The Who seinerzeit gewohnt war. Townshend war 1975 gerade 30 geworden und haderte damit, irgendwie doch kein kompletter Jungspund mehr zu sein. Er hatte Angst, dass der Rock’n’Roll-Train irgendwann ohne ihn und die Band weiterfahren würde. Die Grundstimmung bei der Arbeit: düster. Zum Teil hatte die Band auch überhaupt keinen Drive und benötigte ungewöhnlich lange für die Aufnahmen.

Das sind die Glanzlichter

Trotz all dieser Probleme und Bremsklötze war das Ergebnis dann doch recht annehmbar. Den Opener „Slip Kid“ zählen viele beispielsweise zu den besten The-Who-Songs überhaupt. Eigentlich eine Nummer aus der Schublade (Townshend schrieb sie für die nie realisierte Rockoper „Lifehouse“) und auch kein Charterfolg, fand sie über die Jahre gerade bei Kritikern Anklang. In „Slip Kid“ ging es um die Schattenseiten des Musikgeschäfts, aber auch um Freiheit und Verantwortlichkeit.

„However Much I Booze“ bleibt ebenfalls haften, es ist eine ungeheuer persönliche Nummer, in der Townshend über die Nacht schreibt, in der er das Trinken aufgab. Die fröhliche Melodie führt einen da auf die falsche Fährte, es geht um harten Tobak. Auch Einsamkeit und das schwierige Verhältnis zwischen The-Who-Sänger Roger Daltrey und Townshend spielten hier eine Rolle. Die Nummer war so persönlich, dass Daltrey sich weigerte, sie zu singen.

„Squeeze Box“ ist der einzige Nummer-eins-Hit von The Who, außerhalb des Vereinigten Königreichs. Thanks, Canada! Alleine deswegen historisch wertvoll. Ob’s an der sexuellen Doppeldeutigkeit lag? Oder an den Country-Elementen? Dem gegenüber steht mit „Dreaming from the Waist“ ein Song über sexuelle Frustration – Townshend spielt diesen Song nicht gerne live. Im Gegensatz zum Bandkollegen John Entwistle übrigens, der durchaus Spaß an der Nummer hat.

Das kann die Wiederveröffentlichung

Das Album, im Oktober 175 erschienen, war ein kommerzieller Erfolg und erreichte Platz 8 der US-Billboard-Charts sowie Platz 7 in Großbritannien, was auch teilweise mit dem erwähnten „Squeeze Box“ zusammenhing.

50 Jahre wird „The Who By Numbers“ nun als Super-Deluxe-Edition-Box mit 5 CDs plus einer Blu-ray neu aufgelegt. Diese enthält auch ein 100-seitiges Hardcover-Buch mit Fotos, Erinnerungsstücken und exklusiven Anmerkungen von Pete Townshend und dem Who-Experten Andy Neill. Weiterhin bietet die Box 92 unveröffentlichte Songs und Mixe, neue Atmos- 5.1- und Stereo-Mixe von Pete Townshend, elf von Petes Original-Demos für das Album, Aufnahmesessions aus den Ramport- und Shepperton-Studios, frühe Mixe, Guide-Vocals, die bislang umfassendste Version von „Live At Vetch Field, Swansea, Wales, 12. Juni 1976“ sowie auf der Blu-ray Audio- und Videomaterial von einem bisher unveröffentlichten Who-Konzert, das auf 2-Zoll-Videoband im Metropolitan Stadium in Pontiac, Michigan, aufgenommen wurde.

Rekord aufgestellt

Die Show von The Who in Pontiac, Michigan, am 6. Dezember 1975 stellte mit 76.896 Zuschauern den damaligen Rekord für die höchste Besucherzahl bei einem Rockkonzert in einer Halle auf.  Die professionell mit remasterten Ton aufbereitete komplette Show ist aus den Archiven von The Who. Sie gilt heute als eine der wenigen erhaltenen visuellen Aufzeichnungen dieser unvergesslichen Who-Tournee – ihrer letzten mit dem unbändigen Keith Moon.

Sechs Monate später spielten The Who unter dem Motto „Who Put The Boot In“ in drei britischen Fußballstadien. Das erste davon, im „The Valley“, der Heimspielstätte von Charlton Athletic, wurde vom Guinness-Buch der Rekorde als das lauteste Rockkonzert der Welt anerkannt. Die dritte Show im „Vetch Field“ des Swansea FC wurde für ein geplantes Live-Album aufgenommen, und im Laufe der Jahre sind Songs aus dem Swansea-Konzert auf offiziellen Veröffentlichungen von The Who erschienen. Nun wurden die verfügbaren Original-Mix-Bänder remastert und in ihre ursprüngliche Reihenfolge zurückversetzt. Die Show war Keith Moons letzter richtiger Auftritt vor britischem Publikum und präsentiert die Intensität, die The Who im Laufe der einjährigen Tournee erreicht hatten.

Anspieltipps
Slip Kid
However Much I Booze
Squeeze Box
Dreaming From The Waist
6.5
Unterschätzt.
Hier kaufen

anzeige

Zeen is a next generation WordPress theme. It’s powerful, beautifully designed and comes with everything you need to engage your visitors and increase conversions.

Zeen Subscribe
A customizable subscription slide-in box to promote your newsletter
[mc4wp_form id="314"]
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner