Sie bleiben umtriebig. The Haunted Youth haben gerade den Löwenanteil ihrer UK- und EU-Tour – mit ausverkauften Konzerten in London, Paris, Hamburg, Köln und Amsterdam – hinter sich gebracht, da stehen die Belgier schon mit einem neuen Album in den Startlöchern. „Boys Cry Too“ ist soeben über Play It Again Sam erschienen.
Eigentlich begannen The Haunted Youth 2019 als Soloprojekt des Belgiers Joachim Liebens. Schnell war klar, wohin die Reise gehen würde, und zwar in Richtung Shoegaze, Indie-Rock, Psych Pop, New Wave und Dream Pop. 2021 kam die Debütsingle „Teen Rebel“ auf den Markt, 2022 folgte dann mit „Dawn of the Freak“ das Debütalbum. Aus dem Solo- war da schon längst ein echtes Band-Ding geworden, nachdem Hanne Smets (Keyboard), Nick Caers (Drums), Stef Castro (Bass) und Tom Stokx (Gitarre) zum Projekt stießen.
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Das neue Material der Band kommt weitaus dynamischer als ihr Debütalbum daher, das Album als Ganzes ist oft von Qual und Aggression geprägt. Frontmann Joachim Liebens: „Bei ‚Dawn Of The Freak‘ war ich noch ein Kind. Für mich klingt das fast wie Kinderlieder – alles ist so zerbrechlich und kindlich, wie der Ruf nach Aufmerksamkeit.“ Er fügt augenzwinkernd hinzu: „Und jetzt bin ich voller aufgestauter Wut und trete Türen ein.“
Was also quasi nun nach Pubertät nach überstandener Kindheit klingt, ist in Wahrheit natürlich deeper. Das neue Album setzt auf einen raueren Sound, der zerbrechliche Melodien mit Verzerrung und Aggression verbindet, um einen Klang zu schaffen, der sich zugleich intim und explosiv anfühlt. Es ist ein breites emotionales Spektrum, das sich in einer veränderten Instrumentierung auf „Boys Cry Too“ widerspiegelt, wobei Live-Schlagzeug und Gitarre stärker in den Vordergrund rücken als die Schichten Synthesizer, die „Dawn Of The Freak“ geprägt haben.
Überraschend: Hip-Hop als Einfluss
Klar, das Vergleich mit The Cure und Konsorten bei dem Sound und Vibe nicht ausbleiben. Doch trotz der Gitarrengewitter erzählt Liebens, dass er während der Entstehung des Albums hauptsächlich Hip-Hop-Künstler gehört habe, wobei er den Emo-Rapper Lil Peep als wichtigen Einfluss nennt, als er seine eigenen lyrischen Ausdrucksmittel entwickelte: „Die Texte in vielen Musikrichtungen abseits des Hip-Hop versuchen oft, eine Auflösung zu bieten; doch es ist weitaus wirkungsvoller, Zeilen zu haben, die die Menschen sofort ansprechen“, merkt Liebens an.
Ihm war wichtig in seinen Texten Raum zu lassen, damit die Zuhörer ihre eigenen Erfahrungen in die Songs einbringen können. „Boys Cry Too“ mag zwar aus seinem eigenen Schmerz entstanden sein, doch er möchte, dass es auch im Leben anderer Menschen Widerhall findet.
Die Highlights
Zu den Glanzlichtern der überaus eindringlichen Platte gehört zum einen „Wake Up“, das von der Reue nach einer durchzechten Nacht erzählt. „Castlevania“ verströmt My-Bloody-Valentine-Atmosphäre. Der Goth-Grunge-Song „Murder Me“, das instrumentale Epos „Falling to Pieces“ oder das selbstzerstörerische Brüllen in der ersten Single „deathwish“ bleiben ebenfalls haften. Einen optimistischen Ausreißer hat es im New-Order-ähnlichen „I Hear Voices“ – auch das steht der Band gut zu Gesicht.
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