Strand of Oaks - Eraserland (foto: dead oceans)

Strand of Oaks – Eraserland

Erscheinungsdatum
März 22, 2019
Label
Dead Oceans/Cargo
Unsere Wertung
7
Anspieltipps
Weird Ways
Moon Landing
Ruby
7
Erfreulich vital.
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Timothy Showalter – aka Strand of Oaks  – hat heute sein sechstes Album „Eraserland“ via Dead Oceans veröffentlicht. 

Es mag wie das gängige Klischee des leidenden Künstlers klingen, aber der Schriftsteller und Produzent Timothy Showalter hat schon immer aus seinen eigenen Befindlichkeiten die Inspiration für seine Musik gezogen. Aus den Höhen und Tiefen der eigenen Biografie. Und so war Musik auch immer eine Art Therapie für den Mann aus Indiana, der mittlerweile in Philadelphia lebt. So richtig lange hat die therapeutische Wirkung dann aber doch nie angehalten. Showalter hatte in den vergangenen Jahren mit Depressionen zu kämpfen. Nach seinem bis dato letzten Album „Hard Love“ (2017) sei er völlig ausgelaugt und leer gewesen, heißt es im Waschzettel zum Album. Es ging ihm so schlecht, dass er überzeugt war, nie wieder Lieder schreiben zu können. Der besorgte Showalter beschloss, eine spirituelle Pilgerreise zu unternehmen – zur Küste von Jersey.

Zur gleichen Zeit hatten die Mitglieder von My Morning Jacket, alles gute Freunde von Showalter, von seinem Zustand erfahren woraufhin sie beschlossen, ihrem Kumpel zu helfen. Gitarrist Carl Broemel schickte Showalter eine Nachricht und informierte ihn, dass Bo Koster bald eine zweiwöchige Pause von seiner Tour mit Roger Waters einlegen würde und sie dann allesamt frei sein würden. Er schlug ein Treffen in Louisville vor, um gemeinsam die nächste Strand-of-Oaks-Platte aufzunehmen. Ein Angebot, das für Timothy Showalter zur rechten Zeit kam. Er verbrachte die kommenden Wochen am Strand von Jersey und unterzog sich einem radikalen mentalen Abriss – bis auf die Knochen.

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Jeder Song wurde live aufgenommen

„When I was writing these songs, every day I would walk on the beach and I was completely alone and overwhelmed by fear…but then I realized how there really aren’t any rules for who you are, who you’ll become, or who you think you need to be. „Eraserland” is just that. It’s death to ego, and rebirth to anything or anyone you want to be“, sagt Showalter. Im April ging er ins Studio, um mit Kevin Ratterman aufzunehmen. Jason Isbell steuerte sein Hendrix-ähnliches Gitarrenwerk bei, während die Sängerin und Songwriterin Emma Ruth Rundle Gesang-Parts übernahm. Jeder Song wurde live aufgenommen, wobei alle Musiker in einem Raum zusammenspielten und daran arbeiteten, die Ideen von Showalter zur Entfaltung zu bringen.

Das Ergebnis liegt nun vor: „Eraserland“, eine spannende Sammlung von zehn Songs, die viel von der Zerrissenheit, viel von dieser emotionalen Schieflage Showalters transportieren, aber doch nicht so depressiv klingen, wie man nach dieser Einleitung erwarten würde. Immer wieder schimmert das Licht der Hoffnung durch, immer wieder kann man hier einem Mann zuhören, der das Ruder rumreißen will. Besonders deutlich wird das im Opener „Weird Ways“, der schwer melancholisch, ja, geradezu abgründig beginnt („I don’t feel it anymore“), sich dann aber zur großen Rock-Hymne aufbaut.

Showalter channelt U2

Nicht die einzige Perle auf der Platte. Beim „Hyperspace Blues“ etwa werden Erinnerungen an die Flaming Lips wach. „Moon Landing“ bleibt vor allem wegen des fantastischen Gitarren-Parts im Gedächtnis. Hier leistet Isbell ganze Arbeit. Und auch die Power-Pop-Nummer „Ruby“, die als Single veröffentlicht wurde, weiß zu überzeugen. Zwar sinniert Showalter hier über das unaufhaltsame Fortschreiten der Zeit, dennoch hat der Song einen überraschend optimistischen Ton. Showalter klingt hier ein bisschen wie U2 zu ihren besten Zeiten.

Keine Frage: „Eraserland“ ist ein Album wie ein Befreiungsschlag. Man kann froh sein, dass Showalter ihn gelandet hat.

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