Stephen King - Später (foto: heyne verlag)

Stephen King – Später

Erscheinungsdatum
März 15, 2021
Verlag
Heyne
Unsere Wertung
6.5
6.5
Solide.
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Sucht, düstere Familien-Geheimnisse – Horror-Altmeister Stephen King bedient sich in seinem neuen Roman „Später“ wieder an Motiven, die in seinem Werk vermehrt auftauchen. Und auch ein bisschen „The Sixth Sense“ mischt sich in die Story: Klein-Jamie kann tote Menschen sehen.

Auf den ersten Blick wirkt Jamie Conklin wie ein ganz normaler neunjährige Junge. Aber der Gute hat eine außergewöhnliche Begabung: Er kann tote Menschen sehen. Und sie können ihn auch sehen. Sie können sogar mit ihm sprechen und müssen dabei immer die Wahrheit sagen. Irgendwann zahlt sich das gruselige Talent für Jamie buchstäblich in barer Münze aus. Denn als der erfolgreiche Autor Regis Thomas stirbt, ist Jamie in der Lage, mit seiner Mutter, einer Literaturagentin, und dem Geist des Toten den letzten, bis dato unvollendeten Thomas-Roman fertigzustellen. Klar, dass sich das Blatt für Jamie aber irgendwann wendet. Sein Talent droht ihm zum Verhängnis zu werden. Denn Polizistin Liz, die Freundin seiner Mutter, spannt ihn bald für ihre Zwecke ein. Und die sind nicht immer edel. Liz ist in Drogengeschäfte verstrickt …

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Mit „Später“ legt King, der sich in den vergangenen Jahren auch in anderen Genres versuchte, wieder einen klassischen Horror-Roman vor. Dass der Autor hier von M. Night Shyamalans Horror-Thriller „The Sixth Sense“ aus dem Jahr 1999 inspiriert wurde, ist offensichtlich. Jamie selbst nimmt in dem Buch auf den Film Bezug. Abgesehen von dieser Prämisse haben Kings Buch und Shyamalans Film aber nichts miteinander zu tun. King schnappt sich den Ball und dribbelt in eine andere Richtung los.

Der Altmeister und seine Lieblingsmotive

Der Autor bedient sich hier wieder an einigen seiner Lieblingsmotiven. Kinder, die entweder übersinnliche Fähigkeiten haben, oder sich mit dem Übernatürlichen herumschlagen müssen, tauchen in seinem Werk in schöner Regelmäßigkeit auf. Man denke nur an „Es“ (hier gibt es sogar eindeutige Referenzen in „Später“) oder „Shining“. Mit Vorliebe lotet King das Verhältnis zwischen Kindern und Erwachsenen aus. Und dann ist da natürlich das wiederkehrende Thema „Sucht“, auch so ein roter Faden in Kings Werk. Der Autor hatte in der Vergangenheit ja selbst immer wieder mit Drogen- und Alkohol-Problemen zu kämpfen. „Wenn ich die Wahl hätte, entweder tote Menschen zu sehen (…), oder durch den Geruch von verschüttetem Wein an gewisse Dinge erinnert zu werden, würde ich die Toten wählen. An jedem verfluchten Tag der Woche“, gibt Jamie in dem Roman zu Protokoll.

Was die reine Geschichte, den reinen Plot angeht, ist „Später“ für King eine routinierte Fingerübung. Nicht besonders originell, nicht besonders brillant, aber unterhaltsam und spannend. Interessanter als die eigentliche Story ist hier mal wieder Kings Auseinandersetzung mit dem Politischen. Dem Gesellschaftlichen. Zuletzt hatte der Mann sich ja an Trump abgearbeitet. Diesmal ist es die Immobilienkrise, die Übergangsphase von Bush zu Obama, mit der er sich beschäftigt. Der Mainstream-Literaturbetrieb bekommt hier überdies ebenso sein Fett weg wie die US-amerikanischen Gesetzeshüter. Mit Liz gibt hier ein Cop den Bösewicht; King spiegelt an ihr Themen wie Racial Profiling, Polizeigewalt und Korruption.

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