PJ Harvey - Let England Shake (foto: universal music)

PJ Harvey – Let England Shake/Let England Shake: Demos

Erscheinungsdatum
Januar 28, 2022
Label
Universal Music
Unsere Wertung
9

Und weiter geht’s: Auch „Let England Shake“, das achte Studioalbum von PJ Harvey, erfährt eine Wiederveröffentlichung auf Vinyl. Wie auch schon zuletzt bei den Vorgängeralben wird diese von einer „Demos“-Version flankiert.

Wenn es bei PJ Harvey so etwas wie eine Konstante gibt, dann ist es ihre Unberechenbarkeit. Man kann sich im Grunde immer darauf verlassen, dass ein Album nicht so klingt wie das vorherige. So war es 2011 natürlich nicht überraschend, dass das achte Studioalbum der britischen Singer-Songwriterin ganz anders war als das siebte („White Chalk“). Und obwohl man ja darauf gefasst ist, das Unerwartete zu erwarten, verschlug „Let England Shake“ vielen damals dann doch die Sprache.

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Das liegt zum einen daran, dass die gute Polly Jean plötzlich den Blick nach außen richtete. Harvey machte sich damals Sorgen um England und goß diese in musikalische Form. Aus heutiger Sicht natürlich völlig berechtigt. „England’s dancing days are done“, lamentierte Harvey im Titelsong und nahm damit die Entwicklung vorweg, die ihr Heimatland in den folgenden Jahren noch nehmen würde. Eine Entwicklung, die unter anderem im Brexit gipfelte und ein tief gespaltenes Land hinterließ. Mit dem Wissen von 2022 lässt sich das Album wie eine leidenschaftliche Warnung lesen, man kann den Schmerz, die Wut, die Angst der Künstlerin förmlich spüren.

Raum zur Improvisation

Harvey nahm „Let England Shake“ seinerzeit in einer Kirche im südwestenglischen Dorset auf, innerhalb nur weniger Wochen und das zum Großteil live. Die Musikerin ließ ihren Kollegen dabei die Möglichkeit zur Improvisation. Auch das: eine völlig neue Herangehensweise für Polly Jean, die sonst gerne en detail plant, wie etwas klingen soll und wie die Instrumentierung aussehen soll. Stichwort Instrumentierung. Das Klavier, das auf „White Chalk“ noch den Ton angab, ist hier weitgehend verschwunden. Dafür greift Harvey erstmals auf Saxofon-Klänge zurück und eine unheilvoll klingende Autoharp, die immer mal wieder auftaucht, ist auch mit von der Partie. Ansonsten ist die Gitarre das dominierende Element.

Zu den Glanzlichtern der Platte gehören sicherlich die Single „The Glorious Land“, auf der sich Harvey mit Militarismus und dem damals andauernden Afghanistankrieg auseinandersetzt. Textzeilen, die unter die Haut gehen. Auch das starke „The Words That Maketh Murder“ hat Kriege generell und Afghanistan im Speziellen zum Thema. Harvey rechnet hier mit einer versagenden Diplomatie ab. Fun fact: Harvey baut hier im Refrain auf eine Textzeile aus Eddie Cochrans „Summertime Blues“ auf, holte sich dafür auch eigens die Erlaubnis ein. „What If I take my problem to the United Nations“?

Auch elf Jahre nach dem Release hat „Let England Shake“ nichts von seiner Relevanz eingebüsst, leider auch nichts von seiner Aktualität. Und während einen diese Erkenntnis doch ein bisschen runterziehen mag, kann man sich damit trösten, hier eine PJ Harvey auf einem der Höhepunkte ihrer Schaffenskraft zu erleben.

Anspieltipps
The Words That Maketh Murder
The Glorious Land
The Living Rose
All And Everyone
9
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