My Soundtrack: Liza Ohm (Liza & Kay)

Liza & Kay (foto: mirja petersen)

Es ist vor allem diese gewisse Leichtigkeit, die den Folk-Pop von Liza&Kay auszeichnet. Diese spürbare, sich auf den Hörer übertragende Unbeschwertheit. Überzeugen kann man sich davon gut und gerne auf dem Album “Mit der Aussicht Einsicht”, das das Hamburger Duo in diesem Jahr via Kühlschrank Records (dem bandeigenen Label) vorgelegt hat. Ob diese Leichtigkeit, diese Unbeschwertheit auch jene fünf Songs durchzieht, die Sängerin Liza Ohm für diese “My Soundtrack”-Ausgabe ausgewählt hat? 

 

Wir Sind Helden – Du Erkennst Mich Nicht Wieder 

Puh. “Wir sind Helden”. Puh. Wie sehr ich mich gefreut habe, wie verwundert ich war, wie entzückt überrascht, dass es ein Mensch mit so einem Kopf ins Radio schafft. Dass sowas Eigenwilliges, sowas Schönes, Kunstvolles die Menschen erreicht. Ich war tief bewegt und ihre Texte haben mich darin bestärkt, dass da auch Platz für mich und meine Gedanken sein muss.

Ich habe “Du erkennst mich nicht wieder” gewählt, weil es mich so wunderbar an alte Schulbandzeiten erinnert. Wir haben im Proberaum das Licht ausgemacht, die Augen geschlossen und dieses Lied gespielt. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich nur daran denke.

 

Buffy the Vampire Slayer Musical – “Under Your Spell” 

Ich habe immer nur mit meiner Schwester oder mit meiner besten Freundin zusammen gesungen. Nie alleine. “Under Your Spell” haben wir damals in unser Musical “Konrad” eingebaut (in dem Stück habe ich übrigens eine gemeine Oberzicke gespielt) und ich habe es damals – natürlich – mit einer Freundin zusammen gesungen aber zum ersten Mal auf einer “richtigen” Bühne. Zum ersten Mal durch ein Mikrofon. Auf einmal wurde ich wahrgenommen als ein Mädchen mit einer Stimme. Das war der Startschuss für meinen Weg Hand in Hand mit Musik.

 

Saturday Looks Good To Me   – “Apple”  

Kennt ihr noch Myspace? Ich war myspace-süchtig! Ich habe es damals genutzt um Leute aus aller Welt kennenzulernen. Das eigene Profil war ein Heiligtum und das Profillied eigentlich sowas Intimes und trotzdem ja für jeden hörbar. “Apple” war lange eben dieser Profilsong. Ich liebe, liebe dieses Lied! Es ist so schön schräg, so anders, so tragisch und komisch, ehrlich, poetisch und witzig. Es hat Ecken und Kanten. Ich dachte damals, dass dieser Song mein Innenleben ganz gut beschreibt. Das Lied kenne ich übrigens durch meine Mutter. Sie hat eine vortreffliche Musiksammlung, die immer und immer größer wird. Alles ausgewählt mit einer Wahnsinnsliebe, Leidenschaft und Neugier für die Musik.

 

Fiona Apple – “O’Sailor”

Fiona Apple war jahrelang meine Begleiterin durch den Herbst. Wirklich jedes Jahr wieder. Mit ihr war jeder Herbst schön. Diese Stimme, diese tiefen, schmerzenden Gefühle. So zerbrechlich und stark. Ihre Alben “Tidal” und “Extraordinary Machine” haben mich an andere Orte getragen und mich zugleich ganz nah zu mir selbst gebracht. Mit ihrer Hilfe konnte ich viele ungemütliche Gefühle fühlen, angucken und, ja, irgendwie behandeln.

 

The Beatles – “Here Comes the Sun”

Ich habe damals überlegt ein Regiestudium zu machen und daher ein Praktikum an einem Theater gemacht. Es waren zwei schreckliche Monate. Die Stimmung war mies, alle überspannt und der Regisseur hat sich 0,000 für mich interessiert. Unter diesem Regisseur hat der Regieassistent so sehr gelitten, dass er sich nach einer Woche hat krankschreiben lassen und ich somit seinen Posten übernehmen musste.  Ich durfte Kaffee kochen, Wasser holen und den Kopierer nutzen. Keiner hat mit mir gesprochen. Das einzig wirklich Gute an der ganzen Sache war, dass das Stück, das ich betreuen durfte, sich um die Musik von “Abbey Road” drehte. Ich habe in dieser Zeit die Beatles wahrgenommen und lieben gelernt.

…na gut! So ganz schwarzweiß war es nun auch nicht. Neben der Musik gab es noch einen weiteren Lichtpunkt in diesem Praktikumsleiden: Einer der Schauspieler war sehr nett und sehr weise. Er hat mir damals Folgendes mit auf den Weg gegeben: “Vielleicht bist du schon längst bereit und es hat dich bisher nur noch niemand gefragt.” Er hat das Lied “Here comes the Sun” gesungen und was soll ich sagen? Er hat es gelebt.

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