Michael Ehnert - Hamburg, Wache 16 (foto: Junius Verlag)

Michael Ehnert – Hamburg, Wache 16

Erscheinungsdatum
April 7, 2026
Verlag
Junius Verlag
Unsere Wertung
7.5

Zwischen Rot- und Blaulicht: Michael Ehnert zeichnet in „Hamburg, Wache 16“ ein kompromissloses Porträt der Nordmetropole in den 1970er Jahren. Der Kiez-Roman ist soeben im Junius-Verlag erschienen.

In den Siebziger Jahren war Hamburg ein heißes Pflaster. Auf dem Kiez haben die Rockerbanden und Zuhälter ihre Probleme gerne mal mit Gewalt gelöst. Und genau inmitten dieses rauen Jahrzehnts hat der Polizistensohn Michael Ehnert seinen Roman angesetzt.

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Wir schreiben das Jahr 1976. Der 23-jährige Jens-Uwe, der von allen nur Polle gerufen wird, wird gegen seinen Willen an die härteste Polizeiwache des Landes versetzt: die 16 in Hamburg St.-Pauli. Was ihm hier im Einsatz begegnet, geht oft weit über die Grenze des Erträglichen hinaus: Verwahrlosung, Gewaltverbrechen, Missbrauch, Menschenhandel. Die in der Polizeischule erlernten Einsatzregeln erweisen sich auf dem Kiez als nahezu unbrauchbar, und die alteingesessenen 16er haben sich längst einen ganz eigenen Moralkompass geschaffen.

Zum Mentor wird Polle der erfahrene Straßenbulle Werner, der wie ein alter Westernsheriff ausschließlich nach seinen eigenen Regeln entscheidet. Und gleichzeitig hat der Leitwolf der 16er alles, was Polle sich wünscht: eine attraktive Ehefrau, zwei Kinder, ein eigenes Haus und nicht nur drei Sterne auf dem Diensthemd, sondern den uneingeschränkten Respekt der Straße. Während um ihn herum der Krieg zwischen Zuhältern und Hells Angels eskaliert, muss Polle sich am Ende zwischen zwei Familien entscheiden: der eigenen und der Bullenfamilie.

Geschichten aus erster Hand

Keine Frage: „Hamburg, Wache 16“ ist ein groß angelegtes, vielgestaltiges Zeit- und Sittengemälde der 1970er Jahre auf dem Hamburger Kiez. Einer Zeit, in der die Polizei auch durchaus mal zulangte und Regeln brach. Dass Ehnert so realistisch und intensiv beschreiben kann, liegt daran, dass sein Vater tatsächlich Polizist auf besagter Wache war, die damals an der Budapester Straße lag. Zwar ist er 1990 verstorben, doch standen wohl seine Kollegen Michael Ehnert Rede und Antwort und lieferten ihm sozusagen Geschichten aus erster Hand. Auch Sexarbeiterinnen, Journalisten und weitere Zeitzeugen hat Ehnert befragt, wie er der „Welt“ im Interview verriet.

Auch über die versteckten Wahrheiten hinaus ist die Geschichte, die Ehnert erzählt, von der ersten Sekunde an packend. Die verwendete Sprache ist dabei durchaus manchmal aneckend, oft den hart, den damaligen Geist der Zeit trifft sie. Manchen heutigen Leser mag sie manchmal irritieren.

Lesezeichen

Michael Ehnert, „Hamburg, Wache 16“. Junius Verlag 2026, 288 Seiten, 18 Euro.

7.5
Unterhaltsam.
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