Live: Morcheeba in Heidelberg

Morcheeba (foto: nicol vizioli)

Morcheeba haben am Samstagabend in Heidelberg nicht nur ihr neues Album “Blaze Away” vorgestellt, sondern bewiesen, dass die legendäre Trip-Hop-Band auch als Duo funktioniert.

Mit Morcheeba ist das ja so eine Sache. Irgendwie wird die 1995 gegründete Londoner Band ja schon immer schwer unterschätzt. Massive Attack, Portishead, Tricky – das sind die Namen, an die man gemeinhin zuerst denkt, wenn es um Trip-Hop geht. Dabei waren die Godfrey-Brüder (Paul und Ross) sowie Sängerin Skye Edwards mit ihrem hypnotischen Melting-Pot-Sound maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass das Genre in den Neunziger Jahren seinen Siegeszug antrat.

Warum die Band nie den höchsten Gipfel erklomm? Vielleicht war es der von Puristen nie verziehene Flirt mit dem Mainstream, der den größten Hit der Gruppe gebar (“Rome Wasn’t Built In A Day”). Vielleicht waren es die Querelen zu Beginn des Jahrtausends: Die Godfreys trennten sich 2003 ziemlich unschön von Frontfrau Skye und machten sieben Jahre lang mit wechselnden Sängern und Sängerinnen weiter, ehe es 2010 zur Reunion kam. Die Reibereien ziehen sich ja bis in die heutige Zeit. DJ Paul Godfrey hat die Band nach dem Album “Head Up High” (2013) verlassen, weil er sich mit seinem Bruder sowohl privat als auch musikalisch nicht mehr verstand. Skye und Ross durften eine Weile den Namen “Morcheeba” nicht mehr nutzen und mussten ihr Album 2016 als “Skye I Ross” veröffentlichen. Erst “Blaze Away” erschien 2018 wieder unter dem Morcheeba-Banner.

Egal. Morcheeba funktionieren auch als Duo, das hat das jüngste Album bewiesen. Und auch live hat es die Band immer noch drauf. Skye Edwards’ honigsüße Stimme strahlt wie eh und je, die Frau hat ein Charisma, dem man sich nur schwer entziehen kann. Ihrer Stimme zu lauschen, bedeutet für den Hörer pure Entspannung. Und wenn Gitarrist Ross Godfrey in die Saiten greift, vergisst man nur zu gerne alles um sich herum.

Auf der Setlist stehen an diesem Abend in Heidelberg vor allem die älteren Hits, klar, “Parts Of The Process”, “Trigger Hippie”, “The Sea”, “Otherwise”, “Let Me See”, “Blindfold” – alles Must Haves. Dazu mit David Bowies “Let’s Dance” ein Cover, das live bei Morcheeba ebenfalls schon Tradition hat. Songs aus “Head Up High” fehlen völlig (schade), vom neuen Album haben es immerhin drei Songs ins Programm geschafft: “Never Undo” darf den Opener geben, das optimistische “Blaze Away” geht live ebenfalls klar. Besonders stark: das gefühlige “Sweet L.A.”, das sich auf der Bühne fast besser als auf Platte anhört. Die Nummer ersetzt überraschend das eh zu poppige “It’s Summertime”, das die Band bei vorherigen Konzerten auf dieser Tour stets gespielt hat.

Zum Finale: “Rome Wasn’t Built In A Day”, klar, das hat Tradition. Dazu ein ausgelassener Fan auf der Bühne. Danach: Großer Applaus – und das völlig verdient.

Übrigens: Die Band hat am Freitag eine neue Single herausgebracht. Und die könnt ihr euch natürlich gleich hier reinziehen:

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