Besser spät als nie: Mit „Electric Love“ legt Brother Wallace sein Debütalbum vor. Eine Platte, die den Sänger, Pianisten und Soul-Revivalisten endlich auch über die Grenzen seiner Heimat-Kleinstadt bekannt machen dürfte.
Man sagt, für ihr erstes Album haben Künstler ihr ganzes Leben lang Zeit. Im Falle von Christopher Wallace aka Brother Wallace kommt das fast schon hin. Aufgewachsen in einer kleinen ländlichen Stadt im US-Bundesstaat Georgia namens West Point, in der die Kirche sowohl Gemeinschaft als auch Klassenzimmer war, begann Wallace früh zu singen und mit sechs Jahren eine formelle Klavierausbildung. Mit 14 leitete er einen 100-köpfigen Chor – nicht aus Ehrgeiz, sondern aus Instinkt. Musik war für ihn kein Nebenfach, sondern Teil seiner Identität. Dennoch verlief sein Weg nicht wie der typische Karriereweg in dieser Branche. Wallace baute sich ein Leben an der Schnittstelle von Kunst und Dienstleistung auf, wurde Musiklehrer und formte Tag für Tag junge Stimmen.
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Irgendwann wagte er sich dann auch performativ aus der Kleinstadt heraus, trat unter anderem mit Gospel-Legende Kirk Franklin im Madison Square Garden auf. Eine eigene Musiker-Karriere schien aber nie wirklich eine Option. Bis Wallace Dan Taylor, dem Gitarristen von The Heavy, begegnete. Der war von der Arbeit von Wallace so angetan, dass er beschloss, mit dem Musiklehrer gemeinsame Sache zu machen und ein Album in Angriff zu nehmen.
So muss Soul klingen
Das Ergebnis dieser Kollaboration liegt nun mit „Electric Love“ vor. Aufgenommen in den Real World Studios (dem legendären Studio, das von Peter Gabriel gegründet wurde) und produziert/mitgeschrieben von Dan Taylor, fängt das Album in starken 15 Songs die atemlose Unmittelbarkeit von Wallaces Auftritten ein. So, genau so, muss Soul-Musik klingen.
Schon der Opener „Who’s That“ mit seinen schleppenden Drums und den famosen Bläsern verströmt feinste Motown-Vibes. „You’re the Man“ kommt eine Ecke bluesiger daher. Im Titelsong „Electric Love“ singt Brother Wallace nicht nur über Freude – er kämpft dafür. Der Song wirkt wie ein Sonnenstrahl, der durch eine Gewitterwolke bricht: Stax-and-Satin-Soul, pianogetrieben und voller Schwung, genau richtig für den Moment, in dem man beschließt, sich von der Welt nicht verhärten zu lassen. „Es geht darum, sich für Verbundenheit zu entscheiden“, sagt Wallace. „Diese Strömung wiederzufinden – das, was dich daran erinnert, dass du lebst.“
Und sonst? Zum introvertierten „Gone with the Wind“ lässt es sich wunderbar chillen, ebenso wie zu „No God in this Town“. „Hope of Fools“ ist ein wunderbares Statement für die Demokratie. „Who Do You Love?“ ist derweil gleichermaßen Einladung und Abrechnung. Getragen von Wallaces unverkennbarer Stimme und einem treibenden Rhythmus, reitet der Track auf einem mitreißenden, tanzbaren Groove, der sich sowohl klassisch als auch unmittelbar anfühlt.
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