Bosstime: Thomas Heinen. (foto: band)

Bosstime-Sänger Thomas Heinen: „Ich singe nicht für Arschlöcher“

Bosstime gehören hierzulande zu den populärsten Springsteen-Tribute-Bands überhaupt. Allerdings sollte man nicht erwarten, einen Boss-Klon auf der Bühne zu erleben. Frontmann Thomas Heinen (51) will auch keine Kopie sein. Der Kölner Vollblutmusiker weiß: Der Boss ist nun mal einzigartig. Ein Gespräch.

In Zeiten wie diesen, in denen der politische Wettbewerb weniger durch Argumente als vielmehr durch Lautstärke ausgetragen wird, ist die deutsche Musikszene erstaunlich leise. Es gibt nur wenige Künstler, die sich trauen,  auch mal Haltung zu zeigen und dabei keine Angst haben, Teile ihres Publikums zu verprellen. Thomas Heinen gehört zu dieser Sorte. „Ich bin da einfach Rheinländer, ich kann nicht den Schnabel halten, wenn ich Ungerechtigkeiten bemerke“, sagt der Sänger und Gitarrist, der immer wieder für Werte wie Toleranz und Weltoffenheit einsteht. Sein Credo: Leben und leben lassen.  „Und wem das nicht passt, der kann ja gehen.“

In Zeiten wie diesen bekomme man als Haltung zeigender Musiker aber dann eben auch entsprechendes Feedback. „Man merkt dann schon, dass im Publikum bei solchen Aussagen mal nicht geklatscht wird oder jene, die klatschen wollen, von ihrem Nebenmann verärgert angestupst werden. Und das ist nicht, wie es das Klischee will, nur im Osten so.“ Aber: Er spiele nicht für jeden, suche sich auch seine Promoter; also jene, die ihn und seine Band buchen wollen, genau aus. Heinen: „Ich spiele nicht für Arschlöcher.“

„No Nukes“-Auftritt weckte das Interesse an Springsteen

Es ist daher vielleicht auch kein Zufall, dass Heinen gerade die Musik von Bruce Springsteen so gut gefällt. Kaum ein anderer Musiker ist schließlich politisch so engagiert, tut so oft seine Meinung zu gesellschaftlichen  Themen kund wie der „Boss“, jener Vollblut-Demokrat. „Ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal ein Video von ihm gesehen habe. Es war ein Clip von seinem Auftritt bei No Nukes 1979, einem Benefizkonzert im Madison Square Garden, bei dem Bands für die nukleare Abrüstung warben. Seither, seit seiner ’The River’- und ’Darkness On The Edge Of Town’-Phase, gehört der Boss zu meinem ganz persönlichen Soundtrack“, sagt Heinen. Persönlich getroffen hat er die Rock-Legende aus New Jersey zwar noch nicht, aber natürlich habe er Springsteen schon mehrere Male live erlebt. „Das erste Mal Ende der achtziger Jahre in München-Riem, das war ein fantastisches Erlebnis. Viereinhalb Stunden hat er damals gespielt, das letzte Drittel vor allem Soulklassiker“, so Heinen.

Heinen: Kein Fan im klassischen Sinne

 Als Fan im eigentlichen Sinne würde sich Heinen dennoch nicht begreifen wollen: „Nein, Fans, das sind ja Leute, die sich Shirts kaufen und  wissen wollen, welche Unterwäsche der Mann trägt. Ich mag seine Musik, finde ihn und seine Message, seine Energie, genial. Und ich habe das Glück, dass meine Stimme sich sehr gut dazu eignet, seine Songs zu singen. Ich halte mich auch nicht für Springsteen oder so, da muss man also keine Angst haben.“

Es darf auch gerne länger dauernAber: Wie der „Boss“ können auch Konzerte von Bosstime gerne mal länger dauern. Denn wie auch Springsteen selbst gehen Heinen und seine Mitstreiter wann immer möglich auf Publikumswünsche ein. „Ich bin kein Fan von Setlisten, das engt mich zu sehr ein. Natürlich gibt es die zehn Springsteen-Songs, die das Publikum einfach hören will und die sind auch immer dabei. Aber den Rest tausche ich immer wieder aus. Gern auch mal spontan – sehr zum Leidwesen meiner Band“, sagt Heinen und lacht. Er ist eben ein echter Vollblutmusiker. Einer, der für den Moment auf der Bühne, die Energie, das Live-Erlebnis, lebt.  Seit 2003 ist er mit Bosstime unterwegs, dazu gibt er solo oder mit der Band von Klaus Major Heuser, dem früheren Gitarristen und Songschreiber der Kölsch-Rock-Legenden BAP, Konzerte. „Für mich ist das kein Beruf, sondern eine Berufung“, sagt der gelernte Schreiner. Und auch das verbindet ihn ja irgendwie mit Springsteen.

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