Interview: Filmemacher Wolfram Huke – Leben ohne Liebe

Wolfram Huke (foto: privat)
Noch nie Sex, noch nie eine Beziehung – Wolfram Huke, 31, ist in Liebesdingen ein „absoluter Beginner“. Seine Suche nach der ersten Freundin hat er verarbeitet – in seinem Dokumentarfilm „Love Alien“. Ein Gespräch über die Herausforderung, eine Frau zu erobern.

Waren Sie schon mal richtig verliebt, Herr Huke?
Ja, sicher. Das ist schon mehrfach vorgekommen. Leider ist am Ende nie etwas daraus geworden, auch wenn es zeitweise immer mal wieder zunächst gut aussah.

Wieso hat es dann nie geklappt?
Wenn ich das wüsste, hätte ich das Problem wahrscheinlich gelöst (lacht). Die Gründe waren immer andere. Manchmal kannte ich sie, manchmal nicht. Man fragt das eine Frau ja nicht. Ich schaffe den Übergang nicht vom Flirt zu einer Beziehung. Es läuft bis zu einem gewissen Zeitpunkt gut, und plötzlich ist man befreundet. Vielleicht bemerken die Frauen bei mir ab einem gewissen Zeitpunkt auch meine Unsicherheit, vielleicht müsste ich noch offensiver und selbstbewusster auftreten.

Zum Beispiel wie?
Na, so wie der Typ Mann, der gar nicht groß fragt, sondern der Frau sprichwörtlich die Keule überzieht und sie in seine Höhle schleift (lacht). So mancher bekommt durch sein forscheres Auftreten eine unschlüssige Frau am Ende doch irgendwie rum. Aber dieser Typ bin ich einfach nicht.

In Ihrem Film wird schnell klar, dass Sie unter dieser Situation leiden. Aber ist das Single-Sein denn so schlimm? Millionen verheirateter Männer beneiden Sie möglicherweise um Ihr Leben: ungezwungen, frei …
Wer sich nach dem Single-Dasein sehnt, der malt sich das wohl so aus. Aber bei mir läuft das ja nicht so. Da kommt nichts in Gang, nicht mal ein Kuss oder Händchenhalten. Und so geht es ja vielen anderen auch. Die Abende sind eher einsam. Selbst wenn ich könnte: Ich wollte gar nicht jeden Freitag eine andere abschleppen, das strebe ich gar nicht an.

Noch schlimmer als die Einsamkeit scheinen Ihrem Film zufolge gut gemeinte Aufmunterungsversuche zu sein: „Auf jeden Topf passt ein Deckel“, „Du darfst nicht zu sehr suchen“, „Probier’s doch mal im Internet“.
Ja, die habe ich alle schon gehört.

Wie kamen Sie darauf, aus Ihrer Situation eine Doku zu machen? Ist das eine 75-minütige Kontaktanzeige?
Ich denke nicht, dass ich es durch den Film bei Frauen unbedingt leichter haben werde. Ich hatte kürzlich ein Date, da habe ich von dem Film erzählt, das hat für Irritationen gesorgt. Aber die Idee zu dem Film hatte ich schon länger, weil mich gestört hat, wie Singles im Fernsehen dargestellt werden. Meistens in einer Art Freakshow wie „Bauer sucht Frau“ oder „Das Model und der Freak“. Die haben mit der Realität nichts zu tun. Eigentlich hatte ich für den Film andere Protagonisten im Blick, aber es hat sich dann so ergeben, dass ich selbst im Mittelpunkt stehe.

Sind Sie von der großen Resonanz und dem medialen Interesse überrascht?
Nein, die Themen „Liebe und Sex“ oder „keine Liebe, kein Sex“ sind einfach gefragt. Ich hole den letzteren Aspekt etwas aus der Tabu-Ecke heraus, indem ich mein Gesicht zeige und sage: Seht her, ich bin 30 Jahre, spreche x Sprachen, bin beruflich erfolgreich, aber ich hatte nie eine Freundin oder Sex. Sonst geht man ja damit eher verschämt um. In Zeitungen steht dann da in solchen Fällen: „Andreas (Name von der Redaktion geändert), bislang ungeküsst, …“

Fühlt es sich nicht merkwürdig an, dass wildfremde Menschen Popcorn futtern, während sie dabei zusehen, wie Sie auf der Leinwand ihr Innerstes ausbreiten? Sie reden im Film darüber, dass Sie über eine Prostituierte nachgedacht haben, man sieht Sie unter der Dusche und beim Porno schauen.
Ich versuche mir da keinen Kopf zu machen. Der Film ist jetzt da draußen, zurückholen kann ich ihn nicht mehr. Jetzt werde ich mit den Konsequenzen leben. Bisher ist das Feedback aber sehr positiv. Oft hat der Film bei seinen bisherigen Vorführungen für Diskussionen gesorgt.

Im Film gibt es kein Happy End in dem Sinn, dass Sie am Ende eine Partnerin haben. Jetzt sind Sie von München nach Leipzig gezogen. Ihr erster Eindruck der Leipziger Damenwelt?
Ein subtiles Happy End gibt es schon, finde ich. Es findet ja zumindest innerhalb dieses einjährigen Experiments eine Entwicklung statt. Meine ersten Eindrücke von Leipzig sind sehr positiv. Die Leipziger sind sehr offen und kontaktfreudig, man kommt schnell ins Gespräch. Ob in der Bar oder an der Bushaltestelle. In München hat es länger gedauert, bis ich Anschluss gefunden hatte.

Interview: Benjamin Fiege
 

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