Es geht munter weiter: UFO sind offenbar gerade dabei, ihren Backkatalog einer neuen Generation an potentiellen Hörern zugänglich zu machen. Nachdem im vergangenen Jahr das Album „No Place To Run“ unter anderem auf Vinyl wiederveröffentlicht wurde, wird nun „The Wild, The Willing and The Innocent“ wieder neu aufgelegt. Remastert und erweitert durch das bisher unveröffentlichte „Live at the Hammersmith Odeon“ ist diese Edition ein Must-Have für Fans der Wegbegleiter moderner Hard-Rock- und Heavy-Metal-Musik.
Wer mal bei Wikipedia durch die Bandgeschichte von UFO scrollt, der wird schnell merken: Das Personalkarussell hat sich bei den Londonern schnell und oft gedreht. Der Eintrag an ehemaligen Bandmitgliedern ist ellenlang. Unter all den Namen sticht natürlich der von Michael Schenker heraus. 1969 in London gegründet, feierten UFO um Sänger Phil Mogg ihre größten Erfolge mit dem früheren Scorpions-Mitglied Schenker an den Gitarren-Saiten. Schenker stieß 1973 zur Band und blieb bis 1978. Mit ihm verabschiedete sich die Band von ihrem psychedelischen Stil und orientierte sich mehr am Hard Rock der Zeit. Sie wurde deutlich kommerzieller.
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Die Post-Schenker-Ära
„No Place To Run“ war das erste Album nach dem Ausstieg Schenkers, wurde von den Fans ob dieses personellen Wechsels (für ihn kam Paul Chapman dazu) eher verhalten aufgenommen. Spätestens mit dem Album „The Wild, the Willing and the Innocent“, das am 16. Januar 1981 auf den Markt kam, schien die Skepsis aber verflogen.
Zwar gab es wieder einen Wechsel (Keyboarder, Gitarrist und bei diesem Album zwangsweise Saxofonist Neil Carter hatte Paul Raymond ersetzt), dennoch wurde die Platte deutlich warmherziger empfangen. Vielleicht lag es daran, dass anders als beim Vorgänger Ex-Beatles Produzent George Martin nicht mehr am Regler saß, der zwar ein netter Kerl war, wie Phil Mogg rückblickend sagt, aber eben nicht das, was die Band zu jenem Zeitpunkt brauchte. Bei „The Wild, the Willing and the Innocent“ produzierte die Band selbst. Zum ersten Mal komplett im Alleingang.
Die Glanzlichter
Der Sound war nun etwas leichtfüßiger, poppiger als beim Vorgänger. Mehr Pop-Rock als Heavy Metal. Melodien stand jetzt mehr im Vordergrund, das Stadion war bei den Songs gleich mitgedacht.
Der wuchtige Opener „Chains Chains“ zieht einen direkt ins Album rein. Typischer Brit-Rock der Zeit, gefällt. Bei „Long Story“ hört man, dass Mogg damals eine intensive Springsteen-Phase hatte. Die Nummer überzeugt alleine schon durchs Bruce-ähnliche Storytelling, macht aber auch musikalisch etwas her und geht etwas mehr nach vorn als es der gute Bruce tun würde. „Lonely Heart“ klingt dann stellenweise so, als hätten Foreigner UFO gecovert, und wurde wahrscheinlich auch deshalb zu einem kleinen UK-Hit. Dass sie auch die sanfteren Töne beherrschen, zeigen UFO mit der gefühligen Ballade „Profession of Violence“.
Wiederveröffentlichung in mehreren Formaten
„The Wild, the Willing and the Innocent“ erscheint als Deluxe Edition in zwei Formaten: auf Doppel-CD und als 3er-Vinyl. Die Deluxe Edition enthält einen neuen Mix des bisher unveröffentlichten „Live at the Hammersmith Odeon“, aufgenommen am 29. Januar 1981 von Brian Kehew. Die mit diesem Album veröffentlichten Original-7“-Edits der beiden Singles „Couldn’t Get It Right“ und „Lonely Heart“ sind ebenso enthalten wie ein alternativer Mix des Album-Highlights „It’s Killing Me“.
Abgerundet wird das Set durch neu verfasste Liner Notes von Michael Hann, die aktuelle Interviews mit Phil Mogg und Andy Parker sowie eine Sammlung bisher unveröffentlichter Fotos aus dieser Zeit enthalten – was es zu einer unverzichtbaren Ergänzung für Fans und Sammler gleichermaßen macht.
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