Fina (foto: Frederike Wetzels)

Track By Track: Fina über ihre EP „Alles sagen“

Trennung, Freundschaft und Verlust – das sind die großen Themen, die Fina in ihren Songs besingt. Lieder voller melancholischer Hoffnung, mit eingängigen Refrains und pulsierenden Arrangements. Getragen von großen Pop-Produktionen mit melodischem Klavierspiel und energetischen Drums, durchzogen von harmonischen Backing-Vocals und warmen Synthie-Klängen. Zuweilen erinnert die Gute stilistisch an Künstler*innen wie Lina Maly, LEA oder Madeline Juno. Gerade ist mit „Alles sagen“ eine neue EP der Wahl-Kölnerin erschienen. Welche Gedankenspiele hinter den einzelnen Songs stecken, das verrät sie uns in dieser Track-By-Track-Ausgabe.

„Alles sagen“

„Alles sagen“ ist mein Song zum Aufbrechen, Loslassen und zur Entscheidung für die Reise zu mir selbst. Ich glaube, manchmal kann man nur für sich alleine herausfinden, wohin man möchte und was man grade braucht, vor allem wenn man wie ich gewohnt ist, viel nach anderen zu schauen und oft Rücksicht zu nehmen. An so einem Punkt stand ich beim Schreiben dieses Songs und habe ganz tief gespürt, dass ich etwas verändern und mich von einer langjährigen Beziehung trennen muss. Ich habe gemerkt, dass ich meinen Gefühlen gar keinen Ausdruck verleihen kann („Würd dir erzählen von jeder Narbe und wo ich finde was ich vermiss“), weil ich so viele Antworten über mich selbst noch nicht gefunden habe und jetzt auf die Suche gehen möchte.

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„Auf deiner Couch“

Mit diesem Song habe ich mir selbst eingestanden, dass ich mich frisch verliebt habe in einen guten Freund. Es hat mir beim Schreiben unglaublich viel Erleichterung und Leichtigkeit gegeben, ehrlich zu mir selbst zu sein und diese Gefühle einfach „da sein“ zu lassen, egal was ich dann hinterher damit mache oder nicht mache. Ich wollte die Allgegenwärtigkeit und Stärke der Gefühle beschreiben („Es steht in deiner Küche, auf den Salatpflanzen…“) und mein Erstaunen, dass etwas für mich so Präsentes von anderen anscheinend gar nicht wahrgenommen wird („Es steht auf meiner Stirn, wer wirklich hinsieht, kanns lesen“).

„Keine von uns“

„Keine von uns“ ist ein Song für die Freundschaft, ein Song voller Dankbarkeit und melancholischer Wärme. Abschiede sind meist sehr emotional für mich, auch wenn ich weiß, dass sie dazu gehören und wichtig sind. Nach einer langen Zeit in Münster (NRW) bin ich und gleichzeitig auch viele meiner Freund*innen dort weggezogen und ich habe diesen Song zum Abschied für meine Freund*innen geschrieben. Ich verwende bewusst „Keine“ anstatt dem genormten, männlichen „Keiner“, schließe damit aber natürlich auch meine männlichen* Freund*innen mit ein.

„Prosecco“

In „Prosecco“ erzähle ich von einer langjährigen Freundschaft, in der ich und die andere Person sich auseinandergelebt haben und die Kommunikation zwischen uns nicht mehr funktionierte. Ich fand es verrückt, wie wir einerseits für eine lange Zeit jeden Tag Kontakt hatten und nun nicht Mal mehr klar miteinander reden konnten. So eine Trennung kann meiner Ansicht nach genauso kompliziert sein wie die Trennung in einer Liebesbeziehung und genauso weh tun. Mir sind meine Freund*innen sehr wichtig und ich leide unter solchen Trennungen sehr. Ich bin trotzdem dankbar für die gemeinsame, tolle Zeit in dieser Freundschaft und nicht wütend oder Ähnliches. Ich akzeptiere die Situation, zumindest in diesem Moment, und denke, dass es so richtig ist: „Und es ist ok“. Und dabei hilft auch ein bisschen der Geburtstags-Prosecco ;)

„Ein Meer für dich“

Nachdem ich einen geliebten Menschen verloren hatte, habe ich versucht, Wort dafür zu finden, wie sehr wir die Person vermissen („Wenn wir unsere Tränen sammeln würden, da wären Meere überall“). Ich wollte unseren Gefühlen Ausdruck verleihen und fand die Vorstellung schön, dass unsere Trauer sichtbarer und greifbarer wird. Ich habe auch viel darüber nachgedacht, wie sehr uns im Familienkreis die Situation verändert und verbindet („Ringe und Schatten und Falten, alles neu“).

Außerdem fand ich es sehr tröstend, darüber nachzudenken, wie viele Menschen um uns herum dieses Gefühl kennen und wie uns das eigentlich verbindet über jede Landesgrenze, politische Meinung oder Religion hinaus: „Da wären Meere überall“. Wenn uns das mehr bewusst wäre und das für alle sichtbar wäre („Wenn wir alle Tränen sammeln würden“), würden sich die Menschen vielleicht mehr verstehen und weniger schlimme Dinge antun.

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