Mental As Anything

Mental As Anything (foto: mandy hall/mandy hall media)

In Deutschland kennt man Mental As Anything vor allem dank der Hits “Live it Up” und “Rock And Roll Music”. Tatsächlich umspannt die Karriere der Australier aber schon rund 40 Jahre. Inwiefern diese mit Elvis Presley und “Crocodile Dundee” zusammenhängt, erfahrt Ihr in dieser Bio.

Freibier. Nicht Sex, Drugs und Rock ‘n’ Roll. Nein, Freibier soll die große Motivation gewesen sein, die hinter der Gründung von der Band durch ein paar gelangweilte Kunststudenten im Jahre 1976 in Sydney stand. Reg Mombassa, Martin Plaza, Greedy Smith, Peter O’Doherty und Wayne Deslisle geben sich den Namen Mental As Anything – der Startschuss zu einer großen Karriere in Down Under, die den Jungs letztlich doch mehr als nur freie Getränke einbringen sollte.

Am Tag des ersten Gigs ist aber daran noch nicht zu denken. Es ist der 16. August 1977, der Tag, an dem Elvis Presley starb. Mental As Anything sind im Cellblock Theatre in Sydney gebucht, und um den King zu ehren, spielen sie an diesem Abend auch ein paar Elvis-Cover. Das Konzert kommt beim Publikum gut an, Mental As Anything werden kurz darauf fest vom Unicorn Hotels in Sydney verpflichtet. Ihre unspektakuläre Bühne: ein Billardtisch. Das Gastspiel im Unicorn ist nicht von Dauer, 1978 wechselt die Band ins Civic Hotel.

Mit der Zeit erspielt sich die Band ein immer größeres Publikum. Das bleibt auch dem Indie-Label Regular Records nicht verborgen, dass die Mentals unter Vertrag nimmt. 1979 fühlt sich die Gruppe bereit, eine erste Single zu veröffentlichen: “The Nips Are Getting Bigger” erreicht Platz 16 der australischen Charts. Das anschließende Debütalbum “Get Wet” wird ebenfalls ein Achtungserfolg, erreicht Platz 19 der Hitparade, in der Mental As Anything in den Folgejahren auch mit weiteren Singles zu finden sein würden: Mit “If You Leave, Can I Come Too?” (Platz vier in Australien) und “Too Many Times” (Platz sechs, Australien) aus dem 1981er-Album “Cats and Dogs” knacken sie sogar erstmals die Aussie-Top 10.

Auch außerhalb des Kontinents wird man langsam auf die Band aufmerksam. 1982 gehen Mental As Anything erstmals auf US-Tour. Während dieser Reise basteln sie an der Single “I Didn’t Mean To Be Mean”, die von Elvis Costello produziert wird und später im Jahr erscheint.

Kreativ wie die Band ist, beschränkt sie sich zu dieser Zeit aber nicht nur aufs Musikmachen. So stellt die Band 1983 sogar eine Kunstausstellung in der Watters Gallery in Sydney auf die Beine, bei der mehrere Mitglieder der Kapelle ihre Werke präsentieren. Zu den betuchten Käufern zählen dem Vernehmen nach Patrick White und Elton John.

Der große Durchbruch gelingt den Mentals im Jahr 1985. Das mit Platin ausgezeichnete Album “Fundamental as Anything” geht durch die Decke, auch dank Singles wie “You’re so Strong” (Platz 11, Australien) und “Live It Up” (Platz 2, Australien). “Live It Up” wird zum bis dato größten Hit der Band. Und das sogar weltweit, weil es der Titel auf den Soundtrack der Komödie “Crocodile Dundee” mit Paul Hogan schafft.

Es sollte der einzige Hit bleiben, mit dem die Mentals außerhalb Australiens für Furore sorgen. Sieht man mal von “Rock & Roll Music” ab, das im Film “Einstein Junior” mit Yahoo Serious zu hören ist.

Danach scheint die Luft bei der Band zunächst raus. Nach dem Album “Cyclone Raymond” (1989) erscheint für lange Zeit kein weiteres mehr. Dafür läuft es aber mit der Kunst: Der stellvertretende Premierminister Australiens, Paul Keating, eröffnet 1990 die zweite Mental-As-Anything-Ausstellung, bei der Exponate des gesamten Quintetts gezeigt werden. Die Ausstellung geht danach auf Tour durch Down Under.

1995 wagen Mental As Anything mit dem Album “Liar Liar Pants On Fire” ein wenig beachtetes Comeback. Die Single “Mr. Natural” schafft es immerhin in die australische Top 40. Mit Chris Isaak touren die Jungs anschließend durch Australien und Neuseeland.

1997 erscheint die LP “Garage”, relativ bald darauf reist eine dritte Kunstausstellung der Band quer durch den australischen Kontinent.

1999 verlässt Songwriter Peter O’Doherty die Band, um sich verstärkt der Malerei zu widmen. War offenbar keine schlechte Entscheidung, was viele Kunstpreise, die der Gute danach einsacken sollte, beweisen. Bei den Mentals wird er durch David Barraclough ersetzt.

Am Australia Day 2000 tritt die Band in Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam auf. Später folgen weitere Tourneen im In- und Ausland sowie mehrere Album-Releases. Der ganz große Wurf ist aber nicht mehr dabei. Überdies muss die Gruppe auch mehrere Line-Up-Changes verkraften – auch gesundheitlich bedingt.

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DISCOGRAPHY

Studioalben

1979: Get Wet
1980: Espresso Bongo
1980: Mental as Anything
1981: Cats & Dogs
1982: If You Leave Me, Can I Come Too? – nur Niederlande und USA
1983: Creatures of Leisure
1985: Fundamental as Anything
1987: Mouth to Mouth
1989: Cyclone Raymond
1995: Liar Liar Pants on Fire
1997: Garàge (2 CDs)
2000: Beetroot Stains
2002: Road Case
2005: Plucked
2009: Tents Up

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