Eels in Kopenhagen (foto: fiege)

Live: Robert Ellis & Eels in Kopenhagen

Hatten richtig Bock: Am Dienstagabend haben die Eels im dänischen Kopenhagen Station gemacht. Genauer: in der Freistadt Christiania. Und sie ließen es – gemessen am jüngsten Album – erstaunlich krachen.

Der süßliche Geruch von Gras liegt wie ein Schleier über Christiania. Hier, mitten in dem autonomen Gebiet in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen, liegt Den Grå Hal. Die kleine, aber feine Halle gehört nicht nur wegen ihrer außergewöhnlichen Umgebung zu den angesagtesten Konzertadressen der Stadt. Metallica haben in der kleinen, mit Graffiti übersäten Location schon gespielt. Auch Bob Dylan, Wilco, die Manic Street Preachers oder Rage Against The Machine sind hier schon aufgetreten.

Atmosphärisch betrachtet gibt es vielleicht keine bessere Spielstätte für eine Band wie die Eels. Eine Band, die sich nur schwer in eine Schublade stecken lässt. Bei der ja auch stets das Unerwartete zu erwarten ist. Die stets kauzig und schräg, oft spöttisch-ironisch ist. Mal schwer rockend, dann wieder melancholisch. Kurzum: eine Band, bei der man nie so recht weiß, woran man gerade ist.

Lauter als das jüngste Album

Tolle Location: Den Grå Hal in Kopenhagen. (foto: fiege)

Im vergangenen Jahr hat die Gruppe um den verschrobenen Multiinstrumentalisten und Mastermind Mark Oliver Everett mit „The Deconstruction“ ein neues Album veröffentlicht. Eine nachdenkliche Platte, auf der es die US-Band vergleichsweise ruhig angehen ließ. Die erste nach vier Jahren. Oft ist es ja bei den Eels so, dass sich das Live-Programm, auch ältere Stücke, dem Sound und dem Stil des aktuellen Albums anpasst. Auf ihrer aktuellen Tour aber lassen die Eels aber die Sau raus. Kurzum: Sie rocken. Und zwar richtig. „God damn, I’m old as fuck but God damn I rock“, lässt sich der gut gelaunte Everett von seiner eigenen Energie mitreißen. „You don’t want this to be the night I die onstage, but just in case it is, keep your phones running“. Er wagt sogar das eine oder andere Tänzchen. Everett: „If that’s Dad Rock, I’m all in for it“.

Wir auch.

Besonders gelungen sind an diesem Abend das Prince-Cover „Raspberry Beret“, „Bone Dry“ (aus dem jüngsten Album) und das düstere „Fresh Blood“. Aber auch „Prizefighter“ und die The-Who-Verneigung „Out in the Streets“ bleiben hängen.

Zum Schluss: Zugaben. Und natürlich, so will es das Eels-Gesetz, gleich jede Menge davon. Folgerichtig gehen die Zuhörer am Ende augenscheinlich zufrieden, oft mit einem beseelten Lächeln im Gesicht, nach Hause. Und schuld daran war sicherlich nicht (nur) das Gras.

Robert Ellis gibt den Support-Act

Ein erstes Highlight des Abends war übrigens der Auftritt von Robert Ellis. Stilecht ganz in Weiß, mit Cowboy-Hut und Smoking gab der texanischer Musiker den Support-Act. Ellis, eigentlich ein begnadeter Gitarrist, hat sich in diesem Jahr praktisch neu erfunden. So hat er auf seinem neuen Album „Texas Piano Man“ die Klampfe gegen das Klavier eingetauscht, erinnert dabei stilistisch hier und da durchaus an Elton John. Der Glitzer im Gesicht tut da sein Übriges. Die Platte ist durchaus wild und temperamentvoll geworden, und: durchaus humorig.  „Nobody Smokes Anymore“, stellt Ellis im gleichnamigen, durchaus poppigen Song etwa fest, um dann direkt hinterher zu schieben: „I guess I’ll be the only one that looks good in pictures.“ Auch bei „Passive Aggressive“, einer ruhigen Ballade, bei denen Ellis den Plosiv des Refrains immer besonders laut betont, was den einen oder anderen im Publikum auch beim zweiten und dritten Mal aufschrecken lässt, kann sich der Künstler selbst ein Lachen nicht verkneifen. Eels-Frontmann Mark Oliver Everett, der als großer Ellis-Fan gilt, soll mal über diesen gesagt haben: “A great player, a great writer, and handsome as fuck… I hate him.”

Robert Ellis in Kopenhagen. (foto: fiege)

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