Hans Söllner (foto: attinger)

Live: Hans Söllner in Homburg

Er ist einer der letzten seiner Art. Hans Söllner ist wohl das Paradebeispiel eines Liedermachers. Warum, das zeigte er am Samstag im Homburger Saalbau. Gewohnt direkt brachte er zum Ausdruck, warum die Welt, in der er lebt, nicht die ist, in der er leben möchte. 

Kein Zweifel, auch rund 40 Jahre nach seinem ersten Auftritt versteht es Söllner, der „wuide Hund aus Reichenhall“, sein Publikum mit seinen Liedern und Geschichten auf Bayrisch zu unterhalten – und dabei klare Kante zu zeigen. Denn seine Texte sind noch immer so gesellschafts- und systemkritisch, wie man es von ihm gewohnt ist. Aber auch voller Liebe. Söllner braucht nicht viel, um seine Zuhörer zu fesseln. Lässig sitzt er in seinem grünen T-Shirt und Jeanshose auf einem Hocker, hinter ihm das mit einem Geißbock in Jamaika-Farben bestückte Cover seiner Platte „Viet Nam“. Im Gepäck hat er einige Lieder seines 20. und nach eigenen Worten letzten Albums „Genug“, das 2018 veröffentlicht wurde.

Rassisten und Genitalverstümmelung

Lediglich „bewaffnet“ mit Gitarre und Mundharmonika zeigt der 63-Jährige, dass er wirklich genug hat. Etwa, wenn er im Song „Rassist“ mit den Zeilen „Du scheiß Rassist, schaug, dass di schleichst, Des is mei Heimat, und net dei Reich“ deren Menschenverachtung anprangert. Oder mit „Für ein afrikanisches Mädchen“ an Genitalverstümmelungen erinnert und eine „Schachtel für die Büchsen“ zur Spende bereithält. Und weil er sicher gehen will, dass seine Botschaften auch verstanden werden, singt er beim Song „Genug“ in astreinem „Schriftdeutsch, nicht Hochdeutsch“ in Richtung all der Mörder auf der Welt: „Habt ihr nicht genug schon Tote, gibt es nicht genug schon Hass, gibt es nicht genug schon Schmerzen, sagt mir, warum tut ihr das.“

Ohnehin bezieht Söllner, der sich das Gitarrespielen selbst beigebracht hat, zu vielen politischen Themen klar Stellung. Etwa zur Massentierhaltung („Das sind keine Landwirte für mich.“). Oder zur Impfpflicht: „Das ist erst der Anfang, was kommt dann als nächstes“, fragt er das Publikum mit Blick auf mögliche Zwangsspritzen. Dabei geht er hart mit Gesundheitsminister Jens Spahn ins Gericht, wird dabei auch unflätig. Söllner schießt sicher selbst hin und wieder mit seiner derben Sprache über das Ziel hinaus. Aber das gehört eben auch zu dem Oberbayer, dem es an diesem Konzert-Abend, den er selbst als „Seminar“ bezeichnet, keineswegs nur um Politik geht. Im Gegenteil. Söllner zeigt, wonach er sich sehnt: nach Liebe, einem guten Miteinander und Familie. Er singt für „seine Buam“ und eine Frau, die ihm „oifach sagt, dass sie mi mag“. 

Söllner: Mehr als nur Liebe zum Gras

Immer wieder kommt er auch auf seine Leidenschaft zu sprechen: Ganja, „des beste wos i kenn“. Seit seinem Jamaika-Urlaub 1986 kämpft er für die Legalisierung von Marihuana. Ein Bestreben, dass ihn auch schon öfters in Auseinandersetzungen mit den Gesetzeshütern verwickelte. Und so hat er einige Anekdoten aus seinem Alltag parat, etwa als ihm die Führerscheinstelle mit einem Brief freundlich darum gebeten habe, den Führerschein abzugeben.

Das mehr als zweistündige Konzert zeigt deutlich: den bekennenden Rastafari nur auf seine Liebe zum Gras zu reduzieren, greift zu kurz. Zu tiefgründig sind seine Lieder und Geschichten, zu differenziert auch seine Ansichten zu bestimmten Themen. Söllner haut nicht nur drauf, will keinem etwas vorschreiben – nur eben selbst entscheiden, ob er etwas tut (sich impfen lässt) oder nicht. Stichwort: Freiheit. Die Freiheit, die Kontrolle über das eigene Leben zu haben. 

Ein wichtiges Anliegen hat er denn Abend über dann aber doch: 365 Tage auf Hendl verzichten, das wäre doch ein Anfang, das schaffe doch jeder. Schließlich sei der Mensch die einzige Spezies, die von heute auf Morgen etwas verändern könne. Und er hätte nicht gedacht, dass die 16-Jährigen den Alten mit „Fridays For Future“ den Spiegel vorhalten müssten. Im Stehen schunkelnd und klatschend gibt das Publikum zum Ende hin eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob das Konzert gefallen hat. Und spätestens beim Abschlusssong „Lotta“, den er seinem Enkelkind und deren Eltern widmet, ist wohl jedem klar: Söllner wütet und schimpft gerne über all das, was ihn stört. Aber vor allem wünscht er sich Frieden unter den Menschen, „egal welche Religion, ob schwarz, rot oder weiß“.

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