Jason Mraz (foto: shervin lainez)

Jason Mraz über Katzen und Kaffee, Corona und sein Album „Look For Good“

Ein Jahr ist „Look for the Good“, das siebte Studioalbum des ewig gut gelaunten US-Musikers Jason Mraz, nun schon auf dem Markt. Jetzt stellt  er die neuen Songs erstmals dem Live-Publikum vor. Im Gespräch mit Benjamin Fiege verrät er, wie seltsam sich das Veröffentlichen in Pandemie-Zeiten anfühlt, wo er seinen Optimismus hernimmt – und in welchen Situationen er  aus der Haut fahren kann.

Jason, die wichtigste Frage in Corona-Zeiten vorweg: Wie geht’s dir? Und wie bist du durchs letzte Jahr gekommen?

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Mir geht’s gut, danke. Alles ein bisschen crazy, aber so geht es uns wahrscheinlich allen gerade. Ich wurde natürlich gezwungen, ein paar Gänge runterzuschalten,  habe also viel Zeit mit der Familie verbracht, mich zeitgleich aber auch fortgebildet. Wie viele meiner Kollegen habe ich mir beispielsweise Video Editing draufgeschafft, habe versucht, kreativ zu bleiben, Musik zu machen. Es ist ein Auf und Ab.

Nachdem der Gang nun rausgenommen wurde, kannst du dir denn vorstellen, wieder zurück ins Hamsterrad aus Album, Touring, Album, Touring einzusteigen?

Da wird sich sicherlich etwas verändern. Ich glaube, die Zeit der ultralangen Touren ist für mich vorbei. Das wird wohl in Zukunft in kompakteren Blöcken stattfinden. Das ist gut fürs Familienleben, aber auch fürs Klima.

Im  Juni 2020 hast du dein jüngstes Album „Look for the Good“ veröffentlicht, jetzt gibt’s die Deluxe-Version obendrauf. Wie fühlt sich das an, in diesen verrückten Zeiten Musik zu veröffentlichen?

Das hat sich natürlich etwas schräg angefühlt. Normalerweise stellt man seine Songs ja live vor, merkt, wie das Publikum auf sie reagiert, bekommt ein direktes Feedback. Das war diesmal natürlich anders. Das Album fühlt sich daher definitiv anders an.

Ein Großteil deiner Songs für das Album ist schon 2019 entstanden. Inwiefern ist die Platte dennoch durch die Pandemie geformt worden?

Im Grunde war es vor Corona tatsächlich schon fertig. Dennoch haben wir zu Beginn der Pandemie noch ein wenig herumexperimentiert. Die Songs, die dabei entstanden sind, haben dann am Ende aber nicht mehr den Weg aufs Album gefunden, die haben wir erst dieses Jahr veröffentlicht.

Die neue Deluxe-Version kommt mit einer neuen Slow-Jam-Version von „I’m Yours“ daher, deinem erfolgreichsten Song. Wie stehst du heute zu dem Song? Kannst du ihn selbst noch gut hören? Oder gehörst du zu den Künstlern, die irgendwann die Nase voll von ihrem Überhit haben?

Ich liebe ihn tatsächlich noch. Er hat mir viel gegeben. Natürlich versuche ich, ihn mir nicht langweilig werden zu lassen. Daher experimentiere ich bei Live-Auftritten manchmal mit ihm, so, dass er für mich spannend bleibt, aber auch nicht zu sehr, damit das Publikum weiter seinen Spaß mit ihm hat. Auch in der neuen Version gefällt er mir sehr gut, sie fühlt sich an, als komme sie von Herzen.

„I’m Yours“ war seinerzeit eine stark vom Reggae beeinflusste Nummer. Danach warst du eher in Pop-Gefilden unterwegs. Jetzt hast du dich aber sogar für ein ganzes Reggae-Album entschieden. Wie kam’s?

Viele andere Künstler haben sich vom Pop in Richtung EDM entwickelt, das schien mir für mich aber nicht der richtige Schritt. Vielmehr  hatte ich schon lange mit dem Gedanken gespielt, ein Reggae-Album aufzunehmen, fast zehn Jahre lang. Ich bin ein großer Fan des Genres, seinem Vibe, aber auch von seiner revolutionären Dimension. Mit Michael Goldwasser, der das Album produziert hat, habe ich dann den richtigen Partner gefunden, diesen Traum endlich umzusetzen.  Ich mag die Botschaft des Reggae, es geht um Liebe, Frieden, Healing. Das passt gut zu mir. 

In einem Interview hast du vergangenes Jahr orakelt, dass die Pandemie einiges verändern werde und die Menschen sich mehr Gedanken darüber machen, wie sie künftig leben wollen. Ein Jahr später – wie fällt deine Bilanz aus?

Auf den ersten Blick ist man versucht zu sagen: Es hat sich eigentlich nichts verändert. Aber ich denke, es geht voran. Wenn auch nur langsam. In Babyschritten. Wir haben hier in den USA einen ganz anderen Vibe, seit Trump weg ist. Der Klimaschutz rückt stärker ins Bewusstsein, auch der Kampf gegen Rassismus und für mehr  Gleichberechtigung. Wir haben noch lange nichts erreicht, aber bewegen uns in die richtige Richtung. 

Das klingt optimistisch.

Ja, uns bleibt ja nichts anderes übrig, wenn wir Fortschritte erzielen wollen.

Gibt es denn nichts, wobei du mal so richtig aus der Haut fährst?

Doch, das gibt es. Tatsächlich passiert mir das hier und da beim Autofahren. Ich fahre einen Audi E Tron, und bin da auch gerne mal schnell unterwegs. Wenn dann vor mir ein BMW oder Mercedes trödelt, werde ich schon mal nörgelig und denke dann: Wenn ihr so langsam unterwegs sein wollt,  fahrt Ihr das falsche Auto. Also ja: Am Steuer schimpfe ich gerne mal vor mich her.

Und was bringt dich auf den Boden? Wie schaffst du es, immer so positiv zu bleiben? Verrate uns dein Geheimnis!

Katzen und Kaffee (spricht’s, während ihm seine Katze Big Lady auf den Schoß springt und er einen tiefen Schluck aus seinem Kaffee-Pott nimmt). Und klar, kreativ sein. Das kann ich nur jedem raten. Wenn man sich mal nutzlos fühlt, versuchen, künstlerisch tätig zu sein. Man kann sich an dem Gefühl erbauen, etwas geschaffen zu haben.

Du bist gerade wieder back on the road. Wie fühlt sich das an? Nervös, weil du so lange nicht mehr auf der Bühne standest?

Nervös ist vielleicht das falsche Wort. Vor Live-Publikum zu spielen, macht mir nach wie vor nichts aus. Aber es war natürlich spannend zu beobachten, ob jemand die neuen Songs kennt. Und ja, der eine oder andere hat das neue Album offensichtlich schon gehört (lacht).

Ein paar deiner Kollegen haben ja in der Pandemie so einiges ausprobiert, von Streaming- bis Autokinokonzerten.

Ja, ich habe das selbst auch mal ausgetestet. Das war schon okay, aber natürlich fehlt einem der direkte Kontakt mit dem Publikum. Ein Konzert besteht aus zwei wichtigen Bestandteilen, dem Künstler und dem Publikum. Und das Publikum ist der wichtigere Teil.

Ich habe aber auch selbst Streaming-Konzerte von Kollegen konsumiert. Eine Show von Lindsey Stirling hat mich da sehr beeindruckt, daran erinnere ich mich, das war fantastisch. Da gab es natürlich die ganz großen, beeindruckenden Produktionen. Aber fast noch unterhaltsamer fand ich es, wenn man da einfach zwei Dudes auf der Couch gesehen hat. Nur die beiden und ihre Gitarren. Das fand ich sehr sympathisch.

Wie optimistisch können wir sein, Dich bald mal wieder in Europa zu erleben?

Sehr optimistisch. Ich komme demnächst auf jeden Fall in die Niederlande. Und 2022 würde ich gerne wieder nach Europa kommen. Ich bin aber noch am Tüfteln, wie ich mit meiner großen, 13-köpfigen Reggaeband reisen kann. Das wird eine logistische Herausforderung.

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