Beirut (foto: drew reynolds)

Beirut

Er verkörpert das Ideal des weltläufigen Künstlers wie kein Zweiter: Zach Condon. Mit seiner Band Beirut mischt der Gute mit Vorliebe osteuropäische beziehungsweise südländische Klänge mit modernem Pop. Eine Hommage an einen oft Unterschätzten.

Die frühen Jahre

Die Geschichte von Zach Condon, jenem Mann, der in seiner Musik wie kein Zweiter das Fernweh klingen lässt, beginnt in New Mexico. Genauer: in Albuquerque. Dort kam Condon am 13. Februar 1986 auf die Welt. Aufgewachsen ist er allerdings in Newport News (Virginia) und Santa Fé (New Mexico). Sein Interesse an Musik war schon früh ausgeprägt. Als Teenager spielte er Trompete in einer Jazz-Band, nahm auch hier und da – ganz im Geiste des DIY – in seinem Jugendzimmer Musik auf. Schließlich wurde die Lust am Musizieren so groß, dass Zach mit 17 die High School schmiss. Es zog ihn in die Alte Welt, nach Europa, wo er viel mit sizilianischer und Balkan-Musik in Kontakt kam. Ohnehin hatte es ihm südeuropäische Musik angetan, seit er in einem Kino jobbte, das internationale Filme zeigte.

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Gulag Orkestar

Die Erfahrungen, die Condon auf Reisen macht, den Zauber, die Magie – all das steckte er in sein Debütalbum „Gulag Orkestar“, das am 9. Mai 2006 erschien. Ein ungewöhnlicher Hybrid aus osteuropäischem Folk, Latin-Rhythmen und modernem Pop. Weltmusik. Daher ist es natürlich auch kein Zufall, dass Condon seine Band „Beirut“ taufte, benannt nach der Hauptstadt des Libanons, jenem Schmelztiegel, in dem schon immer unterschiedliche Kulturen aufeinander trafen. Jeremy Barnes und Heather Trost gingen Condon bei den Aufnahmen zu „Gulag Orkestar“ zur Hand. Das ungewöhnliche Machwerk kam bei der Kritik gut an. Später wurde das Ding in Verbindung mit der EP „Lon Gisland“ (2007) neu aufgelegt. Condon hatte mittlerweile beim Label Ba Da Bing unterschrieben. Es wurde ein produktives Jahr, in dem Zach auch die EPs „Pompeii“ und „Elephant Gun“ veröffentlichte.

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The Flying Club Cup

Es war das Foto eines Heißluftballon-Festivals in Paris aus dem Jahre 1910, eines der ersten Farbfotos, das Zach Condon zu seinem nächsten Wurf inspirierte. Damals hörte der bekennende Francophile viel Jacques Brel und französische Chansons. Unbekanntes Terrain für den jungen Musiker, der daraufhin befand, seinen Horizont erweitern zu müssen. Neue Instrumente wurden angeschafft, neue Gastmusiker engagiert. Das Ergebnis all der Mühen, „The Flying Club Cup“, erschienen am 9. Oktober 2007, kam dann etwas weniger eingängig als das Debüt daher. Es machte deswegen aber nicht minder Spaß. Im Gegenteil. Kritik und Zuhörer belohnten das. Erstmals knackten Beirut die US Billboard 200 (Platz 118).

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Danach ging es erstmal ausgiebig auf Tour, ehe Condon sie dann im Sommer 2008 abbrach. Er hatte das Gefühl, sie sei auserzählt. Nicht das erste Mal, dass Condon eine Tournee vorzeitig beendete. Schon 2006 war das der Fall, Condon war erschöpft. So weit sollte es diesmal nicht kommen. Condon nutzte die Pause und veröffentlichte im Februar 2009 die Doppel-EP „March of the Zapotec/Holland“, die durch eine Mexiko-Reise inspiriert wurde.

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The Rip Tide

Irgendwie ist es ein wiederkehrendes Muster: Das Touren scheint Zach Condon nicht zu bekommen. Diesmal erlitt er in Brasilien ein perforiertes Trommelfell. Und dann wurde auch noch die Bühne gestürmt, einiges ging dabei kaputt, manches wurde gestohlen. „Ich erinnere mich noch, wie ich auf der Bühne stand, meine zerbrochene Trompete in der Hand, mit meinen angegriffenen Stimmbändern und dem perforierten Ohr und mich fragte: Was zur Hölle mache ich hier eigentlich?“, gestand Condon in einem Interview mit „The Guardian“.

Erstmals mischte sich in sein ewiges Fernweh auch richtiges Heimweh. Condons Lebensumstände hatten sich ja auch mittlerweile verändert. Er war verheiratet, hatte ein Haus und einen Hund. Da stand plötzlich ein ganzer Lebensentwurf auf dem Prüfstand. Vielleicht lag es auch daran, dass Condon auf seinem Album „The Rip Tide“, das am 30. August 2011 erschien, so nachdenklich wirkte. Im Gegensatz zum restlichen Beirut-Katalog bekommt man hier den essenziellen Zach Condon. Das Album ist ungeheuer intim und introspektiv.

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No No No

Es begann eine düstere Zeit im Leben des Zach Condon. Die Jahre auf Tour zehrten an ihm. Zach war erschöpft, er hatte gesundheitlich zu kämpfen. Und dann war da ja noch die Scheidung. 2013 landete Condon total fertig in einem australischen Krankenhaus. Er musste seine laufende Tournee wieder mal abbrechen, fühlte sich ausgebremst. Am Ende. Selbstzweifel plagten ihn. Die blieben auch, als er schon längst wieder nach Brooklyn zurückgekehrt war. Eine Schreibblockade kam dann auch noch dazu. „Ich konnte nicht begreifen, wie ich an einem Tag noch fähig war zu schreiben und am nächsten nicht mehr“, sagte er damals.

Eine Frau brachte dann wieder Licht in sein Leben. Gemeinsam mit ihr zog er im Sommer 2014 in ihr Heimatland, die Türkei, die für ihn zwischenzeitlich wie ein neues Zuhause wurde. Plötzlich flutschte es auch in Sachen Songwriting wieder, auch wenn dabei lange nichts Verwertbares entstand. Im Herbst 2014 begann der Gute dann mit seinen Bandkollegen Paul Collins (Bass) und Nick Petree (Schlagzeug) an den Arbeiten zu „No No No“. Überraschenderweise entstand dabei das bis dato wohl fröhlichste Album des guten Zach. Vielleicht war es die neue Herangehensweise. Statt alleine vor sich hinzutüfteln, entwickelten sich die meisten Songs der Platte in einer Art Live-Session. Von den Kritikern wurde „No No No“, erschienen am 11. September 2015, gelobt. Die Konsumenten hievten das Ding auf Platz 46 der US Billboard 200.

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Gallipoli

Die Arbeiten am „No No No“-Nachfolger „Gallipoli“ begannen, als Zach von seinen Eltern endlich seine geliebte Farfisa-Orgel zugeschickt bekam. Das Teil war und ist für Zach eine echte Herzensangelegenheit, hatte er sie doch einst von seinem ersten Lohn gekauft. Große Teile seiner ersten Alben waren an diesem Instrument entstanden. Und irgendwann im Spätjahr 2016 begann Zach, der ständig zwischen New York und Berlin pendelte, an eben diesem auch mit der Arbeit an Songs für „Gallipoli“. Natürlich waren auch Nick Petree und Paul Collins wieder mit am Start. Und auch Gabe Wax, der schon „No No No“ produzierte.

Im Frühjahr 2017 mussten die Arbeiten aber unterbrochen werden, weil sich Zach den Arm beim Skaten brach. Der nutzte die Pause, um wieder nach Berlin zu reisen – und diesmal auch fest dort zu bleiben. Nach ein paar finishing touches lud Condon seine Mitstreiter dann für die finalen Arbeiten am Album nach Italien ein. Dort stolperte die Band dann irgendwann in ein kleines Städtchen namens Gallipoli, das zum Namensgeber des Albums wurde, nachdem eine Prozession, der die Band dort beiwohnte, bleibenden Eindruck hinterließ. Die zwölf Songs der Platte, die am 1. Februar 2019 erschien, zeigen Zach wieder von seiner besten Seite. Stimmlich brillant. Experimentierfreudig. In Deutschland landete das Ding sogar auf Platz 21 der Charts.

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DISCOGRAPHY

2006: Gulag Orkestar
2007: The Flying Club Cup
Lon Gisland (EP)
Pompeii (EP)
Elephant Gun (EP)
2011: The Rip Tide
2015: No No No
2019: Gallipoli

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