Placebo - Never Let Me Go (foto: so recordings)

Placebo – Never Let Me Go

Erscheinungsdatum
März 25, 2022
Label
SO Recordings
Unsere Wertung
8

Placebo melden sich mit neuer Mucke zurück. Mit „Never Let Me Go“ ist gerade das achte Studioalbum der Kapelle erschienen. Und das erste, das Sänger und Gitarrist Brian Molko und Bassist Stefan Olsdal als Duo veröffentlichen, nachdem Drummer Steve Forrest die Band im Jahr 2015 verlassen hatte.

An einer U-Bahn-Station in South Kensington in London fing 1994 alles an. Hier trafen sich Brian Molke und Stefan Olsdal das erste Mal. Kaum zu glauben, dass diese Zufallsbegegnung die Geburtsstunde einer Band sein sollte, die bis dato mehr als 13 Millionen Tonträger weltweit verkaufen sollte.

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Wobei solche Zahlen für Placebo keine Rolle spielen. Im Gegenteil. Sie scheinen sie fast schon ein bisschen anzuekeln. Das beweisen die Nachwehen der Greatest-Hits-Tour, auf die sich das Duo nach dem Release ihrer Best-Of-Sammlung „A Place For Us To Dream“ ab 2016 begeben hatte. Das ganze Gewese störte die Gruppe gewaltig. „Ich fand, dass das alles ein bisschen zu kommerziell wurde, in dieser Zeit – der Zeit der Retrospektive“, sagt Brian heute. „Die ganze Sache war eher kommerziell als künstlerisch und wir haben uns dagegen gewehrt. Ich dachte mir: ‚Scheiß drauf, die nächste Platte wird vom Schmerz der Welt handeln!‘ Der stumme Schrei, der überall zu hören ist – das ist es, was mich interessiert. Nicht dieses masturbatorische, selbstbeweihräuchernde Zwei-Jahres-Ding von wegen ‚Sind wir nicht toll?‘

Ein Album voller Weltschmerz

Und Molko ließ Taten folgen. „Never Let Me Go“ ist ein wütendes Album geworden. Ein musikalischer Kommentar zur Zeit, ein Album, das sich mit Intoleranz, Spaltung, technischer Übersättigung und der drohenden Öko-Katastrophe beschäftigt.

Los ging es mit den Arbeiten an der Platte bereits 2018. Vor der Pandemie. Placebo zäumten das Pferd dabei von hinten auf, stellten ihren gewohnten Arbeitsprozess dabei auf den Kopf. Das ging von selbst programmierten Schlagzeugparts bis hin zum Artwork, das diesmal nicht als letztes, sondern als erstes stand. Molko hatte ein Bild im Kopf, zeigte es Olsdal, erzählte ihm die Vorgeschichte und sie einigten sich darauf, dass es das Cover des Albums werden sollte – noch bevor sie auch nur eine einzigen Ton Musik geschrieben hatten. Daraufhin legte Molko eine Liste mit möglichen Songtiteln vor, die er in den letzten fünf Jahren notiert hatte, darunter „Happy Birthday In The Sky“ und „Beautiful James“. Anschließend wurden die Songs passend zu diesen Titeln geschrieben.

Ein Album voller Überraschungen

Was man an Placebo bewundern kann, ist die Fähigkeit, auch nach fast drei Jahrzehnten immer noch überraschen zu können. Etwa mit diesem Harfensound im Intro zum Opener „Forever Chemicals“. Kann man mal so machen. „Ich hatte diese Drum-Machine auf meinem iPad“, verrät Molko, „und ich programmierte einen Beat ein, aber dann schaute ich weiter durch das Menü und entdeckte, dass man diese Drum-Machine auf eine ganze Reihe von Orchesterinstrumenten legen konnte. Also legte ich den Drumbeat auf eine Harfe, und dann verzerrte ich ihn und legte etwas Hall drauf – Bäm! Das ist also ein verzerrter Harfen-Loop, der als programmierter Drumbeat begann. Ich schätze, das war ein Wegweiser dafür, wie wir diese Platte machen wollten.“

Nicht das einzige Glanzlicht auf dieser Platte. Der bombastische Rock von „Hugz“ gehört dazu, die Synthie-Pop-Nummer „Beautiful James“, eine mitreißenden Hymne für nicht-heteronormative Beziehungen, das melancholische „Happy Birthday in the Sky“ und das an Visage erinnernde „Sad White Reggae“ ebenfalls. Insgesamt ist „Never Let Me Go“ sehr synthie geraten, die Soundpalette aber ist dennoch umfangreich, enthält Klavier („This Is What You Wanted“), Orchestrierung („The Prodigal“), gesprochene Worte („Went Missing“) und bei „Surrounded By Spies“ ein seltsames Aufeinandertreffen von Rap und Soundtrack-Musik, zu der Stef bemerkt: „Wir haben definitiv das Gefühl, dass das für uns ein bisschen aus der Reihe tanzt.“

Aber Placebo wären ohne solche Überraschungen eben nicht Placebo.

Anspieltipps
Forever Chemicals
Hugz
Beautiful James
Happy Birthday in the Sky
Sad White Reggae
8
Starkes Comeback.
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