Mit „Lemon Tree“gelang Peter Freudenthaler und seiner Band Fool’s Garden Mitte der 1990er Jahre ein echter Welthit. In seiner nun vorliegenden Autobiografie „Mein Leben als Zitronenbaum“ kramt der Sänger und Songschreiber in Erinnerungen – und packt ein paar schöne Anekdoten darüber aus, wie es ist, plötzlich weltweit gehört zu werden.
Es kommt nicht wahnsinnig oft vor, dass Künstler aus unseren Breitengraden anderswo in der Welt mit ihrer Kunst für Furore sorgen. Den Scorpions ist dieses Kunststück gelungen, Kraftwerk, Rammstein, joa, Modern Talking, dann wird es schon eng. Fool’s Garden sind also Mitglied eines kleinen, überaus erlauchten Kreises. 1991 in Pforzheim gegründet, eroberten die Pop-Rocker mit „Lemon Tree“ 1995/1996 weltweit die Charts. In Deutschland erklomm die Single den Spitzenplatz, auch in Österreich, Irland, Norwegen und Schweden erreichte sie den begehrten Platz an der Sonne. In Großbritannien, den USA, Kanada, Australien, Neuseeland oder auch in Asien fand man ebenso Gefallen an dem Sound aus Baden-Württemberg. Nicht schlecht für eine Nummer, die Sänger Peter Freudenthaler innerhalb von 20 Minuten geschrieben hatte, als er auf seine Freundin wartete.
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Von wegen One-Hit-Wonder
Fool’s Garden feierten zwar noch den einen oder anderen Hit (etwa „Wild Days“), ein vergleichbarer Überhit war der Kapelle aber nicht mehr beschieden. Und wie das in Deutschland so ist: Statt die Pforzheimer für ihren Mega-Hit, ihren großen Erfolg zu feiern, wurden sie hernach eher spöttisch als One-Hit-Wonder bezeichnet. Als wäre das ein Makel, mal einen großen Hit gehabt zu haben, wo es doch so viele Bands gibt, denen dieser eine große Wurf nie gelingt. No-Hit-Wonder sozusagen.
Natürlich steht die Geschichte des „Lemon Trees“ im Vordergrund dieser Autobiografie, die Freudenthaler in erster Linie für seine Kinder, vielleicht auch mal für die Enkel, in Angriff genommen habe. Um die verrückte Geschichte seines Lebens festzuhalten. Grundlage dafür waren Interviews, die Freudenthaler der Ghostwriterin Michaela Fröhlich gegeben hat. Die hat einen sehr süffigen, sympathischen Stil gefunden, um Freudenthalers Stories zu erzählen.
Vor Jacko und Oasis
Freudenthaler berichtet etwa davon, wie „Lemon Tree“ überhaupt zustande kam – und davon, was der plötzliche Ruhm mit der Band gemacht hat. „Wir, fünf Jungs aus dem Wilden Süden. hatten uns an die musikalische Spitze von über 80 Millionen Menschen gesetzt. Das war absolut irre“, so Freudenthaler über den Moment, als die Band von ihrem Spitzenplatz in den Charts erfuhr. Michael Jackson, Oasis, die Backstreet Boys – sie alle wurden auf die Plätze verwiesen. Kreidebleich seien Fool’s Garden ob dieser Neuigkeit gewesen, sprachlos, der Plattenfirmen-Chef mit der Schampus-Flasche in der Hand habe die Reaktion der Band gar nicht einordnen können.
Vielleicht schwante der Gruppe da schon, das so viel Licht auch mit Schatten einhergeht. Die Gruppe musste lernen, nicht nur mit viel Liebe und Aufmerksamkeit umzugehen, sondern auch mit Verrissen und Kritik. Und das im Highspeed-Modus, wie Freudenthaler sagt. So erinnert er sich daran, dass ein Redakteur des „Musikexpress“ über ihn schrieb, dass er das Charisma eines Sachbearbeiters in einer Kfz-Zulassungsstelle“ habe. Ein Satz, der ihn damals sehr getroffen habe.
Keine Abrechnung
Dennoch: „Mein Leben als Zitronenbaum“ ist keine Abrechnung geworden. Freudenthaler wäscht hier keine schmutzige Wäsche. Obwohl es Grund dafür gegeben hätte, denn der eine oder andere hat die Naivität der jungen Senkrechtstarter damals durchaus ausgenutzt. Sie kommen – namentlich – ungeschoren davon. Lediglich ein Musiker-Kollege, der sich ein Stück vom „Lemon Tree“-Kuchen abschnitt, in dem er eine Partitur einreichte, wird kritisch angegangen, wobei Freudenthaler das Ereignis eher dazu nutzt, rechtliche Fallstricke im Musikgeschäft zu erklären.
Statt also Gift zu versprühen, nimmt Freudenthaler den Leser mit eine Reise durch sein Leben. Er erzählt vom gut behüteten Aufwachsen in Pforzheim, von Schulband-Zeiten, dem plötzlichen Erfolg als Popstar und Chartstürmer, dem Tournee-Leben sowie spannenden Begegnungen mit internationalen Stars und Fans. Und am Ende geht es mit ihm, fernab von der Musik, auch noch auf Wanderschaft.
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