Nick & June - New Year's Face (foto: Nick & June)

Nick & June – New Year’s Face

Erscheinungsdatum
Dezember 5, 2025
Label
Nick & June
Unsere Wertung
7

Schluss, aus, vorbei: „New Year’s Face“ von Nick & June ist ein waschechtes Trennungsalbum. Eines, das zeigt: Auch wenn es privat auseinandergeht, muss es das nicht auch beruflich beziehungsweise künstlerisch.

Eigentlich hatte Nick Wolf 2011 ein Solo-Projekt im Sinn. Wie das mit Plänen so ist, am Ende kam alles ganz anders. Recht schnell entwickelte sich aus Nick & June – je nach Lesart – ein Duo- beziehungsweise Band-Projekt. Die weibliche Stimme gehörte zunächst Julia Kalass, später dann Suzie-Lou Kraft. Kraft und Wolf waren auch eine ganze Weile mehr als nur Kollegen, sie waren ein Liebespaar – und dann irgendwann nicht mehr. Das hätte leicht das Ende der Indie-Band aus Nürnberg bedeuten können, tat es aber nicht. Statt die Segel zu streichen, entschieden sich Wolf und Kraft, ihre Trennung künstlerisch zu verarbeiten.

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Wie es wohl war, nach dem Aus einer langen Beziehung mit dem Ex-Partner:in an einem Studio-Piano zu sitzen und Songs zu schreiben? „New Year’s Face“ gibt dem Hörer eine Ahnung davon. Das Album ist nämlich das Resultat dieses Experiments. Zusammen mit dem Grammy-prämierten Produzenten Peter Katis (The National, Interpol, Sharon Van Etten, Stars) haben sie – umgeben von Mikrofonen, Gitarren und alten Synthesizern – zehn Songs entwickelt, die gleichzeitig intim und weitläufig, zerbrechlich und robust wirken. Musikalisch ist das Duo hier zwischen Indie, Folk- und Dream-Pop unterwegs, die Songs klingen dabei mehr melancholisch-verträumt als aggressiv-abrechnend.

Mehrere gelungene Kollaborationen

Einer der stärksten Nummern des Albums ist „Anthem“. Ein Song über das Bewahren von Momenten, die man sonst verlieren würden. Man spürt hier förmlich die Schwere der Erinnerungen, ohne dass sie aufgeblasen werden.

„You Are the Voice That’s Hunting My Soul for a Show“ überzeugt durch eine cineastische Qualität. Die wiederkehrenden Refrains, die leichten, flimmernden Arpeggios, Suzie, die die Worte trägt – alles bewegt sich wie Nebel über eine Stadt bei Nacht. Fragile Wahrheiten, die in der Schwebe bleiben. „We are the bright and the dark“ – ein Mantra, das die Dualität von Hoffnung und Verlust, Nähe und Distanz bündelt.

Nicht das Ende von allem

Auch „The Boy with the Jealous Eyes“ bleibt haften. Ein Liebeslied und leise Betrachtung des Menschseins zugleich. Unterstützt werden Nick & June hier von der spanischen Sängerin und Künstlerin Russian Red. Eine von mehreren äußerst gelungenen Kollaborationen auf der Platte. Bei „2017“, bei der Nick & June mit The Antlers gemeinsame Sache machten. Die New Yorker Indie-Band um Peter Silberman passt mit ihrer introspektiven, fragilen Klangwelt perfekt in Nick & Junes Sound-Universum. „2017“ lebt in der Unruhe, in den verschobenen Winkeln von Zeit und Erinnerung, und offenbart am Ende einen flüchtigen Augenblick der Versöhnung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Auch auf „Pinker Moon“ sind die Antlers mit von der Partie. Owen Pallett geht der Band dann schließlich bei „Husband & Wife“ zur Hand.

Kurzum: Eine Platte, die beweist, dass eine Trennung nicht das Ende von allem sein muss. Sondern auch der Beginn von etwas Neuem.

Anspieltipps
You Are The Voice That's Hunting My Soul For A Show
Anthem
2017
The Boy With The Jealous Eyes
7
Ein Neuanfang.
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