Lutz van der Horst mit Thilo Gosejohann (foto: Fiege)

Live: Lutz van der Horst in Karlsruhe – Konfetti-Blues

Fernseh-Comedian Lutz van der Horst („heute show“/ZDF) hat im Oktober mit „Konfettiblues“ seinen Debütroman vorgelegt. Diesen hat er am Mittwoch im ausverkauften Karlsruher  Tollhaus vorgestellt – und dabei auch aus dem TV-Nähkästchen geplaudert.

Eigentlich kennt man Lutz van der Horst vor allem als schlagfertigen Außenreporter der ZDF-Satiresendung „heute show“, der Politikerinnen und Politikern freche, manchmal auch sehr schmerzhafte Fragen stellt. Egal ob sie Karl Lauterbach, Markus Söder, Robert Habeck, Tino Chrupalla oder Olaf Scholz heißen. Nur an Friedrich Merz beißen sich van der Horst und sein Kollege Fabian Köster regelmäßig die Zähne aus. Wie man denn an die Politiker rankomme, wollte ein Besucher im Tollhaus von van der Horst wissen. „Wir gehen einfach ran“, brachte dieser die Überrumpelungstaktik der satirischen Reporter trocken auf den Punkt. Man passe die Politiker im Pressebereich des Bundestags ab, meistens, wenn diese auf dem Weg aus oder in die Kantine sind. „Da können sie bei uns durch, müssen das aber nicht. Tatsächlich, so haben wir neulich gehört, gibt es WhatsApp-Gruppen, in denen sich Politiker gegenseitig vor uns warnen“, plauderte van der Horst in Karlsruhe aus dem Nähkästchen. Manche suchten aber auch regelrecht die Kamera, das sei dann schon fast wieder lästig.

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Voll bis unters Dach

Eigentlich ging es an diesem Abend im bis unters Dach gefüllten Tollhaus aber um etwas anderes. Lutz van der Horst hat ein Buch veröffentlicht, einen Roman. Seit 2004, so sagt er, habe er an „Konfettiblues“ geschrieben. Natürlich nicht durchgängig. „Als ich damit anfing, lief es bei mir gerade nicht so gut. Beruflich wie privat war das eine schwierige Zeit. Das Schreiben hatte etwas Therapeutisches, da war viel, das einfach rausmusste“, verriet van der Horst. Er habe sich jetzt endlich dazu durchringen können, das Buch zu veröffentlichen. „Auch wenn mir mein Umfeld, mein Management, davon abgeraten haben“, so van der Horst. Weil es eben eine Facette von ihm zeige, die man bislang nicht kenne. Und weil es darin auch um Themen wie Queerness, Sex, Drogen und mentale Krisen geht. Themen also, bei denen das Management fürchtete, dass man Max, den Protagonisten des Buchs, zu 100 Prozent mit  van der Horst gleichsetzen würde. Denn Parallelen zwischen ihm und der Figur gibt es durchaus.

„Konfettiblues“ erzählt vom Endzwanziger Max, einem eher erfolglosen Comedy-Autoren, der von der großen TV-Karriere träumt. Der Traum scheint in Erfüllung zu gehen, als er seine eigene Show moderieren darf. Doch schon nach drei Episoden wird diese wieder abgesetzt. Max erfährt davon aus der Fernsehzeitschrift. Und so muss er wieder unlustige Videoclips für doofe TV-Pannenshows betexten, um sich über Wasser zu halten. Auch privat läuft es nicht rund. Der junge Mann, den er im Club kennengelernt, mit dem er die Nacht verbracht und in dem er das Potenzial für die große Liebe gesehen hat, will plötzlich nichts mehr von ihm wissen. Kurzum: Max steckt in der Sinnkrise – und der Leser begleitet ihn bei dem Versuch, sich aus dieser zu befreien.

Brügge statt Südafrika

Der Verlag bewirbt „Konfettiblues“ als Liebesroman. „Wahrscheinlich weil er sich so besser verkauft“, sagt van der Horst, der sein Debüt aber eher als eine Mischung aus Coming-of-Age-Geschichte, also eine Story über das Erwachsenwerden, und RomCom (Romantic Comedy) bezeichnen würde. In Karlsruhe las van der Horst mehrere Passagen aus dem Buch vor, beantwortete dazu Fragen von Moderator Thilo Gosejohann (Regisseur und gleichzeitig ein enger Freund von ihm), aber auch aus dem Publikum.

Das ließ sich nicht zweimal bitten, interessierte sich aber – gemessen an den Wortmeldungen – eher für die TV-Karriere des 50-jährigen Kölners, der ja auch regelmäßig im ZDF-„Fernsehgarten“ zu sehen ist und neulich auch eine Gastrolle im „Traumschiff“ ergatterte. Es ging nach Südafrika, „ich hatte aber nicht so viele Drehtage und musste in Brügge schon von Bord. Nicht einmal Florian Silbereisen habe ich gesehen“, so der sympathisch selbstironische van der Horst.

Die wenigsten Besucher der Lesung hatten sein Buch bisher gelesen, wie eine Spontan-Umfrage des Comedians ergab. Wenn man sich die lange Warteschlange vor dem Bücher-Tisch nach der gelungenen und kurzweiligen Veranstaltung so betrachtet hat, dürfte  sich die Leserzahl demnächst dramatisch erhöhen.

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